Indien ist für Reisende ziemlich narrensicher. Und das nicht nur wenn man in Indien vernarrt ist. Man kann sich leicht verständigen, denn sehr viele Leute sprechen Englisch. Den berühmten indischen Akzent hört man oft, aber überraschend oft hört man gar nichts. Also man hört die Leute schon, aber eben ohne Akzent. Das Englisch haben die Briten mitgebracht und dafür die Tea-Time mit nach Hause genommen. Dann haben die Briten sich selber nach Hause gebracht, aber das Englisch ist geblieben. Alle Gesetzestexte sind englisch und basieren immer noch auf dem Common Law. Natürlich ist das ein englisch, das weder die Inder noch die Briten verstehen. Den Geheimcode können nur Anwälte entschlüsseln und die sind in Indien wie überall auf der Welt in prachtvollen Gebäuden domiziliert.
Viele kennen die indischen Call Center. Im Gegensatz zu uns ist ein Job dort sehr gut bezahlt und gilt als Karrieresprungbrett. Man hat sein Englisch tagein tagaus praktiziert. Zudem gewinnt man Lebenserfahrung. Wenn solche Leute dann in einer Pressestelle arbeiten, kann sie ein drängelnder Journalist kaum aus der Ruhe bringen. Was ist schon ein Wallraff verglichen mit einer Oma die auf der Stromabrechnung einen Fehler entdeckt hat.
Zuguter letzt das witzigste aller Erlebnisse betreffend sprachlichen Missverständnissen: Auf dem Rückweg von einer alten Burg wollte mir der Fahrer einen Laden mit "Bolts" aufschwatzen. Ich dachte an irgendwelche illegale Antiquitäten von den Palasttüren oder weiss was, habe aber gefragt was "bolts" sind. Er meinte "for the ladies" und ich habe mir wilde Sachen von Kamasutra und Intimschmuck vorgestellt, bis er vor einem Laden hielt der "Pearls" im Angebot hatte. Eigentlich sind die beiden Worte phonetisch recht naheliegend, aber ohne den kleinen mentalen Sprung liegt man Welten daneben. Nun gehe ich in die USA und erzähle denen von "Nuts'n'Pearls" und freue mich schon auf die erstaunten Gesichter.
