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Kultur mit Bonustracks

Gestern Abend habe ich bei den 3Satlern eine lustige Überraschung erlebt. Von Nano über Kulturzeit bis zur 3Sat Börse trugen die Moderatorinnen ein ziemlich gediegenes Makeup. Aufgrund des silbernen Lidschattens vermutete ich schon, die Damen hätten gerade ein Casting für die nächste DSDS-Moderation hinter sich. Vielleicht um nach all den brotlosen öffentlich-rechtlichen Jahren endlich ins gutdotierte Promibusiness einzusteigen. Hoffentlich irre ich mich, und bei 3Sat hält nun nur etwas mehr Glamour einzug. Natürlich geht es in diesem Sender vor allem um Inhalte. Zum Glück auch, die Anzahl dieser Sender schrumpft ja bedenklich schnell. Dennoch sind ja nicht alle Inhalte wirklich ultrarelevant und dann ist es halt schon schön eine sekundäre Metaebene zu haben. Eine Fall-back-position wie men so schön sagt.

Seit einiger Zeit beobachte ich wohltuende kleine Veränderungen bei den Kulturjournalen. Und zwar zum Guten. Angefangen hat alles mit Annette Gerlach von Arte, als sie geistig Hochprozentiges ganz kokett im kleinen Schwarzen moderiert hat. Und dazu trug sie eine Frisur wie eine Diva aus den 30er Jahren. Natürlich kann man da nicht einfach „boah, ey“ sagen, sondern eher etwas à la „Die Rolle des kritisch behavioralistischen Eskapismus wird in unserer Gesellschaft immer noch nicht in seiner ganzen Bandbreite gewürdigt“. Oder so.

Was mir aber Sorgen macht ist die Erkenntnis, dass ich einen neuen Trend nur über Umwege erfahre. Da gibt man sich solche Mühe, liest In-Style vorwärts und rückwärts, und wird trotzdem auf dem falschen Fuss erwischt. Gut, ich gebe zu, es könnte sein, dass ich mich zu intensiv mit der Werbung für Unterwäsche beschäftigt habe, und deshalb das mit dem silbernen Lidschatten verpennt habe. Also Brigitte meint, dass dies kein Trend sei, sondern eher ein Dauerbrenner/Klassiker. Mir auch recht, aber wieso sagt mir das keiner? Gut, sorry, ich habe ja auch nicht gefragt. Wie dem auch sei, es sah sehr gediegen aus.

Ich würde auch nicht gleich alle Festungen schleifen. Die spröden Damen der Kulturjournale haben nämlich ihren eigenen Reiz. Weil sie nämlich weiter entfernt sind von meiner Welt als beispielsweise Indianer im Amazonasbecken. Wenn dann irgend eine langweilige Meldung kommt, stelle ich mir zum Beispiel vor, dass die Gute das Studium der Kulturgeschichte mit Summa cum laude abgeschlossen hat. Und das mit Alt-Tibetanisch im Nebenfach. Und den letzten Schreibfehler hat sie 1983 gemacht, aber nur um eine dieser Sportskanonen-Jungs zu beeindrucken. Hat aber nichts gebracht.

Was ich wirklich faszinierend finde, ist die Beobachtung, dass auch bei scheinbar spröden Frauen immer noch viel Humor vorhanden ist. Der Gang durch die Institutionen scheint sie nicht gänzlich versauen zu können. Natürlich würden kulturschaffende Frauen niemals einfach vor Lachen lospusten. Es staut sich vielmehr kurz an, wird durch so etwas wie reflektive Resonanz noch verstärkt, und entlädt sich dann wie eine unterirdische Explosion. Kaum sichtbar, aber spürbar. Sicher ist es nicht einfach, solche Frauen zum Lachen zu bringen, aber es lohnt sich, das Feedback ist einfach unglaublich. Gerade weil es so schwer vorherzusagen ist.

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