Meine Erkundigungen der lokalen Kultur hatten mich zu einem Geheimtipp geführt. Die Friseure schneiden nicht nur die Haare, sondern sind sowas wie Ayurveda-Masseure. Nach dem Schneiden der Haare wird ein seltsames Oel eingerieben und dann einmassiert bis die Schwarten krachen. Ich dachte, mir fliegt das Blech bzw. das Skalp weg. Nachdem die Gehirnerschütterung abgeklungen war, habe ich mich sauwohl gefühlt.
Wenn die Leute zuhörten, rollten sie den Kopf. Das Phänomen wird "noddie" genannt. Man weiss nicht, ob das Ja oder Nein nach unserem Verständnis sein soll. Weder noch, es ist nur das Zeichen, dass man zuhört. Die Bewegung soll die Durchblutung fördern. Für die Inder ist es irritierend, wenn man zuhört, sich aber nicht bewegt, denn das ist das Zeichen, das man ein inneres Nickerchen hält. Ich kann nicht den Kopf rollen, habe aber gemerkt, dass intensive Bewegung des Oberkörpers die Situation verbessert. Also wundert euch nicht, wenn ich neuerdings in Gesprächen wild rumzucke. Es ist nur Peter, kein Parkinson.
Noch eine Erkenntnis. Ich habe endlich gecheckt woher das mit dem Black Tea kommt. Eigentlich ist das Assam oder eine sonstige Teesorte, aber ohne etwas drin. Daher schwarz. Das Gegenteil ist ready made tea, das heisst mit Milch und Zucker. Genauer gesagt wird der Zuckerbehälter mit Tee und Milch aufgefüllt. Tee ist meistens unglaublich süss und wird brühend heiss serviert. Das erste Mal war es daher ein doppelter Schock, mit der Zeit bin ich voll darauf abgefahren.
Getränke wurden immer mit Untersetzern gereicht – wegen der nassen Ränder, die nachher nicht mehr wegzukriegen sind, blabla...ja ich weiss. Dabei hätten die Firmen nichts zu fürchten, die meisten Konferenztische sind Glastische. Als ich klein war, hatte ich einen Riesenspass Glastischen Fingerabdrücke zu hinterlassen, worauf eine Tante gleich mit Ajaxglasklarwieunsichtbar angerannt kam. Nun bin ich (fast) erwachsen und ich gab mir höllisch Mühe nicht die Tatzen auf einen Glastisch zu legen, was zu einer ziemlich seltsamen Körpersprache führte. Es schienen sich aber nicht alle an die Spielregeln zu halten, und so waren die Tische voll mit Abdrücken. Es waren gar nicht so viele, aber sie fielen einfach sofort auf. Deshalb standen überall Tesa-Tücher rum. Einmal war ich kurz alleine in einem Meeting-room und habe in einem Anfall den Tisch geputzt. Die Glasscheibe tat mir einfach leid. Es schien sogar eine Kaste für Glastische zu geben: Die Unberührbaren.
