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Juli 2008 Archives

23.07.08

Kinderarbeit

Peinlich, dass Banken Fussbälle verschenken, die von pakistanischen Kindern gefertigt wurden. Deshalb spiele ich selber nicht mehr Fussball. Gut, ich war schon vorher auf der Linie von Churchill: No sports. Und der war immerhin ein grosser Staatsmann. Aber nun musste ich entsetzt feststellen, dass auch im Reisanbau Kinder beschäftigt werden. Und weil die Leute von TransFair darauf achten, dass die einheimischen Kinder zur Schule gehen, werden Gastarbeiter-Kinder aus Industrieländern zur Fronarbeit gezwungen. Der Beweis:

Mandarin Chiang Mai TH 04.jpg

Des Rätsels Lösung: Das Bild stammt vom Mandarin-Oriental Resort in Chiang Mai. Weil das mit dem Palmenstrand im Hochland von Thailand so eine Sache ist, und weil der Ausblick auf eine Textilfabrik nicht besonders romantisch wäre, wird vor den Luxusvillen nach traditionellen Methoden Reis angebaut. Nach der Ayourveda-Massage kann man mit dem Schirmchendrink zuschauen wie Wasserbüffel ihre Runden drehen. Und statt von behämmerter Club-Animation geistig sediert zu werden, können Kinder (und Erwachsene ebenso) alte Handwerkstechniken ausprobieren. Und das in einem Fünf-Sterne Resort. Das Konzept reicht noch viel weiter. Die Anlage wurde von Handwerkern erbaut, die auch Lehrlinge ausbilden. Durch die Modernisierung werden alte Techniken zunehmend durch preiswertere industrielle Massenfertigung aus Baumärkten abgelöst. Kein Wunder, Obi tönt ja irgendwie nach asiatischem Nudelgericht.

Das Resort bietet Luxus auf einem neuen Niveau. Für die Gäste einen Ausflug in die (baldige) Vergangenheit und mit den Einnahmen werden alte Traditionen am Leben erhalten, die sonst sang- und klanglos in die Klongs gespült würden. Ein schöner Kontrast zur vulgären Protzerei in den Emiraten. Bei genauem Hinsehen sind Hotels wie das Burj al Arab nichts anderes als Premium-Plattenbauten. Ein Foyer mit den Dimensionen einer Turnhalle mag zwar auf den ersten Blick grosszügig wirken, strahlt aber keinerlei Emotionen aus. Nicht dass es nicht möglich wäre, grosse Räume erlebnisreich zu gestalten - barocke Kirchen sind der beste Beweis. Nur braucht es viel Aufmerksamkeit im Detail.

Genau die wird zu oft der plumpen Effekthascherei geopfert. So werden dann in Arabien gerne die Decken dieser Turnhallen mit kiloweise Gold überzogen. Dadurch wird billiges Design durch teure Hardware übertüncht. Anstatt über die Inszenierungstricks für orientalische Stimmungen zu schwärmen, werden die Pressereferenten nicht müde zu erzählen, wieviel Geld alles gekostet hat. Sehr stilvoll wenn unmengen teurer Marmor eingeflogen wurde. Bis auf das Detail, dass sich keiner Gedanken gemacht hat was damit erreicht werden soll. Halt sauteuer, habe ich das schon gesagt? Als überzuckertes Sahnehäubchen erhalten die Gäste eine Fernbedienung für ein hochkomplexes Facility-Management System. Um das Licht auszuschalten braucht man ein Informatikstudium und wenn man den falschen Knopf drückt, wird statt RTL 2 die Klospülung aktiviert. Kein Wunder, bei überladenen Systemen sind verwandte Funktionen nur schwer zu unterscheiden und stiften deshalb so viel Verwirrung.

Das Mandarin in Chiang Mai zeigt nicht nur die hohe Schule des Theming-Designs. Uraltes Kunsthandwerk wird mit aktuellem Komfort verknüpft. Als i-Tüpfelchen wird mit den Einnahmen der betuchten Kundschaft ein Freiluftmuseum betrieben. In Schwellenländern fehlen dafür Mittel, beziehungsweise hat die wohlhabende Oberschicht diese Form des Kultur-Sponsorings hat noch nicht oben auf der Agenda. In den USA haben die Rockefellers mit Spenden die Kolonialstadt Williamsburg restauriert. In der Schweiz wird das Museum Ballenberg mit Steuermitteln betrieben, das Seminarzentrum liegt ausserhalb. Bauwerke die sich selber finanzieren und in denen man auch noch wohnen kann, kannte ich bisher nur von Palästen aber nicht von Hütten. Brecht meinte einst, die einen sollen Krieg und die anderen Frieden bekommen. Nun wird dieser Konflikt mit einem einheitlichen Geschäftsmodell gelöst. Da sind die Asiaten Weltmeister mit ihrem Yin-Yang-Ding.

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