Als leidenschaftlicher Fan von Krimis habe ich natürlich so meine Lieblinge. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass fast alle aus den USA kommen. Eigentlich müsste ich sagen zu unserer Schande, denn ich habe mich schon oft gefragt, wieso es in Europa sowenige spannende Krimiserien gibt. Ich will nicht unfair sein, das ist Geschmackssache. Zu den wenigen Favoriten aus dem deutschsprachigen Raum zählt der Bulle von Tölz. Das Zeter Mordio ist gar nicht so wichtig, vielmehr schätze ich den netten Schlagabtausch mit dem Prälaten und die krummen Dinger von Rambold Toni und seinem alpinen Amigo-Biotop. Streng genommen sind das weniger Krimis, als vielmehr Don Camillo & Peppone mit einem Schuss Verschwörung aus dem Hause von Grisham John.
Im Kernsegment der Krimis is mein unangefochtener Spitzenreiter der trottelige Inspektor, der seit mehr als 30 Jahren immer noch eine Frage hat und nur an seinem Bericht an den Chef interessiert zu sein scheint. Schon hart, dass die Verbrecher das bis heute nicht geschnallt haben, und sich nichtsahnend um Kopf und Kragen reden. Das Schöne daran ist, dass es keine bananle Fallen sind nach dem System Maus=> Käse=> Zack => und tschüss. Vielmehr gleichen sie einem sorgfältig konstruierten Spinnennetz. Auch bei der x-ten Wiederholung ist es spannend zuzusehen, wie sich langsam aber sicher das Netz zuzieht und der Teufel im Detail zuschlägt. Und der trägt noch nicht mal Prada, sondern einen abgewetzten Trenchcoat. Die Glaubwürdigkeit der Handlung ist minimal, dafür sind die zwischenmenschlichen Spielchen Megasüss. In dieser Geschmacks-Liga spielen auch die anderen schrulligen Bullen wie Mister Monk oder Brenda Leigh Johnson (The closer) - zwei Talente am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Ein schönes Gegenstück ist Criminal Intent mit eher realistischeren Handlungen und einem wahnsinns Gruselfaktor. Nicht im Sinne von hässlichen Monstern, sondern den seltsamen, gestörten Figuren. An der Spitze Nicole Wallace, der charmante Todesengel aus Australien, die wie ein Kängaru von Leiche zu Leiche hüpft. Leider durfte sie nur viermal zuschlagen und entkommen. Vermutlich wollten die Autoren nicht, dass es einreisst wenn Mörder ungestraft ihrem Hobby nachgehen können und die Zuschauer die Fronten wechseln, weil man sich auf den nächsten Auftritt freut und der Held es schon wieder nicht schafft, die Nuss zu knacken. Wo doch Vincent D'Onofrio sonst so ein zuverlässiger, strebsamer und hartnäckiger Jäger ist. Sobald sich die Handlung festfährt, zuckt er einen Trumpf und die Fieslinge gucken in die Röhre - sonst eigentlich das Privileg des Fernsehzuschauers.
Lange Zeit gefiel mir auch CSI. Bis es zur Massenproduktion verkommen ist und die Handlung den Pfad der tugendhaften Naturwissenschaften verlassen hat. Ich träume ja auch schon lange von einer Bildbearbeitungs-Software die aus einem schlechten Bild einer Überwachungskamera anhand einer Spiegelung in einer Cola-Dose im gegenüberliegenden Strassencafé einen Namen auf einem kleinen Ring einer Hand am Steuer sichtbar macht. Unsereiner würgt sich beim Vergrössern von Bildern mit Krücken wie bikubischer Interpolation einen ab und das Kriminallabor zaubert Informationen aus dem Nichts. Die sollten eigentlich ein Patent auf solche Verfahren anmelden, denn das Informations-Perpetuum-Mobile hat noch keiner erfunden. Eigentlich ist CSI heute mehr Science Fiction als Krimi. Am Anfang war es schön den guten alten Quincy im Zeitalter des Computers wieder im Einsatz zu sehen. Und CSI hat sicher einiges beigetragen, das Interesse an den Naturwissenschaften zu wecken. Vielleicht bekommt man so den Nachwuchsmangel an Ingenieuren in den Griff, denn das Kriminal-Labor wirkt wie ein riesiges Product-Placement des VDI.
Die beste Truppe ist die aus Las Vegas. Die Klonkriege haben kaum was gebracht. In Miami wirkt ein durchgestyltes Labor kindisch, da wäre es konsequenter, wenn gleich der Don Johnson seine Vokuhila-Frisur im Ferrari spazieren fährt. Der einzige artgerechte Vertreter der Kriminaltechniker ist William Petersen. In meiner Lieblingsfolge fängt er ein Techtelmechtel mit einer Domina an. Das hat was. Nicht nur, dass sie den ganzen Tag in superheissen Klamotten rumrennt, das heisst mit Stiefeln, die bis über beide Ohren reichen. Das eigentlich scharfe ist ihre Erfahrung über die Abgründe der menschlichen bzw. männlichen Psyche. Der Kontrast zu einem trockenen Wissenschaftler böte Stoff für eine eigene Serie.
