TCV Total Cost of Vanity
In der Informatik wird unter dem Begriff TCO "Total Cost of Ownership" ermittelt, wieviel eine Softwaredienstliestung als Ganzes kostet, da Lizenzkosten als Vergleichsgrösse denkbar ungeeignet sind. Bei Open Source Software liegen sie bei Null, aber dann fängt der Spass erst an. Insbesondere die versteckten indirekten Kosten beispielsweise für Herzkasperkosten von unbedienbarer Software wird mit TCO-Rechnungen unter die Lupe genommen.
Nun könnte man diesen Gedanken in die Wirtschaftswelt ausdehnen. In den letzten Jahren waren die abstrusen Spitzengehälter von CEO's in aller Munde. Die Gegner von solchen Abzockern übersehen, dass das die Höhe des Gehalts noch die gute Nachricht war. Wie bei einem Eisberg liegen 7/8 unter dem Wasser verborgen wie die Titanic aus eigener Erfahrung zu berichten weiss.
Mit TCV "Total Cost of Vanity" werdendie wahren Kosten eines CEO ermittelt. Wie bei einem König gehören zu einem CEO zuerst mal sündhaftteure Insignien der Macht. Die goldene Kutsche ist durch einen Privatjet abgelöst worden. Eigentlich Schade, denn Pferde hätten mehr Stil. Aber warten wirs mal ab, wenn mehr Frauen im Topmanagement einziehen, könnte sich das Blatt wieder wenden. Da will ich auch gerne zugeben, dass ich bei Kosten für solche Inszenierungen nicht nur beide Augen, sondern auch das sechste Chakra zudrücken würde, weil ich Inszenierungen liebe, und mein barockes Gemüt nicht wegen ein paar Fränkli unnötigen Höllenqualen aussetzen würde.
Das Problem liegt tiefer: Der Status eines CEO bzw. Königs zeigt sich in seiner Entourage, die dem Herrscher huldigt, und dafür mit grosszügigen Geschenken bedacht wird. Obwohl die Globaliserung wahrlich nicht im Schneckentempo voranschreitet, halten sich alte Traditionen wie das Hinterherziehen einer Schleimspur. Nur dass diese Spur bei einem CEO aus Gold zu bestehen scheint. Früher lockten die grossen Reichtümer am Klondike River, heute schürfen Unternehmensberater in ihren Claims nach Gold.
Der grösste unsichtbare Brocken unter Wasser, der auch grosse Schiffe in arge Bedrängnis bringen kann, sind finanzielle Fehlentscheidungen. Firmen wie Swissair oder neulich UBS haben dies plastisch demonstriert. Abschreibungen sind ein Teil des Unternehmensalltags. So ist es normal, dass ein kleines Sushi auf dem Förderband das Ende des Life-Cycle nach ein paar Durchgängen nicht in einem Magen sondern im Mülleimer erlebt weil es keinen Liebhaber fand. Aber erst wenn das Management in schamloser Eitelkeit auf Wachstumskurs geht, wird es gefährlich. Dann schnellen die Kosten des TCV in die Höhe. Weil einige CEO's nicht dem Aktionär oder einem anderen Stakeholder huldigen, sondern nur noch ihrem Ego werden gigantische Risiken eingegangen. Auf fremde Kosten wohlgemerkt, die Egomanen tragen nur homöopatische Risiken selber. Kein Wunder, die Bonus-Systeme fördern dieses Verhalten. Im besten Fall werden sie zu Sonnenkönigen und dann haben vielleicht sogar die Aktinäre einen Vorteil vom Expansionskurs. Was aber nicht zwingend ist, sondern eher ein Spin-off Effekt der ganzen Eitelkeit darstellt. Im schlimmsten Fall gehen Riesenvermögen verloren und die Ärmsten werden gefeuert; allerdings ohne einen Cent von ihrem vorangegangenen Riesengehalt zurückzahlen zu müssen. Die Zeche zahlen dann ausschliesslich die Stakeholder durch Kursverlust, Arbeitslosigkeit oder Steuerausfälle.
Das Hauptproblem liegt bei uns Aktionären. Wobei mich natürlich kaum Schuld trifft, weil ich fast so Arm wie eine Kirchenmaus bin. Aber es wäre vermessen zu behaupten, dass ich besonders viel Wert auf eine angemessene Vertretung gelegt hätte. Durch Depotstimmrechte habe ich mich komplett entmachtet. Da sehr viele Aktionäre das gleiche getan haben, wurde der Grundgedanke der Aktiengesellschaft ziemlich ausgehölt. Wenn in einem Altenheim die Pfleger Wahlzettel von Rentnern ausfüllen, führt das zu einem kleinerem Skandal. Aktionäre finden das so normal wie das Amen in der Kirche. Und wundern sich dann noch, dass sie Arm wie Kirchenmäuse bleiben. Worauf man feststellen muss, dass eine richtige Kirchenmaus zwar nichts zu essen kriegt, aber wenigstens gelegentlich etwas Weihrauchdämpfe schnüffeln kann.
Aktionäre als Ganzes scheinen Dümmer als die Summe des Einzelaktionärs zu sein. Zum Abschluss als Fazit das klassische Top-Bonmot von Carl Fürstenberg: "Aktionäre sind dumm und frech - Dumm weil sie ihr Geld anderen Leuten geben, und frech wenn sie dafür auch noch eine Dividende haben wollen".
