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Indische Landstrassen

Trotz meines Erlebnisses, sind Unfälle in den Städten - gemessen am Chaos - eher selten. Auf Landstrassen sieht das etwas anders aus. Die schmalste Strasse taugt als Rennpiste und wenn bei 120 km/h plötzlich zwei Laster auftauchen, die sich überholen, wird es richtig eng. Auch in der Brust, dann setzt das Herz eben mal aus. Aber solange es nicht die Hupe ist, ist das kein Drama. Einmal habe ich das in einer Rikshaw erlebt. Aber das gilt eigentlich nicht, denn die Dinger sind klein und können gut ins Gras ausweichen. Bei einer Fahrt mit einem Auto habe ich dann mehr geschwitzt als alle Finnen in der Sauna. Der Fahrer war etwas verunsichtert, als ich ihn gebeten habe, etwas langsamer zu fahren, und hat "Yes" und "sure" gesagt, bis ich aufgegeben habe. Aber verutlich bin ich ein Spiesser, denn wieso soll man nicht in Kurven überholen? Statistisch gesehen kommt ja doch nur in circa 1% aller Fälle ein anderes Auto entgegen. Und selbst wenn - voll auf die Klötze und wildes Hupen löst auch dieses Problem. Das mit dem Hupen beim Überhohlen ist mir erst auf den Landstrassen richtig klar geworden: Die LKW's sind bis zur maximalen Höhe beladen und wenn ein Baum mit tiefen Ästen kommt, weichen sie in die Mitte oder auf die Gegenfahrbahn aus. Wenn man also überhohlte, musste man dauerhupen, damit der LKW nicht aus Versehen beim Auto einen Bandencheck machte.

Es gab auch lustige Aspekte: Die grossen Landstrassen werden langsam vier- bis sechs-spurig ausgebaut, aber das war fast zuviel Platz und so fuhren Fahrräder und Ochsenkarren auf beiden Fahrbahnen in beide Richtungen. Also wenn ihr auf der Autobahn mal ein Fahrrad auf dem Pannenstreifen entgegenkommen seht, dann ist das sicher ein Inder. Der absolute Knüller waren Bahnschranken: Wenn geschlossen, schlossen alle auf und füllten alle Fahrbahnen. Dito auf der Gegenseite. Und was passierte wenn sich die Schranken öffneten? Richtig. Unter lautem Gehupe quetschten sich die Fahrzeuge aneinander vorbei. Alles sehr effizient, denn die Strassenbreite reichte ja für drei Autos und ein Motorrad, oder zwei Laster und einen Ochsenkarren. Die Allokation von knappen Ressourcen geschah in diesem Fall nicht über das Geld, wie im Kapitalismus üblich, sondern über die Hupe. Ich frage mich, ob dieses System auch für andere Kommunikationszwecke angewendet werden könnte. Jeder Bürger kriegt eine Hupe und hupt sich damit durchs Leben. Bis es sich ausgehupt hat und man nicht den Löffel, sondern eben die Hupe abgegeben hat.

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