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Mumbai

Der Verkehr in Mumbai ist das Extremste, das ich je gesehen habe. Es wird erzählt, dass alte Leute und westliche Warmduscher eine Rikshaw nehmen um die Strasse zu überqueren. Aber das ist unnötig, man braucht nur etwas Gespür für den Verkehr und sollte die Einheimischen beobachten. Der Trick: Früher oder später blockiert ein Bus den Verkehr, wenn er Leute rein- oder rauslässt. Da es kaum Haltebuchten gibt, hält er einfach mitten auf der Strasse. Dann können nur noch Rikshaws durch und die Autos bleiben stehen. Das ist dann der Moment um die erste Hälfte der Strasse zu überqueren. Wenn dann auf der anderen Seite zwei Autos langsamer werden, weil sie nicht sicher sind, wer zuerst am Ochsenkarren vorbeikommt, kann man einfach rüberrennen. Keine Sache, oder? Ich bin natürlich noch nicht so fit, um eine Kreuzung diagonal zu überqueren, aber ich werde daran arbeiten. Im Zweifelsfall gilt: Einfach draufloslaufen, die Autos halten schon. Einmal war ich unsicher ob ein Roller bremsen würde, und blieb stehen. Das hat der Fahrer überhaupt nicht erwartet und wäre fast umgefallen, weil ich mich nicht dorthin bewegt habe wo er es erwartet hätte. Drum merke: Wer stehen bleibt und nach links und rechts schaut, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnemer.

Mumbai hat eine sagenhaft schlechte Luftqualität. Ich habe gelesen, der Smog entspricht ca. 20 Zigaretten am Tag. Aber wer einatmet, hat selber Schuld. In meinem Zimmer roch es manchmal wie in einer Tiefgarage. Stimmt nicht ganz, stellt euch noch etwas Ozon von einem alten Kopierer vor, dann hat man den Groove. Ich lag manchmal nachts im Bett und wachte auf, weil ich glaubte, dass ein Auto in mein Zimmer gefahren sei. Völlig unbegründet, denn wenn ein Auto im Zimmer wäre, würde es ja hupen, weil das Bett im Weg steht. Ausserdem wäre die Zimmertür zu schmal. Wobei ich da besser keine unfundierten Behauptungen aufstelle sollte, denn in Indien gibt es eine andere Physik. Raum entsteht dort, wo er gebraucht wird. Ein Ambassodor passt durch Lücken die definitiv zu eng sind, wenn man ein Messband hinhalten würde. Das lässt aber den Actio-est-Reactio Faktor ausser acht. Denn wenn ein Ambassador kommt, wird die Lücke eben breiter. Wenn eine Auto-Rikshaw kommt kann sie schmal bleiben.

Ich habe mal überlegt, ein Computerprogramm anzuwenden, um zu sehen wie diverse Fahrzeuge am mit möglichst geringem Platzbedarf auf einer Strasse verteilt werden können. So wie bei Schneidereien die einzelnen Kleidungsteile so angeordnet werden, dass möglichst wenig Stoff verschwendet wird. Ich würde wetten, dass die Fahrer in Mumbai bei 95% des Optimums angelangt sind. Denn wenn man glaubt, dass neben dem Auto noch ein Meter frei bleibt, kommt aus dem Nirvana ein Fahrrad und quetscht sich rein.

Einmal war die Feuerwehr im Ein­satz. Die haben sehr schöne Fahrzeuge mit briti­schem Design. Die Beleuch­tung war echt indisch. Nur eines der Blinklichter hat funktioniert, das andere war nackt und hat einfach gedreht. Ich denke, der Antrag für die neue Lampe wurde gerade in einer der vielen Behörden bearbeitet. Gehört hat man nix, denn die anderen Fahrzeuge machen viel mehr Krach. Trotzdem besteht keine Gefahr, dass sie nicht durchkommen. Die Dinger sind so gross, dass es keiner riskiert, den Weg zu blockieren und zermanscht zu werden. Eigentlich logisch, denn ein Elefant hat in der Savanne nicht deshalb Vorfahrt, weil er ein Blinklicht hat, sondern weil er riesengross ist, und einfach drauflosläuft. Der Vergleich hinkt etwas, denn Feuerwehrautos haben keine Stosszähne und leben nicht in Reservaten sondern in Städten. Zu­dem sind sie nicht vom Aussterben bedroht, obwohl die Population in New York am 11. September 2001 massive Einbussen hinnehmen musste. Aber die Feuerwehrautos können leicht gezüchtet werden. In Spielwarengeschäften gibt es Babys die man selber grossziehen kann, und wenn sie erwachsen sind, kann man sie an Feuerwachen verkaufen oder in die Wildnis entlassen, wobei das gemein ist, denn sie sind an Menschen gewöhnt, und wenn sie einsam sind, fahren sie heulend durch die Städte und su­chen Kontakt.

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