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Tunneleröffnung

Langsam aber sicher bahnt sich die neue Autobahn ihren Weg durch unsere Gegend. Das tut sie natür­lich nicht selber, denn Autobahnen sind ziemlich träge und liegen meistens nur faul in der Gegend rum. Aber sie werden gebaut und da gibt es einiges zu sehen. So letzten Sommer in Birmensdorf. Denn noch spannender als Strassenbau ist der Bau von Tunnels wenn ein Berg dem Propheten der Mobilität den Weg versperrt. Der Tunnelbau soll ja in der Schweiz nicht ganz unüblich sein. Als krönenden Abschluss der Bauerei gibt es dann ein Fest. Deshalb baut man ja schliess­lich Autobahnen und Tunnels. Wenn dann dort nachher auch ein paar Autos fahren können, umso besser - das nennt man den Spin-Off-Effekt.

Neben den üblichen Rummelplatz bzw. Rummel­tunnel- Attraktionen wie Karussell etc. gabs einige Stände der beteiligten Bau-/Herstellerfirmen. Der Bau von Tunnelröhren ist ja nur ein kleiner Teil des Ganzen. Dazu kommen dann Ausrüstungsgegenstände aller Art. Am schönsten sind diese LED-Schil­der, denen man ansonsten nie auf Augenhöhe be­gegnet, und die man kaum eines genauen Blicks würdigt. Wer nimmt sich heutzutage schon noch die Zeit, im Tunnel mal ein Päuschen einzulegen um die Technik der Anzeigetafeln genauer unter die Lupe zu nehmen. Was man sowieso nie zu sehen bekommt, ist die ganze Steuerungstechnik. So ein Tunnel ist nicht einfach ein schwarzes Loch, sondern eine unterirdische Play-Station.

Logischerweise dürfen auch die ausgestellten Feuerwehrfahrzeuge nicht fehlen. Ein Schman­kerl für die Spotter war etwas versteckt: Ein dun­kelrotes Fahrzeug von FBW - Franz Brozin­cevic Wetzikon. Sowohl der Hersteller als auch die Farb­gebung sind bereits seit einiger Zeit passé. Der Hersteller wurde von der Globali­sierung da­hin­gerafft und die Farbe Rot wurde durch ein grässliches Neongelb ersetzt, weil offen­bar ein paar Entscheidungs­träger in ihrer Kind­heit zuviel mit StabiloBoss-Stiften gespielt haben.

Am beeindruckendsten war ein überdimensioniertes Exem­plar des von Loriot erfundenen Saug-Blasers Heinzelmann. Ein Rie­senmonster - auf einem LKW montiert. Ich denke es dient dazu, bei Staus den Tunnel mal richtig durchzupusten um wieder freie Fahrt für freie Bürger zu schaffen. Natürlich könnte man das Gerät auch dazu brauchen, die von Godzilla gelegte Rieseneier auszublasen um damit einen riesigen Osterbaum zu schmücken.

Auch spannend: Ein vollintegrierter Container mit einer Familienpackung Rettungsausrüstungs­ge­genstände für Grosseinsätze. Wie bei einem voll­inte­grierten eierle­gen­den Wollmilchsau-Armee­mes­ser ist alles für den täglichen Katastrophen­bedarf in diesem Con­tainer enthalten.

Richtig entäuschend war die fahrbare Kommando­zentrale der Polizei. Als James Bond Fan ist man da natürlich ziemlich anspruchsvoll und voller Erwartungen. Nix da, keine blinkenden Lämp­chen, keine Beamer mit Karten und noch nicht mal ein Haifischbecken für in Ungnade gefallene Lakaien. Die grauen Wandteppiche waren das Sahnehäubchen der Banalität. Langweiliger als die Polizei erlaubt.

Aber ich bin dennoch ein Fan un­serer Ordnungshüter. Beim Rundgang sah ich ei­nen Polizisten mit dem ultimativen Ausrüstungs­gegenstand für den Hunger zwischendurch: Bratwurst und Bürli. Jawoll, ein richtiges Bürli, nicht so eine doofe Brotscheibe. Natürlich musste ich sofort nach dem Weg zum Glück fragen, und habe mich umgehend auf den Pilger­weg zum Grillstand gemacht. In Ein­klang mit mir und dem Universum bin ich anschliessend in verzückter Trance durch die Menschen­men­gen geschlendert, als plötzlich jemand vor mir ganz glänzende Äuglein bekam, und mich ganz auf­geregt gefragt hat, woher ich denn diese Brat­wurst hätte. Kurz erklärt und schon hat sich jemand auf den Weg gemacht. Das ist Mundpropaganda im doppelten Sinne.

Moral von der Geschichte: Eine Bratwurst mit Bürli die absolute Quintessenz eines Festes. Solange es bei jedem fertiggestellten Teilstück einer Autobahn ein Fest mit Bratwurst und Bürli gibt, nehme ich halt in Kauf, dass die Landschaft zubetoniert wird. Denn wo gehobelt wird, da fallen Brösmeli.

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