Angesichts der bevorstehenden EM würde ich die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Östereich mal etwas weiterspinnen. Ich denke da an eine Wiedervereinigung, obschon seit 1291 doch schon ein Weilchen vergangen ist. Der Hintergrund: Eigentlich wäre es ganz schön, die Monarchie in der Schweiz einzuführen. Doch das ginge wirklich schlecht einfach so, denn sowas hats hier noch nie gegeben und da könnte ja jeder kommen. Deshalb ein kleiner Schachzug. Zuerst Wiedervereinigung, dann Wiedereinführung und dann Wiederholung im Nachtprogramm - für diejenigen denen das zu schnell ging.
Als Royalist hat man es nicht leicht, aber mit dem Hang zum Kitschigen und einer Leidenschaft für grosse Inszenierungen kann unsereins ja kaum ohne pompöses Königstum auskommen. Es ist einfach traurig wenn bei öffentlichen Auftritten Bundesräte als Oberbeamte auftreten, und man sich dann die grosse Show mit Kutschen, Kostümen und glückselig fähnchenschwenkende Omas mit enormer Phantasie dazudenken muss. Zudem haben auch Grabenkämpfe innerhalb einer nicht namentlich zu nennenden schweizerischen Volkspartei niemals denselben Kribbelfaktor wie ein royaler Rosenkire, als sich Charles und Diana noch richtig Zunder gegeben haben und die arme Mutti so unglücklich aus der Wäsche geguckt hat. Die Queen hat zwar schon seit 1956 ein leicht säuerliches Gesicht, aber bei einem Staatsoberhaupt hat das automatisch etwas Erhabenes. Je grösser das Imperium desto mehr Contenance. Zum beispiel schwer vorstellbar, dass der Papst beim Urbi et Orbi mal eine Zote reisst.
In diesem Zusammenhang muss natürlich gesagt werden, dass nur eine konstitutionelle Monarchie in Frage kommt. Zum einen um Selbstherrlichkeit zu vermeiden, denn sonst würden die Herrschaften ja noch in einem Anfall von schrägem Humor Bullen erlassen, die keine Sau interessieren. Zum zweiten wäre es frustrierend zuzuschauen wie Ihro Hoheiten im harten politischen Tagesgeschäft zermanscht werden. Verglichen damit sind Fahrten in Pariser Tunnels so sicher wie das Fliegen. Es passiert selten was, aber wenn, dann gibt ein Riesengeschrei, genannt Medienecho. Und kaum einer gedenkt der tausenden von Abgeordneten und Ministern die alljährlich beim Überqueren des Wegs in die Zukunft von rücksichtslosen Reform-Rasern überfahren werden. Deshalb wird schlauerweise das Königshaus vorsorglich vom Minenfeld der Macht ferngehalten.
Die Scheiz und Östrreich zusammen wären hoffentlich noch klein genug um handlunsfähig zu bleiben. Ein unsteuerbarer Supertanker wie Deutschland ist deutlich weniger sexy als eine kleine agile Alinghi. Selbstverständlich müsste alles mit direkter Demokratie funktionieren, es sei denn, es würde sich abzeichnen, dass niemand eine Monarchie will. Dann gäbs keine Abstimmung und Schuld wären UNO und/oder die WTO. Kurze Randale am Genfersee und die Sache wäre paletti. Später könnten dann die Hinterbänkler alle paar Jahre eine Initiative zur Abschaffung der Monarchie präsentieren, die natürlich rein rhetorisch wären, weil ja alles so schön ist. In den Jahren, in denen werde EM noch WM stattfinden, müsste man sich fortan keine Sorgen mehr machen über den Content zur Befüllung des Sommerloches.
Bliebe die Frage, was denn Österreich davon hätte. Vor zwanzig Jahren wäre alles einfacher gewesen. Da war die österreichische Wirtschaft eine schlaffe Schilling-Schlampe und das Bedürfnis nach mehr Dynamik nicht zu überhören. Und Knete zieht immer. Bin nicht sicher, ob die DDR wirklich wegen Freiheit und Demokratie zum Kohlschen M&A ja gesagt hat, oder ob die Ossis einfach mal vollfette Autos fahren wollten. Mit Pioneer statt Pioneren. Zurück zum Thema: tempi passati, pech gehabt. Seit dem EU-Beitritt hat Österreich eine ziemlich dynamische Wirtschaft und in der wichtigsten Disziplin, dem Anlocken von entnervten deutschen Unternehmern inklusive Werk und Belegschaft punktet die andere Alpenrepublick immer besser. Reine Steuerhinterziehung ist im globalen Standortwettbewerb zuwenig. Wieso sich nur die Brosamen der Wertschöpfungskette zufriedengeben? Sind ja nicht Liechtenstein. "Alles aus einer Hand" oder Systemintegration heisst die Devise in der Wirtschaft. Genau da braucht Österreich keine Entwicklungshilfe mehr. Was meine Pläne schon arg in Bedrängnis bringt.
Aber he, he, einen Trumpf gibts noch: Das Stammhaus der Habsburger mit dem sinnigen Namen Habsburg steht in der Schweiz. Und hat Jubiläum, also wenn das kein Wink des Schicksals ist. Hier wird der Name als "Happsburg" ausgesprochen, aber an der Betonung mit einer weihevoll-ehrfürchtigen Erhabenheit kann man noch arbeiten, das ist das geringste Problem. Der Haken ist das Gebäude. Eine absolute 08/15 Burg wie sie entlang dem Rhein an jeder Flussecke steht. Das ist einfach viel zu mickrig. Deshalb bräuchte es etwas Nachhilfe. Zuerst mal alles abfackeln, den Sozis oder Arabern alles in die Schuhe schieben, und dann Wiederaufbau. Aber im authentisch-historischen Originalzustand - genauer gesagt in szenografisch korrekten Originalzustand. Im Film "Wag the Dog" wurde ein zur Kommunikationsstrategie passender Themen-Song von Wille Nelson als "uralte" Schellackplatte in der Kongressbibliothek hinterlegt und "zufällig" wiederentdeckt. Genauso mit den "Originalplänen" der Habsburg. Dumm ist nur, dass die entsprechende Koriphäe Konrad Kujau schon gestorben ist. Aber das würde mich nicht abschrecken. Wichtig wäre es einfach einen Entwurf zu realisieren, neben dem Neuschwanstein aussieht wie eine Filiale von Lidl. In beiden wird zwar viel gefilmt aber der Titel "schnugelig-süsseste Versuchung seit es Märchenschlösser gibt", würde bald an die wiederauferstandene Ruine im Aargau gehen. Nicht, dass ich mich jetzt da in den Vordergrund drängen wollte, aber ich könnte mir schon vorstellen beim Design zu helfen, wenn mich jemand fragen würde.
