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The indish patient

In Chennai, formerly known as Madras, wurde ich mal so richtig von bösen kleinen Tierli niedergestreckt. Und das richtig deftig. Bis anhin lief gesundheitsmässig alles paletti und dann habe ich in einem Laden mal selbstgemachte Süssigkeiten ausprobiert. Gelee in den indischen Nationalfarben. Das musste ich einfach haben. Doch wie hiess der Spruch: "Koch es, schäl es oder vergiss es". Das hatte ich vergessen und als Rache für meinen Übermut haben mir die Götter dann die volle Dosis geschickt. Eine dreitägige Diarröhrender Hirsch mit Magen-Krämpfen. Ich bin gependelt zwischen Leben und Tod, genauer gesagt zwischen Klo und Discovery-Channel. Es gab circa zwanzig englischsprachige Sender, wobei auch dort viel Sendezeit mit dem Irak-Quatsch totgeschlagen wird. Aber es gab neben meinem geliebten Discovery Channel auch einen englischsprachigen indischen Sender, der viel über lokale Themen brachte. Eigentlich hätte ich mir viel mehr Zeit gewünscht um die lokale TV-Landschaft auszuloten. Zudem konnte ich endlich mal die Times of India komplett lesen, inklusive Kontaktanzeigen. Die Leute sind da ziemlich direkt und melden Vermögensverhältnisse ohne Hemmungen und manchmal auch die Kastenzugehörigkeit. Dummerweise war gerade keine Maharani im Angebot und so bin ich schnell wieder in den alten Trott zurückgefallen und habe nur noch den Inland- und den Wirtschaftsteil gelesen.

In Chennai hatte es vier Jahre kaum geregnet und die Wasserknappheit war echt ein Problem. In der Zeitung standen jeden Tag die Viertel, die zu gewissen Zeiten vom Netz genommen werden. Einige Viertel - genau gesagt die Armenviertel - wurden mit Tanklastern versorgt. Bis der Regengott Petrus kam. Das mit der eigenen Sekte reift langsam heran. Zurück zum Thema: An einem Abend begann es aus allen Wolken zu giessen, dass es nicht mehr schön war. Wie ein Gallier habe ich nur vor einem Angst; nämlich dass mir der Himmel auf den Kopf fällt, und dieser Zeitpunkt schien nun gekommen. Wie in den altbekannten Nachrichtenbildern waren die Strassen innert Minuten völlig überflutet. Da alles wie ein See aussah, hatte ich manchmal ein ganz seltsames Gefühl, denn wenn im Boden irgendwo ein grosses Loch wäre, würde die Rikshaw einfach drin versinken wie die Titanic. Ein mulmiges Gefühl, denn im Gegensatz zur Titanic haben Rikshaws keine Rettungsboote und keine Schotten. Ok, bei der Titanic kamen noch externe Faktoren wie ein hinterlistiger Eisberg dazu, sodass per Saldo die Rikshaws fairerweise vergleichbar sicher sind.

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