« Indische Küche | Main | Hyderabad »

Heilige Kühe und Katzen

Ich war in einem Hare-Krischna Tempel wo Bhagwan gehuldigt wird. Eine Viertelstunde lang "hare hare, hare hare, hare ,hare rama" usw. usf. Wer die zweite Strophe errät, kriegt einen Bhagwan Gedichtband. Der Hammer: Mitten im Tempel lag auf dem Boden eine Katze und hat geschlafen. Ich dachte zuerst, die sei tot, aber als ein Kind sie angefasst hat, hat sie urplötzlich gefaucht. Wie Hunde, sind die Katzen wild und streunen rum. Sie sind ziemlich ausgemergelt, haben aber schöne Gesichter. Wie ägyptische Katzen aus den Tempelmalereien.

Ich spiele mit dem Gedanken, eine Sekte zu gründen mit einem Katzenkult als Mittelpunkt. Wenn immer eine Katze unterwegs ist, müssen alle Autos anhalten/ausweichen. Wie bei den heiligen Kühen. Und auf die Autos kommen Kleber "Cats love you - as long as you provide Whiskas". Und Schorsch dabbleiu sagt dann andauernd "Cats bless America". Immerhin hatten die schon mal einen Präsidenten, der Garfield hiess. Zudem schicke ich Leute in die Welt hinaus, die an Türen klingeln und sich vorstellen "Wirr möchten mit innen überr Katzen sprechenn". Da sollte ich besser keine Witze machen. Wenn die Amis anfangen Fremdsprachen zu lernen, muss es ernst um die Menschheit bestellt sein. Das Ende der Welt könnte näher sein als uns lieb ist.

In Indien sind alle Weltreligionen vertreten. Die Hindus sind in der Mehrheit. Kein Wunder, sie haben mit Abstand die schönsten Tempel. Ich bin ein grosser Fan von Barock-Kirchen, ich stehe auf oppulenten Kitsch. Bisher dachte ich, die Barock-Benchmark sei unschlagbar, bis ich in Indien eines besseren belehrt wurde. Den ultimativen Tempel gabs in Chennai. Alles voller Figuren (es sollen mehr als tausend sein) und als Bonus waren alle mehr als bunt angemalt. Rote Gesichter und blaue Körper mit noch etwas Gelb und Grün – das Schärfste das ich je gesehen habe. Da kann nicht mal Disneyland mithalten, und das will was heissen.

Damit habe ich auch schon wieder einen Baustein für meine noch zu spezifizierende Religion. Tempel vom Feinsten. Ich würde sie finanzieren indem ich ganz wirtschaftsfreundlich den Geldwechslern im Tempelbezirk Franchise-Verträge anbiete. Das Vorhaben ist aber insgesamt schwieriger als erwartet, da braucht es ja noch eine ganze Menge mehr und ich bin erst am Anfang. Der Trick ist theoretisch einfach, Jesus und Mohammed habens vorgemacht. Ich quatsche den ganzen Tag und jemand schreibt dann alles auf. Der Nachteil: Ich sollte natürlich schon ab und zu was Kluges sagen, sonst glauben nachher die Archäologen, ich sei ein Politiker gewesen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich dann nie sicher bin, ob die Jünger alles richtig aufschreiben. Durch das Outsourcing /Offshoring weiss ich, dass es ein Service Level Agreement braucht, das die Rechte und Pflichten von Guru und Jünger festlegt. Ich stelle mir vor, wie Jesus beim Abendmal mit seinen Jungs den Vertrag ausgehandelt hat. Ich beneide sie, denn die Leute hattens damals einfacher - es gab kein Non Disclosure Agreement zu verhandeln. Eher das Gegenteil: Spread the word. Wie ihr seht, ist so eine Religion eine ganz schön komplexe Sache. Ich arbeite noch dran.

About

This page contains a single entry from the blog posted on 19.03.07 17:45.

The previous post in this blog was Indische Küche.

The next post in this blog is Hyderabad.

Many more can be found on the main index page or by looking through the archives.

Creative Commons License
This weblog is licensed under a Creative Commons License.