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   <title>Bankgeheimnis</title>
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   <published>2009-07-03T21:21:42Z</published>
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   <summary>Die Finanzkrise ist nun ausgewachsen und kriegt Kinder. Im Zuge der Neuregulierung der Finanzmärkte wird die heilige Kuh der Schweiz geschlachtet, das Bankgeheimnis. Die andere heilige Kuh, die lilafarbene darf noch etwas auf der Weide bleiben, aber aufgrund des Zerfalls...</summary>
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      <![CDATA[Die Finanzkrise ist nun ausgewachsen und kriegt Kinder. Im Zuge der Neuregulierung der Finanzmärkte wird die heilige Kuh der Schweiz geschlachtet, das Bankgeheimnis. Die andere heilige Kuh, die lilafarbene darf noch etwas auf der Weide bleiben, aber aufgrund des Zerfalls der Milchpreise ist auch sie als toxisch einzustufen. Kein Wunder, diese Farbe kann ja wohl nicht natürlich sein, da sind sicher ganz fiese Substanzen im Spiel. Wenn ich Hindu wäre, würde mir Angst und Bange werden wie Kuhfeindlich die globale Wirtschaft doch geworden ist. Beim Bankgeheimnis sind wohl nur Schweizer und sonstige Inselbewohner gläubige Kuhfreunde, der Mainstream tendiert eher zum gläsernen Bürger-Schwein, das jederzeit geschlachtet werden kann.

Um es gleich Vorwegzunehmen, ein Finanzplatz als Ali-Baba Höhle für Steuerbetrüger ist weder Fair noch nachhaltig am Leben zu erhalten. Schlupfwinkel müssen laufend gewechselt werden, so will es das Gesetz von Katz und Maus. Und wenn dies jetzt passiert ist es kein Grund zur Panik. Der Kampf gegen Steuersünder treibt aber dieselben seltsamen Blüten wie der Kampf gegen Terror oder Kinderpornos. Rechtfertigt das Böse den Beelzebub? Noch gibt es ein paar Greise, die nicht alles bei Facebook, YouTube oder der öffentlichen Hand Gottes zeigen wollen und so etwas absurd-altmodisches wie Privatsphäre wollen. Da andererseits der Cäsar haben will was des Cäsars ist, braucht es im Steuerbereich ein Instrument um Kreis und Quadrat unter einen dreieckigen Magierhut zu bringen: Die Quellensteuer. Von Erträgen wird Pauschal eine Summe abgezogen und anonym an die Staatskasse des Heimatlandes überwiesen. Normalerweise ist diese Summe höher, als wenn die Bürger dafür Einkommens-Steuern deklarieren. Trotz Diskretion ist der schweizer Staat ja kein Depp und lässt sich die Butter vom Brot nehmen. Bei ausländischen Kontoinhabern sah man das lange allzu locker, wehrte sich gegen Quellensteuer für alle und kassiert nun Schläge. 

Dummerweise war man so selbstsicher bis selbstgefällig, dass man sich nicht auf den Ernstfall vorbereitete und nun wegen ein paar Attacken gleich in Panik ausbricht. Eis kann für Schiffe ganz schön gefährlich werden wie die Titanic bewiesen hat, aber wenn ein paar Eiswürfel statt im Single-Malt auf dem Tisch landen, muss man nicht gleich die Rettungsboote klarmachen. Vermutlich kann man deshalb nicht in aller Ruhe Trümpfe wie Quellensteuer spielen, weil man so lange mit vollem Bewusstsein falsch gespielt hat und sich ertappt fühlt. Kommt hinzu, dass Staatsbedienstete oder Verbandsfunktionäre ein schier unerschöpfliches Verlangen nach PR-Fettnäpfchen haben. Vermutlich rührt das Problem daher, dass Kommunikation als so ein Frauendings angesehen wird und die gestandenen Herrschaften mit militärischen Hintergrund Angst haben als Warmduscher dazustehen wenn sie die Kunst der Rhetorik bzw. PR praktizieren. Ist natürlich schon schwer zu vermitteln, dass man sich statt an Winkelried eher an Paris Hilton orientieren sollte um auf dem Schlachtfeld der Skandale zu gewinnen. Oder sich eine goldene Nase zu verdienen, das dürfte vermutlich eher überzeugen.

Wäre auch zu schön gewesen, wenn die Metapher mit den Indianern und der Kavallerie dahingehend gewichtet worden wäre, dass die Kavallerie eine Schutztruppe für diebische Siedler war, die den Indianer das Land weggenommen hat. Doch der Steinbrück ist als Steinbruch für Ideen ganz valabel. Wenn man überlegt, dass die Indianer in ihren Reservaten bereits mit Casinos Geld verdienen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis Häuptling fieser Fuchs und ein wendiger/windiger Anwalt auf die Idee kommen, Gelder des weissen Mannes diskret beim Schatz am Silbersee zu bunkern.

So oder so, die Karawane zieht nun weiter. Die Steueroase am Silbersee fände ich romantischer als das naheliegende Dubai. Egal wohin das Schwarzgeld hinzieht, für die Schweiz ist nun ein kleiner Wechsel der Fronten angesagt um andere Steuersümpfe Schritt für Schritt auszutrocknen und dann den Joker zu spielen. Es ist kaum anzunehmen, dass sich wohlhabende Bürger wehrlos ihrem Schicksal fügen. Wer früher einfach A wie Auslandskonto sagte, wird dann halt B wie ByeBye sagen und wegziehen. Was auch konsequent wäre, denn es leuchtet nicht ein, wieso jemand von den Vorzügen eines Landes profitieren soll ohne dafür zu bezahlen. Als Boris Becker erwischt wurde, weil gemäss seinem Terminplan der Lebensmittelpunkt nicht in Monaco sondern in Deutschland lag, war mein Mitleid gering. Ein voller Umzug ist hart und braucht einigen Druck, aber ich bin zuversichtlich, dass die deutsche Politik das bravurös hinkriegen wird.

Dann schlüge auch die Stunde von Ländern mit vernünftigen Steuergesetzen, wo mir so auf Anhieb Schweiz einfällt. Mit vernünftig meine ich solche Kinkerlitzchen wie nachvollziehbare Gesetzgebung, pragmatische Auslegung mit Verhandlungsbereitschaft von Behörden bis zur hochintelligenten Berechnung, dass Einkommenssteuern neben Mehrwertsteuern oder Mineralölsteuern nur <a href="http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/18/22/publ.html?publicationID=3579">ein Teil des ganzen Kuchens</a> sind. Progressive Spitzensteuern sind zudem nur das Sahnehäubchen darauf, aber nicht die Hauptmahlzeit wie viele deutsche - und französische Politiker ihren Wählern gerne erzählen um ihnen vorzugaukeln es gäbe einen jemand anders der die Zeche zahlt. Und damit auch ankommen. Leider komme ich dadurch immer wieder zum Schluss, dass in den beiden Ländern der Feudalismus noch immer als die wünschenswerte Staatsform angesehen wird. Das Ideal ist ein Junker, der sich den schönen Künsten widmet, während ein doofer Gutsverwalter mit simpler Krämerseele das Geld heranschafft oder den Bauern den Zehnten abknöpft. Das muss nicht pauschal negativ sein, Ludwig II hat Bayern in den Staatsbankrott getrieben, aber dafür das kulturelle Erbe der Menschheit um die Schlösser Neuschwanstein & Co. bereichtert. Und dieses Beispiel zeigt auch gleich noch eine Ausnahme von der Regel. Meinem Gefühl nach gibt es gerade in Bayern (und BaWü) überproportional viele Leute die wissen, dass man eine Kuh nicht nur melken kann, sondern auch mal gelegentlich füttern muss. Oder die Skandinavier - die minimale Arbeitslosigkeit zeigt, dass man sich bei Bedarf auch einen üppigen Wohlfahrts-Staat gönnen kann - inklusive Schutz der Privatsphäre. Vielleicht deshalb, weil beispielsweise der norwegische Landwirtschaftsminister selber Bauer ist und das Ding mit dem Melken und Füttern auch kapiert hat. Und ausserdem derartig gelebte Bürgernähe zu einer anderen Politik führt als geschliffene Rhetorik über partizipatorische Prozesse. Diesen Begriff habe ich übrigens nicht erfunden, den gibts wirklich. Leider.

Als Vorbild vom Uebergang vom Feudalismus zum Kapitalismus bzw. präziser Bourgeoisismus sehe ich England. Während der Adel in Frankreich und Deutschland in ersterem Beispiel mit Pauken und Gouillotinentrompeten und in zweiten Sang- und Klanglos unterging, haben die britischen Royals es verstanden, ihre Wirtschaftseliten bei Stange zu halten indem sie schon früh an der Macht beteiligt wurden, aber auch nach happigen Steuerzahlungen, inklusive Spenden für die Wohlfahrt, als Belohnung zu Sirs gemacht werden. Wäre doch mal eine Idee, einem Spitzensteuerzahler einfach mal zu danken, zum Beispiel mit einem Orden oder einer Einladung zu einem Grillfest wo dann auch festgestellt werden kann, wer nicht eingeladen wurde weil er in der entsprechenden Szene nicht teilnehmen will (Kavaliersdelikt) oder nicht kann (Pleitegeier??). So oder so, teilnehmen ist alles und das ohne pauschalen Dopingverdacht. 

Noch ein interessanter Aspekt: Grossbritannien wettert auch gegen Steueroasen, nimmt aber die Kanalinseln schon vorab aus der Schusslinie. Vermutlich wohlwissend, dass die verlorenen Summen den Fiskus weniger teuer zu stehen kommen, als Gelder die sich auf eine weite Reise ohne Widerkehr machen und dann für Investitionen fehlen. Pikanterweise sieht das China mit HongKong ähnlich, aber die Farbe der Katze ist den roten Mandarinen egal solange sie Mäuse fängt. So gesehen dreht Mammon eine kleine Pirouette auswärts, ist aber zum Abendessen wieder zuhause. Oder unter dem Blickwinkel einer Kreditkartenfirma: Eine kulante Erstattung bei Betrug ist billiger als permanenten Aerger mit Kunden und Oeffentlichkeit und dadurch sinkenden Einnahmen bei den Nutzungskommissionen. Zumal die Schadenssummen im einstelligen Promillbereich liegen und einen geringen Teil der Verwaltungs- und sonstigen Kosten ausmachen. Der Datenschutz oder Privatsphäre sind bei solchen In-House-Off-Shore Lösungen auch gar nicht so wichtig, der Staat hat sogar ziemlich umfangreiche Möglichkeiten im Bedarfsfall an Daten ranzukommen bzw. die Aktivitäten durch Geheimdienste überwachen zu lassen. Aber das ist wie in einem Table-Dance Club: Hingucken ja, Hinlangen nein. Vermutlich haben dort die britischen Abgeordneten das Steuerkonzept für die Kanalinseln erarbeitet. So gesehen sollten sie für ihre Spesen nicht so hart gegeisselt werden.

Eine steuerfreundliche Politik nicht zwangsläufig mit Neo-Liberalismus einhergehen wie Skandinavien zeigt, aber es braucht Royals deren Existenzgrundlage die Zustimmung der Bevölkerung ist. Klar, die Schweiz ware lange Zeit wirtschaftlich erfolgreich. Aber nach dem Fiasko mit der OECD besteht dringender Handlungsbedarf. Der Beweis wäre erbracht: Ohne (konstitutionelle) Monarchie geht es nicht weiter. Diese messerscharf-logische Herleitung hat also den Bedarf für einen König bzw. Königin unwiderlegbar bewiesen.]]>
      
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   <title>Adblock-Plus</title>
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   <published>2009-04-27T17:23:42Z</published>
   <updated>2009-04-27T17:26:07Z</updated>
   
   <summary>Im Web ist fast alles Gratis, fast Gratis. Denn wenn man nicht direkt bezahlt, dann halt indirekt. Werbung heisst das Zauberwort. Eigentlich absurd, ich zahle über Produkte Geld an Firmen, damit sie Budgets haben um meine Website mit nervigen Bannern...</summary>
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      <![CDATA[Im Web ist fast alles Gratis, fast Gratis. Denn wenn man nicht direkt bezahlt, dann halt indirekt. Werbung heisst das Zauberwort. Eigentlich absurd, ich zahle über Produkte Geld an Firmen, damit sie Budgets haben um meine Website mit nervigen Bannern zu verunstalten. Somit ist es also reine Notwehr wenn ich in meinem Firefox die <a href="https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/1865">Adblock-Plus</a> Erweiterung zur digitalen Hygiene nutze. Das funktioniert unglaublich gut, die Abschuss-Regeln kommen per Abo von Geeks, die wahre Zauberkisten aus Code gebastelt haben. Statt bezaubernden Assistentinnen, Tiger oder Elefanten verschwinden Werbebanner in der Versenkung.

Streng logisch sind Werbeblocker nicht gerade nachhaltig. Vielleicht aus ökologischer Sicht weil weniger Müll gleich weniger Umweltbelastung. Vielleicht auch noch aus sozialen Gründen, denn wenn ich mich weniger über Werbung aufrege, bringe ich weniger Leute um. Aber bei wirtschaftlicher Nachhaltigkeit ist der Ofen aus. Ob der verringerte Müll über CO2-Einsparungen bzw. über den Verkauf von entsprechenden Zertifikaten finanziert werden könnte ist fragwürdig, auch wenn gerade Autoverschrottungs-Prämien über Umweltschutzargumente verkauft werden.

Aber Nachhaltigkeit sollte ja schon mit einem Minimum an Logik einhergehen, sonst ist die ganze Übung sinnlos. Noch ist die Geschichte des Web nicht fertiggeschrieben. Eine entscheidende Frage klärt sich in den nächsten Jahren: Wird es über die Anbindung an Communities gelingen, brauchbare Profile zu erstellen um kundenspezifische Werbung zu schalten? Damit ist für mich eine ganz schön fiese Definition verbunden. Für mich ist es erst dann kundenspezifisch, wenn es mich interessiert; dann gucke ich mir ja auch das Angebot gerne an. Die Abgrenzung ist sicher nicht einfach, ich lese ja auch ganz gerne mal SM-Kontaktanzeigen, die vielleicht den Speichelfluss anregen aber nicht die monetären Ströme. Dies wäre aber der Schlüssel zum Erfolg. Andersherum würde ich bei brauchbarer Werbung den Adblocker abschalten um ja nichts zu verpassen und der Kreislauf würde sich schliessen.

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   <title>Finanzkrise</title>
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   <published>2008-11-30T22:11:04Z</published>
   <updated>2008-12-02T00:13:34Z</updated>
   
   <summary>Aus einer Zocker-Mücke wird ein Rezessions-Elefant. Da werden schon die Geister der grossen Depression von 1929 an die Wand gemalt, die auch recht gemütlich anfing als nach dem Platzen einer Blase sich ein paar Banker vom Dach stürzten. Doch dann...</summary>
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      <![CDATA[Aus einer Zocker-Mücke wird ein Rezessions-Elefant. Da werden schon die Geister der grossen Depression von 1929 an die Wand gemalt, die auch recht gemütlich anfing als nach dem Platzen einer Blase sich ein paar Banker vom Dach stürzten. Doch dann liess sich die gesamte Finanzbranche davon inspirieren und Wall-Street wurde in einen Grand Canyon umfunktioniert. So gross, dass darin die gesamte Volkwirtschaft reinhüpfen konnte. Da brach nicht nur die Konjunktur ein, sondern auch der Glaube an die Marktwirtschaft und die Selbstheilung des Marktes. Die Sozialisten lachten sich ins rote Fäustchen und die Nazis boten ein Doppelpack um gleich auch die Probleme der Weimarer Republik an der Wurzel zu packen. Wie bei einem Mc Donalds Happy Meal gabs dann als Zugabe eine nette kleine Überraschung. In den USA ging Roosevelt die Sache ruhiger an. Neben einer Bankenreform und massiven Staatsaufträgen zur Konjunkturbelebung wurden durch Radioansprachen in den <a href="http://www.museum.tv/exhibitionssection.php?page=79">"Fireside Chats"</a> die Veränderungen mit ruhiger Stimme erklärt. Also nichts anderes als vertrauensbildende Massnahmen die Ruhe in den gackernden Hühnerstall brachten. Spannend das Gerücht, das der neue Präsident eine Neuauflage auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Zd8f9Zqap6U">YouTube </a>plant.

Staatsinterventionen waren lange Zeit normal und Geld für Grossbetriebe in Krisen so sicher wie das Amen in der Kirche. Einfach schöner, weil die Kirche ausser ein paar Obladen nix lockermacht. In den 80ern kam Don Johnson in Miami Vice ans Steuer der Rennjachten und auch die Jünger von Adam Smith und F.A. Hayek begannen das Ruder herumzureissen. Mit dem Kollaps des Ostblocks konnten sie klar Schiff machen und die Meere der Meinungen beherrschen. Interessanterweise behielten gerade die Investmentbanker, also die Speerspitze des freien Marktes, die alten Zeiten in guter Erinnerung. Sie machten die wildesten Akrobatiknummern ohne mit der Wimper zu zucken. Denn es gab ja Risk-Management in Form von Bungee-Seilen. Die Seile sind flexibel und extrem belastbar, da sie aus den Nerven von Steuerzahlern geflochten werden, die bekanntlich sehr dehnbar sind. Vielleicht geben sie ein paar nervöse Zuckungen von sich, aber es besteht kein Risiko eines Nervenzusammenbruchs. Das tönt nach etwas, das man auch woanders kennt: Die Banker wirken wie pubertierende Gören die sich Kraft der totalen Checkung jegliche Interventionen verbitten, aber nach der Orgie erwarten, dass die Eltern das Haus renovieren oder sie aus dem Knast rausholen.

Eigentlich war schon lange klar, dass die Libertarians eine witzige Theorie vertreten, die ziemlich realitätsfern ist. Genauso wie der Marxismus ein Hirn-Gespinst ist, das in Europa rumgegangen ist bis es über die Kette bzw. die Kugel am Bein gestolpert ist. Diese Kugel war der absolute Machtanspruch ohne Limitierung durch die Idee von "Checks and Balances". Die Aufklärung und das Staatssystem der USA hatten diese Themen bereits Jahrzehnte vorher abgehakt, aber der Kalle konnte ja nicht hören, und so stürmten die Ossis genau 200 Jahre später nicht die Bastille aber den Balast där Räbublik. Nicht falsch verstehen. Ich mag Sächsisch weil es so seltsam wie Schweizerdeutsch ist. Zurück zur Weltgeschichte: Ausser der Jahreszahl gab es bei beiden Ereignissen viele Ähnlichkeiten, insbesondere die völlig albernen Frisuren der beteiligten Subjekte. Alles in allem verschwand das marxistische Gedankengut ohne das ein Hahn danach krähte. Gysi gilt nicht, die PDS hat sich kaum die Mühe gemacht das ideologische Konstrukt mal generalüberholen zu lassen. Dabei würde das noch nicht mal was kosten, denn es gibt zig Sendungen wo man alles mögliche Pimpen lassen kann. Man muss nur fragen. Interessanterweise tun die Chicago Boys allen voran die <a href="http://www.montpelerin.org/">Mont-Pelerin-Society</a> nun dasselbe. Wer den Kopf in den Sand steckt hört keine Kritik. Das Mission-Statement liest sich als ob es nie eine Finanzkrise gegeben hätte - betretenes Schweigen scheint im Moment die Antwort auf alle Fragen zu sein.

Ironischerweise habe ich erst jetzt die Libertatians wirklich verstanden. Nur wenn garantiert keine Kavallerie zur Rettung heraneilt übernehmen Leute bzw. Firmen Eigenverantwortung und erreichen dadurch Freiheit. Soweit die Theorie. Das bezieht sich bei "echten" bzw. anständigen Libertrarians wie Milton Friedmann übrigens nicht auf Leute die das nicht können, die erhalten Unterstützung im Rahmen eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgergeld">Bürgergeldes </a>(Mindesteinkommens). Erst danach kommt Signor Rossi und hilft bei der Suche nach dem Glück. Quatsch, jeder ist seines eigenen Glückes Rossi. 

Ob Firmen oder Banken sowas brauchen klingt nach einem schlechten Scherz. Eigentlich wäre es ja keine grosse Sache die Cash-Community zur Eigenverantwortung zu zwingen. Eine Selbstregulierung mit einem gemeinsamen Rettungsfonds für Notfälle ist nichts Neues. Zahlreiche Reisebüros schlossen in den 80ern einen solchen Pakt um Kunden Sicherheit zu geben, und sich vor dubiosen Anbietern abzugrenzen. Dass Banken eine starke gemeinsame Lobby pflegen erscheint logisch, aber dass sie sich gegenseitig auf die Finger schauen, weil sie im selben Haftungs-Hausboot sitzen, tönt nach tibetanischer Esoterik. Vor allem nach unnötigem Stress, denn im Austausch für ein paar Gefälligkeiten fliessen ja die Manna-Milliarden. 

Und weit und breit keiner von den vormals so lauten Libertarians. Ok, sind ja auch nur Menschen und offenbar mussten die gerade mal austreten. Die Hippies haben gefragt "Sag mir wo die Blumen sind...", nun braucht es ein Update: "Sag mir wo die Märkte sind..." Was mich am allermeisten stört ist das schlechte Timing. Wieso ist die Blase ausgerechnet jetzt geplatzt?. Klar, es gibt nie den richtigen Zeit und Ort für eine Katastrophe. Aber aus historischer Sicht wäre es einfacher, wenn der Turbo-Kapitalismus tupf-genau 20 Jahre nach dem Mauerfall den Gulli runtergespült worden wäre. So wie der 30 Jährige Krieg eben 30 Jahre gedauert hat. Sowas kann man sich viel einfacher merken. Schade, dass niemand mehr langfristig denkt.]]>
      
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   <title>Piemont</title>
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   <published>2008-10-02T20:40:45Z</published>
   <updated>2008-10-02T21:11:04Z</updated>
   
   <summary>Es gibt ein paar Weltgegenden die unbedingt besucht werden müssen. Nun habe ich meine Hadsch ins Piemont gemacht. Aber nicht wegen Hasch, da würde man wohl besser nach Jamaica fahren. Das Piememont ist ein Must für Anhänger des Traubensaftes, aber...</summary>
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      Es gibt ein paar Weltgegenden die unbedingt besucht werden müssen. Nun habe ich meine Hadsch ins Piemont gemacht. Aber nicht wegen Hasch, da würde man wohl besser nach Jamaica fahren. Das Piememont ist ein Must für Anhänger des Traubensaftes, aber nicht ein Must für Most, sondern für dessen gegorenes Derivat. Barolo und Barbaresco sind die wohlklingenden Namen, dazu kommen diverse weitere  Gebiete. Die Italiener nehmen es sehr genau mit dem Branding bzw. den Ursprungsbestimmungen. Die kleinste Stufe ist DO, Denominazione di Origine. Sozusagen die Anfängerstufe für Weine und andere Lebensmittel die so irgendwie von dort kommen - mehr oder weniger. Das stört Puristen, deshalb gibt es noch ein Siegel für kontrollierten Anbau: DOC. Übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Word-Format  von Piccolo-Dolce aus Mondorosso. Um Verwechslungen zu vermeiden sind Herkunftsbezeichnungen ja schliesslich da. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, aber auch da lässt sich locker noch etwas draufsatteln. Deshalb gibt es DOCG, also DO Controllato e Garantita. Hat zwar einen gesetzlichen Hintergrund, tönt aber schon etwas nach doppio moppio. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob das denn schon alles war. Wenn es nach mir ginge, würde ich noch die Stufe DOCGEE einführen: Denominazionte di Origine Controllata e Garantita, Echt Ey. Da sind die Franzosen erstaunlich klar und pragmatisch, es gibt AOC - et voilà. 

Aus dem Blickwinkel des Geschmacks und der Value added services sind mir die Italiener trotzdem lieber. Nicht nur die Weine, sondern auch die piemontesische Küche ist ein Knüller. Selten hatte ich so guten Salami. Auch wurde mein Vorurteil korrigiert, dass Risotto immer irgendwie gleich schmeckt und so langweilig ist, wie einer jener full coverage reports von CNN wenn in China ein Sack Reis umgefallen ist. Gut, der Vergleich hinkt, er diente eher der metaphorischen Nähe, denn CNN berichtet nicht aus China ausser bei Olympia und einem Atomkrieg mit Taiwan. Korrekterweise müsste ich sagen .. so langweilig wie ein Bericht über eine Rede von Barack Obama vor Italienern in Idaho, aber dann wäre der Link zum Risotto im Eimer bzw. al Tonno um die Italienità notfallmässig wieder zurückzuholen. 

Eine kulinarische Spezialität des Piemont sind Trüffel. Die werden übrigens von Hunden gesucht und nicht von den legendären Trüffelschweinen. Vermutlich weil die Italiener Schweine im Aggregatszustand &quot;Salami&quot; bevorzugen oder die Trüffelschweine im Auslandseinsatz an der Wall-Street sind, um rentable Bankenaktien zu suchen. Was vermutlich nicht funktioniert, denn der strenge Geruch unter Wall-Street kommt nicht von Delikatessen, sondern von den CDO-Leichen im Keller. Und die sind wertlos, ganz im Gegensatz zu Trüffeln welche pro Gramm mehr Kosten als Gold. Der Trick bei Trüffeln scheint die homöopatische Dosierung zu sein. Geringste Mengen geben Würze, aber wer wegen des Preises den Krösuns raushängen lassen will und zuviel draufgibt, produziert schnell ein Essen das nach unbelüftetem Treppenhaus müffelt. 

Auf der ganzen Reise genoss ich mehrere Mahlzeiten mit fünf und sogar mehr Gängen. Lukullisch ist da nur der Vorname. Da die Nouvelle Cuisine - wie die Worte schon ahnen lassen - eher woanders zuhause ist, wäre für das Piement der Begriff üppig zutreffend. Natürlich selber schuld, denn jeder Gang ist fantastisch und schreit geradezu nach Totalverzehr. Damit niemand zu kurz kommt, gibts noch Nachschlag und dieser Versuchung mit eisernem Willen zu widerstehen ist ein ziemlich theoretisches Konstrukt. Danach fühlte ich mich ziemlich voll und schlaff. Noch ein Pfefferminzplätzchen und ich wäre explodiert - Jede Wette, dass Monty Python auch schon mal im Piemont war. 

Eientlich ist alles nur eine Frage des Übung. Nach wenigen Stunden kamen mir Gedanken, dass ich ja auch wieder mal was essen könnte, zumal Besichtigungen von Weinkellern schon ziemlich kräftezehrend sind. Da werden dann all die Kalorien null komma nichts wieder abgebaut, gell? Meine Hoffnung stirbt nicht einmal zuletzt, die ist eine Art unsterblicher Highlander. Anders ginge es ja nicht, da hätte ich immer ein mulmiges Gefühl wegen all der fiesen Kalorien die mir an jeder Tellerecke auflauern. Genau deshalb haben die meisten Teller auch keine Ecken. Zum Glück ist mein Italienisch ungenügend und daher konnte ich nie eine Waage benzutzen, da ich ja die Bedienungsanleitung sowieso nicht verstanden hätte. So blieb es bei gefühlten Kilos; und Gefühle können bekanntlich sehr trügerisch sein und irrationale Angszustände auslösen. Ich finde Seele sollen Angst aufessen, nicht umgekehrt. Ggf. auch Pasta wenn keine Angst da.

Ein Genussmittel, das keine Kalorien enthält ist Kaffee. Beim Genuss eines Espresso könnte man meinen, das römische Reich sei mit dem osmanischen Reich identisch und die Römer hätten den Kaffeegenuss erfunden und die Bohnen von Arabien aus in der Welt verbreitet. Streng genommen war das ja alles einst eine Suppe, Mare Nostrum genannt. Nur das mit dem Kaffee in Italien kam erst später. Wann und Wie weiss ich nicht. In Österreich ist das klarer. Da hat der Türsteher des Kaffeehauses Sacher ein paar Türken auf Betriebsausflug den Zutritt verweigert. Die fühlten sich unverstanden und sind nach Hause gefahren. Den Kaffee haben sie zurückgelassen. Dann hatten die Habsburger die Erleuchtung, dass Sachertorte alleine auf Dauer zu entönig ist. Seither gehört zu einem netten Kränzchen Kaffee und Kuchen. Aber wie war das in Italien? Im Zweifelsfall würde ich einfach mal behaupten, dass Marco Polo den Kaffee zusammen mit den Spaghetti nach Italien gebracht hat. So wie Starbucks richtigen Kaffee in den USA eingeführt hat. Im Piemont wurde das, was wir mit dem Schimpfwort &quot;Filterkaffee&quot; bezeichnen, als &quot;cafe americano&quot; betitelt. Hart aber gerecht. Die G.I.&apos;s mögen vielleicht Ahnung haben vom Faschistenbesiegen, aber kulinarisch brachten sie eher Unheil über Europa - Collateral Damage sozusagen. 

Sogar in der grössten Hektik wird Stil grossgeschrieben. An einer Autobahngaststätte habe ich mich über den Entstehungsprozess eines Kaffees fast mehr gefreut als über das Endprodukt. Mit einer Hand nahm der Barolista den Kolben, hielt ihn unter eine Mühle die losratterte und Pulver einfüllte, stopfte an einer Art Rüssel das Pulver und dann ab unter die Maschine. Hand frei, Knopf drücken, mà! Gehts noch schneller? Als Land ist Italien völlig desorganisiert, fast schon peinlich, aber die Effizienz von Gastronomen ist unübertroffen. Vermutlich weil es meist Familien sind, oder zumindest Teams aus erfahrenen Leuten, die perfekt aufeinander eingespielt sind. Es ist schön Leute zu beobachten, die alles im Griff haben.

Das Piemont ist ein Genuss für alle Sinne. Die hügelige Landschaft mit den pittoresken Dörfern und Burgen auf den Hügeln leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlfühlfaktor. Die durchgestylten Leute (Auch Männer!) runden den optischen Eindruck ab. Einzig das Gehör kam etwas zu kurz. Selber singen ist schön, nur fehlen dann immer noch die Kindheitserinnerungen, als in jeder Bar Adriano Celentano lief. Es könnte auch Zucchero sein. Aber der hat zuviele Kalorien und darum lassen wir den Nachtisch heute mal weg.
      
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   <title>Kinderarbeit</title>
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   <published>2008-07-23T15:08:23Z</published>
   <updated>2008-07-23T15:39:50Z</updated>
   
   <summary>Peinlich, dass Banken Fussbälle verschenken, die von pakistanischen Kindern gefertigt wurden. Deshalb spiele ich selber nicht mehr Fussball. Gut, ich war schon vorher auf der Linie von Churchill: No sports. Und der war immerhin ein grosser Staatsmann. Aber nun musste...</summary>
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      <![CDATA[Peinlich, dass Banken Fussbälle verschenken, die von pakistanischen Kindern gefertigt wurden. Deshalb spiele ich selber nicht mehr Fussball. Gut, ich war schon vorher auf der Linie von Churchill: No sports. Und der war immerhin ein grosser Staatsmann. Aber nun musste ich entsetzt feststellen, dass auch im Reisanbau Kinder beschäftigt werden. Und weil die Leute von <a href="http://www.transfair.org/">TransFair</a> darauf achten, dass die einheimischen Kinder zur Schule gehen, werden Gastarbeiter-Kinder aus Industrieländern zur Fronarbeit gezwungen. Der Beweis:

<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image"><a href="http://www.kartaxo.com/blog/Mandarin%20Chiang%20Mai%20TH%20043.html" onclick="window.open('http://www.kartaxo.com/blog/Mandarin%20Chiang%20Mai%20TH%20043.html','popup','width=800,height=600,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.kartaxo.com/blog/assets_c/2008/07/Mandarin Chiang Mai TH 04-thumb-500x375.jpg" width="500" height="375" alt="Mandarin Chiang Mai TH 04.jpg" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span>

Des Rätsels Lösung: Das Bild stammt vom <a href="http://www.mandarinoriental.com/chiangmai/">Mandarin-Oriental Resort</a> in Chiang Mai. Weil das mit dem Palmenstrand im Hochland von Thailand so eine Sache ist, und weil der Ausblick auf eine Textilfabrik nicht besonders romantisch wäre, wird vor den Luxusvillen nach traditionellen Methoden Reis angebaut. Nach der Ayourveda-Massage kann man mit dem Schirmchendrink zuschauen wie Wasserbüffel ihre Runden drehen. Und statt von behämmerter Club-Animation geistig sediert zu werden, können Kinder (und Erwachsene ebenso) alte Handwerkstechniken ausprobieren. Und das in einem Fünf-Sterne Resort. Das Konzept reicht noch viel weiter. Die Anlage wurde von Handwerkern erbaut, die auch Lehrlinge ausbilden. Durch die Modernisierung werden alte Techniken zunehmend durch preiswertere industrielle Massenfertigung aus Baumärkten abgelöst. Kein Wunder, Obi tönt ja irgendwie nach asiatischem Nudelgericht. 

Das Resort bietet Luxus auf einem neuen Niveau. Für die Gäste einen Ausflug in die (baldige) Vergangenheit und mit den Einnahmen werden alte Traditionen am Leben erhalten, die sonst sang- und klanglos in die Klongs gespült würden. Ein schöner Kontrast zur vulgären Protzerei in den Emiraten. Bei genauem Hinsehen sind Hotels wie das Burj al Arab nichts anderes als Premium-Plattenbauten. Ein Foyer mit den Dimensionen einer Turnhalle mag zwar auf den ersten Blick grosszügig wirken, strahlt aber keinerlei Emotionen aus. Nicht dass es nicht möglich wäre, grosse Räume erlebnisreich zu gestalten - barocke Kirchen sind der beste Beweis. Nur braucht es viel Aufmerksamkeit im Detail. 

Genau die wird zu oft der plumpen Effekthascherei geopfert. So werden dann in Arabien gerne die Decken dieser Turnhallen mit kiloweise Gold überzogen. Dadurch wird billiges Design durch teure Hardware übertüncht. Anstatt über die Inszenierungstricks für orientalische Stimmungen zu schwärmen, werden die Pressereferenten nicht müde zu erzählen, wieviel Geld alles gekostet hat. Sehr stilvoll wenn unmengen teurer Marmor eingeflogen wurde. Bis auf das Detail, dass sich keiner Gedanken gemacht hat was damit erreicht werden soll. Halt sauteuer, habe ich das schon gesagt? Als überzuckertes Sahnehäubchen erhalten die Gäste eine Fernbedienung für ein hochkomplexes Facility-Management System. Um das Licht auszuschalten braucht man ein Informatikstudium und wenn man den falschen Knopf drückt, wird statt RTL 2 die Klospülung aktiviert. Kein Wunder, bei überladenen Systemen sind verwandte Funktionen nur schwer zu unterscheiden und stiften deshalb so viel Verwirrung.

Das Mandarin in Chiang Mai zeigt nicht nur die hohe Schule des Theming-Designs. Uraltes Kunsthandwerk wird mit aktuellem Komfort verknüpft. Als i-Tüpfelchen wird mit den Einnahmen der betuchten Kundschaft ein Freiluftmuseum betrieben. In Schwellenländern fehlen dafür Mittel, beziehungsweise hat die wohlhabende Oberschicht diese Form des Kultur-Sponsorings hat noch nicht oben auf der Agenda. In den USA haben die Rockefellers mit Spenden die Kolonialstadt <a href="http://www.williamsburg.com/">Williamsburg</a> restauriert. In der Schweiz wird das Museum <a href="http://www.ballenberg.ch/">Ballenberg</a> mit Steuermitteln betrieben, das Seminarzentrum liegt ausserhalb. Bauwerke die sich selber finanzieren und in denen man auch noch wohnen kann, kannte ich bisher nur von Palästen aber nicht von Hütten. Brecht meinte einst, die einen sollen Krieg und die anderen Frieden bekommen.  Nun wird dieser Konflikt mit einem einheitlichen Geschäftsmodell gelöst. Da sind die Asiaten Weltmeister mit ihrem Yin-Yang-Ding.
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   <title>Krimistunde</title>
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   <published>2008-06-30T17:55:43Z</published>
   <updated>2008-07-01T18:01:52Z</updated>
   
   <summary>Als leidenschaftlicher Fan von Krimis habe ich natürlich so meine Lieblinge. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass fast alle aus den USA kommen. Eigentlich müsste ich sagen zu unserer Schande, denn ich habe mich schon oft gefragt, wieso es...</summary>
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      <![CDATA[Als leidenschaftlicher Fan von Krimis habe ich natürlich so meine Lieblinge. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass fast alle aus den USA kommen. Eigentlich müsste ich sagen zu unserer Schande, denn ich habe mich schon oft gefragt, wieso es in Europa sowenige spannende Krimiserien gibt. Ich will nicht unfair sein, das ist Geschmackssache. Zu den wenigen Favoriten aus dem deutschsprachigen Raum zählt der Bulle von Tölz. Das Zeter Mordio ist gar nicht so wichtig, vielmehr schätze ich den netten Schlagabtausch mit dem Prälaten und die krummen Dinger von Rambold Toni und seinem alpinen Amigo-Biotop. Streng genommen sind das weniger Krimis, als vielmehr Don Camillo & Peppone mit einem Schuss Verschwörung aus dem Hause von Grisham John.

Im Kernsegment der Krimis is mein unangefochtener Spitzenreiter der trottelige Inspektor, der seit mehr als 30 Jahren immer noch eine Frage hat und nur an seinem Bericht an den Chef interessiert zu sein scheint. Schon hart, dass die Verbrecher das bis heute nicht geschnallt haben, und sich nichtsahnend um Kopf und Kragen reden. Das Schöne daran ist, dass es keine bananle Fallen sind nach dem System Maus=> Käse=> Zack => und tschüss. Vielmehr gleichen sie einem sorgfältig konstruierten Spinnennetz. Auch bei der x-ten Wiederholung ist es spannend zuzusehen, wie sich langsam aber sicher das Netz zuzieht und der Teufel im Detail zuschlägt. Und der trägt noch nicht mal Prada, sondern einen abgewetzten Trenchcoat. Die Glaubwürdigkeit der Handlung ist minimal, dafür sind die zwischenmenschlichen Spielchen Megasüss. In dieser Geschmacks-Liga spielen auch die anderen schrulligen Bullen wie Mister Monk oder Brenda Leigh Johnson (The closer) - zwei Talente am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Ein schönes Gegenstück ist Criminal Intent mit eher realistischeren Handlungen und einem wahnsinns Gruselfaktor. Nicht im Sinne von hässlichen Monstern, sondern den seltsamen, gestörten Figuren. An der Spitze <a href="http://www.imdb.com/character/ch0057260/">Nicole Wallace</a>, der charmante Todesengel aus Australien, die wie ein Kängaru von Leiche zu Leiche hüpft. Leider durfte sie nur viermal zuschlagen und entkommen. Vermutlich wollten die Autoren nicht, dass es einreisst wenn Mörder ungestraft ihrem Hobby nachgehen können und die Zuschauer die Fronten wechseln, weil man sich auf den nächsten Auftritt freut und der Held es schon wieder nicht schafft, die Nuss zu knacken. Wo doch Vincent D'Onofrio sonst so ein zuverlässiger, strebsamer und hartnäckiger Jäger ist. Sobald sich die Handlung festfährt, zuckt er einen Trumpf und die Fieslinge gucken in die Röhre - sonst eigentlich das Privileg des Fernsehzuschauers.

Lange Zeit gefiel mir auch CSI. Bis es zur Massenproduktion verkommen ist und die Handlung den Pfad der tugendhaften Naturwissenschaften verlassen hat. Ich träume ja auch schon lange von einer Bildbearbeitungs-Software die aus einem schlechten Bild einer Überwachungskamera anhand einer Spiegelung in einer Cola-Dose im gegenüberliegenden Strassencafé einen Namen auf einem kleinen Ring einer Hand am Steuer sichtbar macht. Unsereiner würgt sich beim Vergrössern von Bildern mit Krücken wie bikubischer Interpolation einen ab und das Kriminallabor zaubert Informationen aus dem Nichts. Die sollten eigentlich ein Patent auf solche Verfahren anmelden, denn das Informations-Perpetuum-Mobile hat noch keiner erfunden. Eigentlich ist CSI heute mehr Science Fiction als Krimi. Am Anfang war es schön den guten alten Quincy im Zeitalter des Computers wieder im Einsatz zu sehen. Und CSI hat sicher einiges beigetragen, das Interesse an den Naturwissenschaften zu wecken. Vielleicht bekommt man so den Nachwuchsmangel an Ingenieuren in den Griff, denn das Kriminal-Labor wirkt wie ein riesiges Product-Placement des <a href="http://www.vdi.de/">VDI</a>.

Die beste Truppe ist die aus Las Vegas. Die Klonkriege haben kaum was gebracht. In Miami wirkt ein durchgestyltes Labor kindisch, da wäre es konsequenter, wenn gleich der Don Johnson seine Vokuhila-Frisur im Ferrari spazieren fährt. Der einzige artgerechte Vertreter der Kriminaltechniker ist William Petersen. In meiner Lieblingsfolge fängt er ein Techtelmechtel mit einer <a href="http://www.imdb.com/character/ch0011011/">Domina</a> an. Das hat was. Nicht nur, dass sie den ganzen Tag in superheissen Klamotten rumrennt, das heisst mit Stiefeln, die bis über beide Ohren reichen. Das eigentlich scharfe ist ihre Erfahrung über die Abgründe der menschlichen bzw. männlichen Psyche. Der Kontrast zu einem trockenen Wissenschaftler böte Stoff für eine eigene Serie.
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   <title>Wiedervereinigung</title>
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   <published>2008-05-31T20:24:08Z</published>
   <updated>2008-06-01T13:22:45Z</updated>
   
   <summary>Angesichts der bevorstehenden EM würde ich die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Östereich mal etwas weiterspinnen. Ich denke da an eine Wiedervereinigung, obschon seit 1291 doch schon ein Weilchen vergangen ist. Der Hintergrund: Eigentlich wäre es ganz schön, die Monarchie...</summary>
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      <![CDATA[Angesichts der bevorstehenden EM würde ich die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Östereich mal etwas weiterspinnen. Ich denke da an eine Wiedervereinigung, obschon seit 1291 doch schon ein Weilchen vergangen ist. Der Hintergrund: Eigentlich wäre es ganz schön, die Monarchie in der Schweiz einzuführen. Doch das ginge wirklich schlecht einfach so, denn sowas hats hier noch nie gegeben und da könnte ja jeder kommen. Deshalb ein kleiner Schachzug. Zuerst Wiedervereinigung, dann Wiedereinführung und dann Wiederholung im Nachtprogramm - für diejenigen denen das zu schnell ging.

Als Royalist hat man es nicht leicht, aber mit dem Hang zum Kitschigen und einer Leidenschaft für grosse Inszenierungen kann unsereins ja kaum ohne pompöses Königstum auskommen. Es ist einfach traurig wenn bei öffentlichen Auftritten Bundesräte als Oberbeamte auftreten, und man sich dann die grosse Show mit Kutschen, Kostümen und glückselig fähnchenschwenkende Omas mit enormer Phantasie dazudenken muss. Zudem haben auch Grabenkämpfe innerhalb einer nicht namentlich zu nennenden schweizerischen Volkspartei niemals denselben Kribbelfaktor wie ein royaler Rosenkire, als sich Charles und Diana noch richtig Zunder gegeben haben und die arme Mutti so unglücklich aus der Wäsche geguckt hat. Die Queen hat zwar schon seit 1956 ein leicht säuerliches Gesicht, aber bei einem Staatsoberhaupt hat das automatisch etwas Erhabenes. Je grösser das Imperium desto mehr Contenance. Zum beispiel schwer vorstellbar, dass der Papst beim Urbi et Orbi mal eine Zote reisst.

In diesem Zusammenhang muss natürlich gesagt werden, dass nur eine konstitutionelle Monarchie in Frage kommt. Zum einen um Selbstherrlichkeit zu vermeiden, denn sonst würden die Herrschaften ja noch in einem Anfall von schrägem Humor Bullen erlassen, die keine Sau interessieren. Zum zweiten wäre es frustrierend zuzuschauen wie Ihro Hoheiten im harten politischen Tagesgeschäft zermanscht werden. Verglichen damit sind Fahrten in Pariser Tunnels so sicher wie das Fliegen. Es passiert selten was, aber wenn, dann gibt ein Riesengeschrei, genannt Medienecho. Und  kaum einer gedenkt der tausenden von Abgeordneten und Ministern die alljährlich beim Überqueren des Wegs in die Zukunft von rücksichtslosen Reform-Rasern überfahren werden. Deshalb wird schlauerweise das Königshaus vorsorglich vom Minenfeld der Macht ferngehalten.

Die Scheiz und Östrreich zusammen wären hoffentlich noch klein genug um handlunsfähig zu bleiben. Ein unsteuerbarer Supertanker wie Deutschland ist deutlich weniger sexy als eine kleine agile Alinghi. Selbstverständlich müsste alles mit direkter Demokratie funktionieren, es sei denn, es würde sich abzeichnen, dass niemand eine Monarchie will. Dann gäbs keine Abstimmung und Schuld wären UNO und/oder die WTO. Kurze Randale am Genfersee und die Sache wäre paletti. Später könnten dann die Hinterbänkler alle paar Jahre eine Initiative zur Abschaffung der Monarchie präsentieren, die natürlich rein rhetorisch wären, weil ja alles so schön ist. In den Jahren, in denen werde EM noch WM stattfinden, müsste man sich fortan keine Sorgen mehr machen über den Content zur Befüllung des Sommerloches.

Bliebe die Frage, was denn Österreich davon hätte. Vor zwanzig Jahren wäre alles einfacher gewesen. Da war die österreichische Wirtschaft eine schlaffe Schilling-Schlampe und das Bedürfnis nach mehr Dynamik nicht zu überhören. Und Knete zieht immer. Bin nicht sicher, ob die DDR wirklich wegen Freiheit und Demokratie zum Kohlschen M&A ja gesagt hat, oder ob die Ossis einfach mal vollfette Autos fahren wollten. Mit Pioneer statt Pioneren. Zurück zum Thema: tempi passati, pech gehabt. Seit dem EU-Beitritt hat Österreich eine ziemlich dynamische Wirtschaft und in der wichtigsten Disziplin, dem Anlocken von entnervten deutschen Unternehmern inklusive Werk und Belegschaft punktet die andere Alpenrepublick immer besser. Reine Steuerhinterziehung ist im globalen Standortwettbewerb zuwenig. Wieso sich nur die Brosamen der Wertschöpfungskette zufriedengeben? Sind ja nicht Liechtenstein. "Alles aus einer Hand" oder Systemintegration heisst die Devise in der Wirtschaft. Genau da braucht Österreich keine Entwicklungshilfe mehr. Was meine Pläne schon arg in Bedrängnis bringt.

Aber he, he, einen Trumpf gibts noch: Das Stammhaus der Habsburger mit dem sinnigen Namen <a href="http://www.habsburg.ch/?Habsburger_Gedenkjahr">Habsburg</a> steht in der Schweiz. Und hat Jubiläum, also wenn das kein Wink des Schicksals ist. Hier wird der Name als "Happsburg" ausgesprochen, aber an der Betonung mit einer weihevoll-ehrfürchtigen Erhabenheit kann man noch arbeiten, das ist das geringste Problem. Der Haken ist das Gebäude. Eine absolute 08/15 Burg wie sie entlang dem Rhein an jeder Flussecke steht. Das ist einfach viel zu mickrig. Deshalb bräuchte es etwas Nachhilfe. Zuerst mal alles abfackeln, den Sozis oder Arabern alles in die Schuhe schieben, und dann Wiederaufbau. Aber im authentisch-historischen Originalzustand - genauer gesagt in szenografisch korrekten Originalzustand. Im Film <a href="http://www.imdb.com/title/tt0120885/">"Wag the Dog"</a> wurde ein zur Kommunikationsstrategie passender Themen-Song  von Wille Nelson als "uralte" Schellackplatte in der Kongressbibliothek hinterlegt und "zufällig" wiederentdeckt. Genauso mit den "Originalplänen" der Habsburg. Dumm ist nur, dass die entsprechende <a href="http://www.kujau-archiv.de/">Koriphäe Konrad Kujau</a> schon gestorben ist. Aber das würde mich nicht abschrecken. Wichtig wäre es einfach einen Entwurf zu realisieren, neben dem Neuschwanstein aussieht wie eine Filiale von Lidl. In beiden wird zwar viel gefilmt aber der Titel "schnugelig-süsseste Versuchung seit es Märchenschlösser gibt", würde bald an die wiederauferstandene Ruine im Aargau gehen. Nicht, dass ich mich jetzt da in den Vordergrund drängen wollte, aber ich könnte mir schon vorstellen beim Design zu helfen, wenn mich jemand fragen würde.]]>
      
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   <title>Therme Vals</title>
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   <id>tag:www.kartaxo.com,2008:/blog//1.36</id>
   
   <published>2008-03-14T20:23:49Z</published>
   <updated>2008-03-14T20:49:42Z</updated>
   
   <summary>Bisher dachte ich, dass Thermen eher etwas für Wellness-Wahnsinnige wären. Falsch, ein Besuch in der Therme Vals ist Augen-Ayurveda. Der Architekt Zumthor hat ein echtes Glanzstück gebaut. Die Steine haben eine sehr strenge Geometrie, deren Oberfläche ist jedoch abwechslungsreich. Dadurch...</summary>
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      <![CDATA[Bisher dachte ich, dass Thermen eher etwas für Wellness-Wahnsinnige wären. Falsch, ein Besuch in der <a href="http://www.therme-vals.ch/">Therme Vals</a> ist Augen-Ayurveda. Der Architekt Zumthor hat ein echtes Glanzstück gebaut. Die Steine haben eine sehr strenge Geometrie, deren Oberfläche ist jedoch abwechslungsreich. Dadurch wirkt das Ganze überhaupt nicht kalt und trostlos wie sonst so gerne von der Moderne praktiziert. Der Bau wirkt mehr wie eine Hommage an das Gebäude <a href="http://www.paconserve.org/index-fw1.asp">"Falling Waters"</a> von Frank Lloyd Wright. Eigentlich kein Wunder, Wasser in Thermen ist ja nicht gerade unüblich. Das ausgefeilte Design zieht eine spezielle Kundschaft an. Wenn es schwarze Rollkragen-Badeanzüge gäbe, würde man die als erstes in Vals entdecken.

In der Anlage finden sich zahlreiche Attraktionen. Neben dem Standardprogramm von süttigheiss bis arschkalt gibts flüssige und feste Bonus-Tracks. Ein Raum mit einem Messingbrunnen entführt auf eine Zeitreise zum U-Boot Nautilus von Jules Verne. Oder man geht um fünf Ecken und es kommt - NICHTS. Aber mit schönen Wänden. Vielleicht habe sie genau dort erst richtig bewusst wahrgenommen. Zum Glück ist das kein Labyrinth, wäre ja nicht so erholsam einen Tag lang Wände abzugehen und nach dem Ausgang zu suchen. Eine Therme ist schliesslich kein Verwaltungsgebäude. 

In einem Raum ist das Becken mit Blütenblättern gefüllt. Anfangs war ich nicht ganz sicher, ob im Gebäude eine Kläranlage mit begehbarem Klärbecken integriert wurde, so wegen Wärmerückgewinnung und so. Oder ob ein Bad im Ganges simuliert werden sollte, das dem heutigen Zustand des Flusses entspricht. Daher mal kurz schnuppern und dann eines von diesen schwebenden Teilchen unter die Lupe nehmen. Kein leichtes Unterfangen bei der dezenten Beleuchtung. Aber Schluss mit den Bosheiten, das Blumenbecken ist eine schöne Abwechslung. Eigentlich müsste sich daran ein Becken mit Eselsmilch anschliessen um sich dem Kleopatra-Groove hinzugeben.
 
Das Dampfbad ist ein begehbarer Inhalator mit intensivem Eukaliptusgeschmack. Nach kurzer Zeit wirkt das irritierend und ich weiss nicht, ob es so toll wäre, als Koala-Bär wiedergeboren zu werden und tag für tag einem Dauerregen von Eukaliptus-Molekülen ausgesetzt zu sein. Die Atmosphäre mit den dicken Dampfwolken hat etwas gespenstisches. Man kann sich plastisch vorstellen, wie die Römer sich in den Wolken der Thermen zu Verschwörungen getroffen haben. Sehr praktisch, denn man sieht kaum wer reinkommt oder hinausgeht. Kann auch gefährlich werden, wenn sich ein Spion einschleicht und man dann am Ausgang von den Prätorianern geschnappt  und den Löwen zum Frasse vorgeworfen wird. Wenigstens muss man sich dann keine Sorgen mehr um die verschrumpelten Hände machen. Im warmen Wasser geht das Ruckzuck und selbst wenn man in den dampffreien Zonen seine eigene Hand vor Augen sehen kann, wird man schnell sicher, ob die eigene Hand schon immer so runzelig war.

Der Aussenbereich ist perfekt für meinen Lieblings-Schwimmstil. Auf dem Rücken liegen, langsam im Kreis herumpaddeln und in den Himmel starren. Die aufsteigenden Dampfwolken und der blaue Himmel ergeben ein herrliches Bild. Normalerweise sind Wolken eher weit entfernt. Im dampfenden Wasser bin ich mitten in einer Wolke drin, allerdings ohne dass alle paar Minuten ein Anschnallzeichen aufleuchtet oder eine Ansage ertönt. Dem gegenüber gibt es in einer Therme nichts zu essen. Dieses Konzept haben die Römer schon Jahrhunderte vor Easy Jet eingeführt. Wer von wolkigen Träumereien genug hat, stellt sich unter einen der Starkstrombrunnen. Es tröpfelt nicht einfach müde ein bisschen Wasser herunter, da prasselt halber Niagarafall auf den Kopf nieder. Es ist sehr intensiv, so wie wenn man Vladimir Kltschko in flüssiger Form begegnet.

Zum anschliessenden Entspannen kann man sich auch auf eine Liege betten. Sofern verfügbar, denn wie in billigen Hotels scheint es Leute zu geben, die morgens um sechs aufstehen um ihre Liege zu reservieren. Die persönlich mitgebrachten Badetücher sind der einzige Farbtupfer, die normalen Badetücher sind weiss und passen perfekt zu den dunklen Wänden. Man muss sich nur gut merken wo man es hinlegt, denn es gibt nirgends auf der Welt eine höhere Dichte von weissen Badetüchern, vielleicht mal abgesehen von einer Grosswäscherei. Die farbigen Tücher sind da praktischer. Dummerweise stören einige das durchgestylte Ensemble. Die Muster schwanken extrem in ihrer Qualität. Die Palette reicht von harmonischen, batikähnlichen Mustern bis zu grauenhaften Werbebannern auf Frottéstoff. Sowas sollte verboten werden bzw. von einem Tuchsteher kontrolliert werden: "Du kommst hier net rein, nischt mit den Klamotten...."]]>
      
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   <title>TCV Total Cost of Vanity</title>
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   <published>2008-02-01T17:15:55Z</published>
   <updated>2008-02-01T17:20:27Z</updated>
   
   <summary>In der Informatik wird unter dem Begriff TCO &quot;Total Cost of Ownership&quot; ermittelt, wieviel eine Softwaredienstliestung als Ganzes kostet, da Lizenzkosten als Vergleichsgrösse denkbar ungeeignet sind. Bei Open Source Software liegen sie bei Null, aber dann fängt der Spass erst...</summary>
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   <content type="html" xml:lang="de" xml:base="http://www.kartaxo.com/blog/">
      <![CDATA[In der Informatik wird unter dem Begriff TCO <a href="http://amt.gartner.com/TCO/index.htm">"Total Cost of Ownership"</a> ermittelt, wieviel eine Softwaredienstliestung als Ganzes kostet, da Lizenzkosten als Vergleichsgrösse denkbar ungeeignet sind. Bei Open Source Software liegen sie bei Null, aber dann fängt der Spass erst an. Insbesondere die versteckten indirekten Kosten beispielsweise für Herzkasperkosten von unbedienbarer Software wird mit TCO-Rechnungen unter die Lupe genommen.

Nun könnte man diesen Gedanken in die Wirtschaftswelt ausdehnen. In den letzten Jahren waren die abstrusen Spitzengehälter von CEO's in aller Munde. Die Gegner von solchen Abzockern übersehen, dass das die Höhe des Gehalts noch die gute Nachricht war. Wie bei einem Eisberg liegen 7/8 unter dem Wasser verborgen wie die Titanic aus eigener Erfahrung zu berichten weiss.

Mit TCV "Total Cost of Vanity" werdendie wahren Kosten eines CEO ermittelt. Wie bei einem König gehören zu einem CEO zuerst mal sündhaftteure Insignien der Macht. Die goldene Kutsche ist durch einen Privatjet abgelöst worden. Eigentlich Schade, denn Pferde hätten mehr Stil. Aber warten wirs mal ab, wenn mehr Frauen im Topmanagement einziehen, könnte sich das Blatt wieder wenden. Da will ich auch gerne zugeben, dass ich bei Kosten für solche Inszenierungen nicht nur beide Augen, sondern auch das sechste Chakra zudrücken würde, weil ich Inszenierungen liebe, und mein barockes Gemüt nicht wegen ein paar Fränkli unnötigen Höllenqualen aussetzen würde.

Das Problem liegt tiefer: Der Status eines CEO bzw. Königs zeigt sich in seiner Entourage, die dem Herrscher huldigt, und dafür mit grosszügigen Geschenken bedacht wird. Obwohl die Globaliserung wahrlich nicht im Schneckentempo voranschreitet, halten sich alte Traditionen wie das Hinterherziehen einer Schleimspur. Nur dass diese Spur bei einem CEO aus Gold zu bestehen scheint. Früher lockten die grossen Reichtümer am Klondike River, heute schürfen Unternehmensberater in ihren Claims nach Gold.

Der grösste unsichtbare Brocken unter Wasser, der auch grosse Schiffe in arge Bedrängnis bringen kann, sind finanzielle Fehlentscheidungen. Firmen wie Swissair oder neulich UBS haben dies plastisch demonstriert. Abschreibungen sind ein Teil des Unternehmensalltags. So ist es normal, dass ein kleines Sushi auf dem Förderband das Ende des Life-Cycle nach ein paar Durchgängen nicht in einem Magen sondern im Mülleimer erlebt weil es keinen Liebhaber fand. Aber erst wenn das Management in schamloser Eitelkeit auf Wachstumskurs geht, wird es gefährlich. Dann schnellen die Kosten des TCV in die Höhe. Weil einige CEO's nicht dem Aktionär oder einem anderen Stakeholder huldigen, sondern nur noch ihrem Ego werden gigantische Risiken eingegangen. Auf fremde Kosten wohlgemerkt, die Egomanen tragen nur homöopatische Risiken selber. Kein Wunder, die Bonus-Systeme fördern dieses Verhalten. Im besten Fall werden sie zu Sonnenkönigen und dann haben vielleicht sogar die Aktinäre einen Vorteil vom Expansionskurs. Was aber nicht zwingend ist, sondern eher ein Spin-off Effekt der ganzen Eitelkeit darstellt. Im schlimmsten Fall gehen Riesenvermögen verloren und die Ärmsten werden gefeuert; allerdings ohne einen Cent von ihrem vorangegangenen Riesengehalt zurückzahlen zu müssen. Die Zeche zahlen dann ausschliesslich die Stakeholder durch Kursverlust, Arbeitslosigkeit oder Steuerausfälle.

Das Hauptproblem liegt bei uns Aktionären. Wobei mich natürlich kaum Schuld trifft, weil ich fast so Arm wie eine Kirchenmaus bin. Aber es wäre vermessen zu behaupten, dass ich besonders viel Wert auf eine angemessene Vertretung gelegt hätte. Durch Depotstimmrechte habe ich mich komplett entmachtet. Da sehr viele Aktionäre das gleiche getan haben, wurde der Grundgedanke der Aktiengesellschaft ziemlich ausgehölt. Wenn in einem Altenheim die Pfleger Wahlzettel von Rentnern ausfüllen, führt das zu einem kleinerem Skandal. Aktionäre finden das so normal wie das Amen in der Kirche. Und wundern sich dann noch, dass sie Arm wie Kirchenmäuse bleiben. Worauf man feststellen muss, dass eine richtige Kirchenmaus zwar nichts zu essen kriegt, aber wenigstens gelegentlich etwas Weihrauchdämpfe schnüffeln kann.

Aktionäre als Ganzes scheinen Dümmer als die Summe des Einzelaktionärs zu sein. Zum Abschluss als Fazit das klassische Top-Bonmot von Carl Fürstenberg: "Aktionäre sind dumm und frech - Dumm weil sie ihr Geld anderen Leuten geben, und frech wenn sie dafür auch noch eine Dividende haben wollen". ]]>
      
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   <title>Investmentbanking und kleine Fische</title>
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   <id>tag:www.kartaxo.com,2007:/blog//1.34</id>
   
   <published>2007-11-29T15:45:03Z</published>
   <updated>2007-11-29T15:47:54Z</updated>
   
   <summary>Wenn man einmal über die happigen Verluste von Investmentbanken nachdenkt, fragt man sich, wieso sich die Geschichte andauernd wiederholt. Natürlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier, in guten wie in schlechten Tagen. Zudem scheint Investmentbanking eher mit Pferdewetten als mit Investitionen...</summary>
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      Wenn man einmal über die happigen Verluste von Investmentbanken nachdenkt, fragt man sich, wieso sich die Geschichte andauernd wiederholt. Natürlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier, in guten wie in schlechten Tagen. Zudem scheint Investmentbanking eher mit Pferdewetten als mit Investitionen verwandt zu sein. Ausser dass an der Wall-Street die Frauen nicht so verrückte Hüte wie in Ascot tragen. Pferdewetten werden normalerweise aufgrund von Gerüchten und aus einem Bauchgefühl heraus abgeschlossen. Wer Risikomanagement betreibt kommt nie gross raus. Und wer aufgrund von Fundamental-Analysen mitspielt, das heisst ein Value-Investor ist, bzw. ein Value-Derby sucht, wird wohl eher eine Beteiligung an einem Hutgeschäft oder etwas prosaischer am Totalisator aller Wetten anstreben. Womit sich die Vermutung aufdrängt, dass doch einige Banken durch Kommissionserträge an einem Hype verdienen. Pech ist nur wenn sie selber mitspielen, anstatt die Risiken schön brav ihren Kunden zu überlassen. 

Beim Hypothekengeschäft in den USA haben die Investmentbanken auf eigene Rechnung mitgespielt. Eigentlich ist die Zockerei an der Börse normalerweise recht clever organisiert. Vermögensverwalter bzw. Fondsbetreiber geben toll-sichere Geheimtipps und kassieren happige Prämien - Vom Vermögen wohlgemerkt, nicht vom Gewinn, denn das mit dem Gewinn ist ja schon eine ziemlich wackelige Sache. Die fiesen Gewinne sprudeln nicht einfach so aus heiterem Himmel, deshalb lieber eine feste Gebühr vom Vermögen abzwacken. 

Das System könnte man vergleichen mit einem Profipokerspieler der von mir Geld nimmt um damit nach Las Vegas zu fliegen. Und weil der ein Superstar ist, nimmt er gleich mal ordentlich Geld für einen Privatjet und sonstige Incentives. Wenn er dann einen Gewinn rausholt, gibt er etwas zurück aber er erhöht er die Prämien für die Zukunft da er nun ein noch grösserer Star geworden ist. Bei Verlusten hat er Pech gehabt und der Ärmste macht sich grummelnd mit einem Jaguar statt wie erhofft mit einem Bentley aus dem Staub. Aber war er nicht so blöd wie ich. Mein Vermögen ist durch Gebühren und Verluste arg geschrumpft und ich gucke dumm aus der Designerwäsche, die ich gekauft habe als ich noch reich war. Damals, das waren noch Zeiten. Wenn eine Investmentbank also auf eigenes Risiko arbeitet, muss man das geradezu als soziales Engagement ansehen. Aber das würde zu einer Bank passen wie ein Bulle an der Börse, der nicht nur einen imposanten Auftritt hinlegt, sondern sogar noch Milch gibt. Da drängt sich glatt der Verdacht auf, dass die Investmentbanken mit den Hypothen ein so gigantisches Geschäft gewittert haben, dass sie am liebsten selber abstauben wollten. Pech gehabt, haha.

Wieso gibt es eigentlich immer wieder diese wellenartigen Hypes? Für mich ist die plausibelste Erklärung in der Selbstorganisation  bzw. in der Schwarm-Theorie zu finden. Ein Schwarm gibt Schutz, denn für einen Raubfisch ist es wesentlich einfacher einen alleinschwimmenden Fisch zu erwischen als einen in einem gossen Schwarm. Er sieht dann den Baum vor lauter Wald nicht mehr. So gibt auch bei Menschen eine Herde Schutz. Wenn ein Investor antizyklisch handelt, könnte er zwar über längere Zeiträume überdurchschnittliche Gewinne machen. Wenn aber alle anderen mit einer Strategie Geld erwirtschaften und man selber nicht, dann gibts Schläge von Kunden und natürlich vom Chef. Und fast unweigerlich eine Entlassung. Wenn alle Investoren Verluste machen kann nicht so viel passieren. Die Kunden verfluchen dann die Börse als Schwarm und nicht einen kleinen Fisch. So muss man fairerweise sagen, dass die Hypes und Abstürze nur zu einem geringen Teil von Investmentbankern verursacht werden, sondern hausgemacht sind. Von schwärmerischen Kunden also. Aus diesem Grunde sollten Männer nicht mehr lachen, wenn Frauen wieder mal anfangen Leggings zu kaufen weil andere das auch tun. Und zwar solange bis sich rumgesprochen hat, dass Leggings völlig behämmert aussehen. Das ist halt eine Subprime-Krise in der Ästhetik. Der Mechanismus ist der Selbige. Vielleicht etwas schwieriger nachzuvollziehen als knallhart rational getätigte Investments.
      
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   <title>Airbus A380</title>
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   <published>2007-10-16T15:47:47Z</published>
   <updated>2007-10-16T16:49:52Z</updated>
   
   <summary>Nun ist die fliegende Kartoffel flügge geworden. Der erste A380 wurde an Singapore Airlines ausgeliefert. Übergewicht ist ja bei Menschen der Megatrend, da können Flieger nicht zurückstehen. Rubens takes off. Obwohl mir die B747 von aussen besser gefällt, haben die...</summary>
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      <![CDATA[Nun ist die fliegende Kartoffel flügge geworden. Der erste A380 wurde an Singapore Airlines ausgeliefert. Übergewicht ist ja bei Menschen der Megatrend, da können Flieger nicht zurückstehen. Rubens takes off. Obwohl mir die B747 von aussen besser gefällt, haben die zwei vollen Decks der A380 ihren Reiz aus dem Blickwinkel des Interior Design. Wie so oft wiederholt sich auch in der Aviatik die Geschichte. Von den flippigen Design-Ideen ist am Ende fast nichts übriggeblieben, die ganze Einrichtung wird von pragmatisch-wirtschaftlichen Zwängen beherrscht. Die ganze Einrichtung? Nein, eine kleine gehobene Klasse leistet erbittert Widerstand. Die neue First class macht ihrem Namen alle Ehre. 

Wie beim Orient-Express gibt es private Abteile. Die upper class kriegt also ein eigenes fliegendes Klassenzimmer. Natürlich nicht ganz ungefährlich, denn wenn es 12 rachsüchtige Gestalten auf einen abgesehen haben, können sie jemanden ziemlich unbemerkt abmurksten. Und auch wenn Messer nicht in der nötigen Stichstärke griffbereit sind, tut es notfalls ein geschliffener USB-Stick. Ok, ziemlich unrealistisch; denn wenn Hercule Poirot 550 Leute vernehmen müsste, wäre der Film nicht sonderlich spannend. Mir gefällt einfach die Idee der Privatabteile, auch wenn ich vermutlich kaum je in den Genuss einer so luxuriösen Reise kommen werde. Und die Holzklasse ist so unromantisch wie eh und je. Auf den Websites von <a href="http://www.seatexpert.com/_SQ_A380.html">Seat Expert </a>oder <a href="http://www.seatguru.com/">Seat Guru </a>kann man die Pläne der Inneneinrichtungen anschauen und falls möglich, sich die guten Plätze schon bei der Buchung unter den Nagel reissen. Ich finde Seat Guru übersichtlicher, aber beim A380 hat der Erzrivale die Nase vorn und die Pläne von Singapore Airlines bereits online gestellt.

Die Evolution ist in der Luftfahrt bei Inneneinrichtungen viel grausamer als im Dschungel. Farbenfrohe Paradiesvögel haben kaum eine Überlebenschance. In den 30er Jahren waren viele Anbieter im Reisegewerbe der Meinung, dass Flugzeuge gegen luxuriöse Züge und Ozean-Dampfer kaum eine Chance hätten. Die Leute würden niemals für ein paar Stunden Zeitgewinn sich in eine Sardinenbüchse pressen lassen. Im Pazifikverkehr flog PanAm mit dem ChinaClipper (B314) von Insel zu Insel, auf denen gediegene Strand-Resorts für die Übernachtung bereitstanden. Der Zeppelin war eine interessante Alternative, leider etwas zu brisant. Und nur um das mal gesagt zu haben: Das bei der Hindenburg waren also nicht die Raucher, denn es gab gesicherte Raucherabteile. Die Brandursache waren elektrische Entladungen. Oder von mir aus eine Verschwörung mit dazugehörigen Attentätern, aber sicher nicht die zigarrenqualmenden Herrschaften. Flugreisen wurden scheel angesehen, denn es gab - und gibt - einfach ein Komfortproblem. Der Massentourismus war noch weitgehend unbekannt. Wie ein lebendes Gipfeli mit Wolldecke zu schlafen kam erst später. 

Natürlich ist das ganze Gemeckere ziemlich müssig. Ich hätte ja wie die meisten kaum die Mittel mir etwas luxuriöses zu leisten. Schade nur, dass trotz des wachsenden Wohlstandsgefälles die First Class so ein Schattendasein fristet. Klar, diejenigen die es sich leisten können, haben heute einen eigenen Flieger. Aber ausser dem Emir von Abu Dhabi, der sich einen eigenen A380 gönnt, sind diese Privatjets schon ziemlich eng. Das ist natürlich nur die Weltsicht eines Designinteressierten. Es ist einfach spannend, was mit den grossen Flächen in den beiden Jumbo-Modellen alles gemacht werden kann. Ich denke, Singapore Airlines hat nun einen Beitrag geleistet, der Aviatik wieder etwas mehr Magie zu geben. Mein heimlicher Design-Liebling ist ein Entwurf von ca. 1970 für die Nutzung des Unterdecks der B747 als Lounge. Siehe Bild. Man beachte die geschmackvollen Farben. Und wenn ich in sowas fliegen dürfte, würde ich mir Koteletten wachsen lassen, Ehrenwort.

<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image"><a href="http://www.kartaxo.com/blog/B747%20Subdeck%20Tiger%20Lounge%20ca%2019702.html" onclick="window.open('http://www.kartaxo.com/blog/B747%20Subdeck%20Tiger%20Lounge%20ca%2019702.html','popup','width=600,height=450,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.kartaxo.com/blog/assets_c/2007/10/B747 Subdeck Tiger Lounge ca 1970-thumb-400x300.jpg" width="400" height="300" alt="B747 Tiger Lounge.jpg" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span>
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   <title>Featuritis</title>
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   <published>2007-09-30T01:28:51Z</published>
   <updated>2007-09-30T01:32:21Z</updated>
   
   <summary>Mein kleiner grüner Mactus hat mittlerweile seine innere Schönheit offenbart. Aber keine Panik, ich rede nicht über den Unix-Kernel, sondern ganz ungeeky über die netten Sättigungsbeilagen wie die EiLife Programme. Das grosse Geheimnis hinter der Nutzerfreundlichkeit ist der reduzierte Funktionsumfang....</summary>
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      Mein kleiner grüner Mactus hat mittlerweile seine innere Schönheit offenbart. Aber keine Panik, ich rede nicht über den Unix-Kernel, sondern ganz ungeeky über die netten Sättigungsbeilagen wie die EiLife Programme. Das grosse Geheimnis hinter der Nutzerfreundlichkeit ist der reduzierte Funktionsumfang. Das hat natürlich eine Schattenseite, ich dachte schon einige Male, wie schön doch dieses und jenes Feature wäre, musste dann aber Mausknirschend deren Abwesenheit schlucken. Gleichzeitig ist genau diese Kargheit eine grosse Erleichterung. Wenn man eine Funktion im Menü bzw. der Hilfe nicht findet, ist sie eben auch nicht da. Punkt. Alles halb so schlimm, denn die wichtigsten Sachen sind ja schon vorhanden. 

Bei fetten, höhergelegten Programmen ist die Verzweiflung eine ständige Begleiterin, vielleicht sogar deren Schutzpatronin. Wenn man etwas nicht findet, heisst das meistens, dass man am falschen Ort oder mit der falschen Denkweise gesucht hat und wer endlos weitersucht, wird eines Tages auch finden. Aber eigentlich nie das was man bräuchte, sondern Workaround hier, Krücke da und halt so irgendwie. Das allerfieseste ist dieses ständige Gefühl, dass man ein Programm nie richtig im Griff hat. Positiv gesehen hält dieses Gefühl davon ab, mich als gottähnlicher Master of the Universe zu fühlen, nur weil eine Maschine mir auf den Mausklick gehorcht. Wenn man schon bei Kleinigkeiten an den Anschlag kommt, ist das ein Zeichen, welch kleines Würmchen ich im Universum bin. Nicht dass mich das stören würde, Unvollkommenheit ist ja etwas Natürliches. Ich werde auch den Verdacht nicht los, dass die Schöpfungsgeschichte einfach geschönt wurde, indem verschwiegen wird, dass es nicht einfach Licht wurde, sondern zuerst mal tagelang an der Datei Licht.ini gefummelt wurde und die Sache erst nach zig Meldungen à la &quot;Allgemeiner Universumfehler&quot; langsam ins Rollen kam.

Wenn auf dem Mac das i-versum dann langsam zu eng wird, braucht es weitere Programme. Für den Spieltrieb ist es schon schön, wenn man an grossen Programmen eine Unmenge an Einstellungen verändern kann. Gleichzeitig ärgere ich mich bei Office-Paketen seit Jahrern, dass ich jedesmal in mühseliger Handarbeit all die ätzenden Assistenzfunktionen abschalten muss. Eigentlich halb so schlimm, Es ist reine Übungssache und zudem gibt es ein wohltuendes Gefühl wenn ich mein Helfersyndrom ausleben kann, und hilflose Opfer von roten Wellenlinien befreien kann. Natürlich gibt es auch Leute, die genau solche Features schätzen. Seit geraumer Zeit versuche ich eine Umfrage zu finden, wieviel Prozent der Menschheit auf rote Wellenlinien abfährt und wieviele Prozent dieses Feature in der Pfeife rauchen. Vermutlich sind der grösste Anteil die Passivraucher, die gar keinen Gedanken dran verschwenden ob etwas gewünscht ist oder nicht. Hauptsache man schafft es irgendwie einen Brief zu schreiben. Vermutlich zählen auch die Softwarehersteller zu Letzteren. Microsoft &amp; Co. erzählen gerne was von umfangreichen Usability-Tests, würden aber wohl besser was vom Pferd erzählen. Das wäre unterhaltsamer. 

Eine weitere seltsame Überlegung: Wie wäre es, wenn eine Funktion implementiert würde, aber nicht automatisch aktiv ist? Undenkbar, Features scheinen geborene Alphatierchen zu sein, die sich ständig in den Vordergrund drängen müssen. Und auf dem digitalen Schlachtfeld werden im Kampf um möglichst viele Menüfenster und Fehlermeldungen die User als Geiseln genommen. Das Wettrüsten mit Funktionen mittlerweile beängstigende Ausmasse angenommen.

Sicher sind wir nicht ganz unschuldig. Eines der Hauptprobleme liegt meines Erachtens schon im Geschäftsmodell des Softwareverkaufs. Wer zahlt schon Geld für Progrmme, die unter der Haube verbessert werden um stabiler, schneller und kooperativer zu werden. Das erachten wir als selbstverständlich bzw. gehört eher zur Kategorie kostenloses Update. Um Geld zu verdienen haben die Hersteller keine andere Wahl als zig neue Funktionen zu lancieren. Zudem achten die wenigsten Käufer auf verborgene Werte. Die Liste der Funktionen ist immer noch ein zentrales Beurteilungskriterium. Auch deshalb, weil man ja später nicht etwas vermissen möchte und dann ein mühseliger Wechsel zu einem anderen Programm bzw. einer neuen Bedienoberfläche in Kauf nehmen will. Besser, die Leute werden einmal richtig zugedeckt und rudern gleich von Anfang an hilflos in der Gegend rum.

Die Funktionen müssen nicht zwingend einen Kundennutzen haben, sondern nur möglichst begehrenswert tönen und im Marktgeschrei herausstechen. Wenn sie sich später dann als faule Eier entpuppen, heisst es nur ätsch, dann ist das Geld weg. Hoffentlich setzt sich das Mietmodell langsam durch. Man bezahlt für eine bestimmte Nutzungsdauer und die Hersteller sind viel stärker daran interessiert, die bestehenden Nutzer bei der Stange zu halten als Verkäufe um jeden Preis zu machen. Dadurch erhalten die bestehenden Benutzer eine Stimme, die sie bislang nicht hatten, denn wie sagt Konfuzius so schön: Aus dem Laden - aus dem Sinn. Und an diesem Problem haben auch Online-Shops nichts verändert. Aus dem Kabel - aus dem Sinn, also alter Wein im Schlauch 2.0

Unter diesem Blickwinkel ist natürlich OpenSource prädestiniert für bessere Software. Da es keine Lizenzkosten gibt, wird der Wettbewerb von Anfang an über den Service ausgefochten. Software die weniger Probleme macht, bedeutet höhere Gewinne. Wie die Beispiele OpenOffice oder Gimp zeigen, ist aber gerade in der technikverliebten Hackerszene das Thema Einfachheit/Usability ein schwarzes Schaf. Wer keinen Bock hat, stundenlang rumzupröbeln oder Foreneinträge zu lesen, ist eh ein Aussenseiter und für solche Deppen gibts ja Windows oder eben den Mac. Gleichzeitig fällt auf, dass in der OpenSource Szene kleine fixe Programme wie beispielsweise Abiword eine wachsende Fangemeine haben. Nun müsste der Mac nur noch etwas schlauer werden und solche Programme sauber ausführen, und die Türen zum Paradies stünden offen. Vielleicht nicht ganz offen, aber ein kleiner Spalt reicht für ein schlankes Programm allemal um durchzuhuschen.
      
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   <title>Im ICE Inneren</title>
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   <published>2007-09-06T15:32:26Z</published>
   <updated>2007-09-06T18:00:02Z</updated>
   
   <summary>Nach längerem bin ich wieder mal mit dem ICE gefahren. Und zwar mit einem Exemplar der ersten Generation, ein Klassiker aus dem vorherigen Jahrhundert. Mir gefallen die Dinger. Nicht von aussen, da hatten der TGV bis zum Erscheinen von ICE3...</summary>
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      <![CDATA[Nach längerem bin ich wieder mal mit dem ICE gefahren. Und zwar mit einem Exemplar der ersten Generation, ein Klassiker aus dem vorherigen Jahrhundert. Mir gefallen die Dinger. Nicht von aussen, da hatten der TGV bis zum Erscheinen von ICE3 die Nase vorn. Beim ICE zählen die inneren Werte. Das Raumdesign ist so schön hell, aufgelockert und grosszügig. Die SBB scheinen die begrenzten Platzverhältnisse der Schweiz auf Sitzlandschaften abzubilden, das ist alles so vollgequetscht wie in einer S-Bahn. Der TGV wirkt mehr wie ein Flugzeug. Alles streng in Reih und Glied und so richtig schön eng, ideal für Batteriehühner aber nicht für mich. Ich stehe eher auf Bodenhaltung. Am liebsten hätte ich noch Auslauf. Das gab es früher in den grossen Fernzügen in den USA, da konnte man am Schluss des Zuges auf dem Observation Desk Frischluft schnuppern. Genauer gesagt Luft mit Dampfruss, was für einen Eisenbahnfan sehr erfrischend ist. Beim ICE wäre das etwas schwierig, bei den hohen Geschwindigkeiten wärs zugig im wahrsten Sinn des Wortes. Zudem müsste eine komplett neue Generation von Drei-Wetter-Taft entwickelt werden, um die Frisuren zu erhalten.

Die grösste Schwäche im Inneren sind die Lüftungsschlitze direkt neben der Armlehne. Der Eis-Zug wird da seinem Namen gerecht. Die Deutsche Bahn scheint da aktiv gegen die Klimaerwärmung vorzugehen. Ein konstanter Luftstrom sorgt für eine nordische Brise. Man ahnt, dass die Ingenieure ihren Urlaub am Strand von Sylt oder Rügen verbringen und Gefrierbrand ein begehrtes Reiseandenken zu sein scheint. Ohne Pullover wäre man rettungslos verloren. 

Der neueste Schrei sind die reinen Nichtraucherzüge. Das finde ich auch als rauchender Bekenner ganz ok, in der Luftfahrt gibt es das ja seit Jahren. Das einzig komische ist die seltsame Geruchslandschaft. In einem Raucherabteil weiss man sofort nach was es stinkt. Im Nichtaucher ist es eine unangenehm irritierende Mischung aus nassen Klamotten, Schweiss, Deos und weiss der Teufel was noch alles. Vielleicht kommt da bald ein Konzept, dass alles nach einem dreidimensionalen Erfrischungstuch riecht. Oder es werden Räucherstäbchen angezündet. Dann könnte man das Theme auch weiterziehen und die Lautsprecheransagen umgestalten: "**GONGGG** Der Weg ist das Ziel und die Weisen werden wissen welches Karma Karlsruhe bringt, oh mani padre hum".

Der eigentliche Geheimtipp ist das Bord-Bistro. Nicht dass da eine sensationelle Spitzenküche geboten wird, es sind die Kleinigkeiten, die grosse Begeisterung auslösen. Eigentlich hätte ich etwas Baguettiges gesucht, das aber ausverkauft war. Dann die Erleuchtung: Zum ersten Frikadelle/Bulette/Fleischpflanzerl. Es gibt zig Bezeichnungen und Rezepte. Die Grundidee ist verwandt mit einem Hamburger, der ja nicht zufällig in den USA diesen Namen erhalten hat. Die Pointe ist jedoch, dass es eben kein Hamburger wie bei McDo ist, sondern sehr speziell anders. Dann auch noch das absoltue Highlight des kulinarischen Entwicklung in Deutschland: Die Currywurst - ich stehe auf das ganz spezielle Ketchup und natürlich das Currypulver drüber. Komisch, dass beides in Deutschlang extrem verbreitet ist, aber ein paar Meter hinter der Grenze schwieriger erhältlich ist als weisse Trüffel. Beide Gerichte sind sicher extrem ungesund, Ehrensache. Aber die Bahn hat ja noch nie Werbung gemacht, sie seien eine Wellnessoase auf Rädern. Nähme mich auch Wunder, wie die ein Thermalbad in einen Wagen reinquetschen würden. Vielleicht würde das ja noch mit Ach und Krach gehen, aber dann kommt garantiert einer angerannt und will unbedingt einen Golfplatz haben. Dann müsste man die Züge erheblich vergrössern, wie beim <a href="http://nbc_supertrain.tripod.com/id5.html">Supertrain</a>, hätte aber wieder das bereits erwähnte windige Problem.

Es gibt höhere Prioritäten. Bevor man sich einen ICE reinziehen kann braucht es ein Billet bzw. für den ICE einen Fahrschein. Beim Versuch des Onliekaufs bin ich richtig auf die Welt gekommen. Da gibt es Organisationen aus dem letzten Jahrtausend wie die SBB, die es nicht auf die Reihe kriegen einen vernünftigen Online-Shop einzurichten. Zehn Jahre nach dem ersten Kauf eines Flugtickets bei Southwest Airlines und im Zeitalter von Amazon würde man gar nicht auf die Idee kommen, dass man da viel falsch machen kann. Aber ja, man kann. Die SBB kommen als Senkrechtstarter in meine Charts mit den schwachsinnigsten Webinterfaces. Da fahren Züge mehr als 200 km/h, aber der Apparat dahinter steckt noch im Zeitalter des Dampfrosses. Positiv gesehen, haben Dampfloks ja etwas nostalgisch romantisches.]]>
      
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   <title>Europa Park</title>
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   <published>2007-08-12T16:01:12Z</published>
   <updated>2007-08-12T17:32:16Z</updated>
   
   <summary>Der Europa Park in Rust ist eine interessante Mischung zwischen Disneys Magic Kingdom und dem EPCOT Center. Einerseits eine Kopie der Konzepte und gleichzeitig eine Adaption an beengte europäische Platzverhältnisse. Nicht dass man sich gegenseitig auf die Füsse treten würde,...</summary>
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      <![CDATA[Der Europa Park in Rust ist eine interessante Mischung zwischen Disneys Magic Kingdom und dem EPCOT Center. Einerseits eine Kopie der Konzepte und gleichzeitig eine Adaption an beengte europäische Platzverhältnisse. Nicht dass man sich gegenseitig auf die Füsse treten würde, denn dann müsste der Park in London Heathrow Airport umbenannt werden. Dann gäbe es natürlich eher mehr Jumbos als Rides. Auf jeden Fall gibt es genügend Möglichkeiten, in andere Welten zu entschweben. Die Welten sind schön gemacht, die Liebe zum Detail ist spürbar. Sicher rümpfen viele die Nase über solche Kulissenwelten. Pech, denn es gibt eine spezielle Dimension, wenn man die Details unter die Lupe nimmt, und sich wieder einmal über schöne Handwerkskunst des Bühnenbaus freuen kann.

Das A und O in einem Freizeitpark sind natürlich die Rides bzw. Bahnen. In Deutschland gibt es den schönen Begriff des Fahrgeschäftes. Das mit dem Geschäft mag ja noch einleuchten, aber das mit dem Fahren ist zweideutig. Eigentlich fährt nicht das Geschäft, sondern die Besucher. Wobei es auch mobile Anlagen gibt. Die müssten dann als Fahrnis-Fahr-Geschäfte bezeichnet werden. Ich habe mich schon einige Male mit Baurecht beschäftigt, und es gibt einen grossen Bereich zum Thema Achterbahnen bzw. Kirmes. Klar ist der Bereich umfangreich, oder hat schon jemand mal ein knapp formuliertes Gesetz gesehen? Durch einen planerischen Blickwinkel erhält man eine ganz abstruse Sichtweise auf das kindliche Thema Vergnügungspark. 

Mein absoluter Lieblings-Ride bei Disney ist <a href="http://www.hiddenmickeys.org/disneyland/Secrets/Square/Pirates.html">Pirates of the Caribbean</a> - der Jung'sche Archetyp aller <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dark_Ride">Dark Rides</a>. Im Europa Park gibt es eine Aussenstelle für Freunde von Plündererei und Brandschatzung: Die Piraten von Batavia. Ein schöner konzeptioneller Klimmzug. Da der Ride im Bereich Holland liegt, dort aber eher Wohnwagen denn Piraten verbreitet sind, wurde die ehemalige Kolonie Indonesien bzw. Jakarta, damals Batavia herangezogen. In der nahegelegenen Strasse von Malacca gibt es heute noch Piraten, aber die sind so unromantisch, weil sie moderne Containerschiffe überfallen und die Besatzungen ausrauben. Das haben Piraten vom Prinzip her zwar schon immer gemacht, aber bei Segelschiffen wirkt das irgendwie heimeliger. Der Ride ist am Anfang eine schlechte Kopie von Disney, aber dann legen die Jungs richtig los und man fährt durch eine schöne Welt mit indonesischen Tempeln, mystischen Tempeltänzerinnen und wilden Tigern. Also Piraten und Indiana Jones gleich in einem Aufwasch. Wobei sich Abenteurer natürlich nicht waschen, das würde gegen den Berufskodex verstossen.

Es gibt auch mehrere geplegte Achterbahnen. Die sind erste Sahne weil sie cremig-weich anstatt krass-kinetisch fahren. Beschleunigungseffekt ja, aber keine Looping-Zwirbel und solch perverse Sachen, bei denen einem nachher hundeelend ist wie nach einem Film mit Tom Cruise. Die Bahnen im Europa Park sind eher was für die Freunde des gehobenen Thrills, jedoch ohne die unterkühlte elitäre Distanz, wie sie eine Holz-Achterbahn ausstrahlt.

Eine Attraktion ist mir speziell aufgefallen: Eine Tütschibahn bzw. auf gut deutsch Bumper Cars mit dem Thema Fussball. Die Grundidee des Ineinanderkrachens bleibt erhalten, Deutschland ist ja schliesslich eine führende Nation im Automobilbau. Als speziellen Gag hat die Bahn einen Fussball, den man mit den Autos rumschubsen kann. Das gibt dem Ganzen eine neue Dimension. Man(n) jagt dem Ball hinterher anstatt nur Bumper-Body-Checks zu machen. Plötzlich hat die Bahn einen Sinn. Ich würde nicht soweit gehen und behaupten, dass ich der Frage nach dem Sinn des Lebens erheblich näher gekommen wäre, aber es ist unglaublich wie ein rundes Ding die Wahrnehmung eines bekannten Konzeptes völlig verändert. Fussballstadien waren früher auch eher langweilig als ein paar Leute einfach auf dem Feld rumgerannt sind. Die Erfindung des Balls brachte der Sache dann die entscheidende Wendung.

Nun freue ich mich bereits auf den nächsten Besuch. Nächstes mal gehe ich im Sommer wenn es nicht so kalt ist. Im kalt-regnerischen Winter, d.h. im August, holt man sich leicht eine Erkältung.

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   <title>My Mac</title>
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   <published>2007-07-31T16:29:45Z</published>
   <updated>2007-07-31T16:59:06Z</updated>
   
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      Mein alter WindowsXP Rechner hat nach einem Stromausfall das zeitliche gesegnet. Ersatz war schon länger in Planung, nun kam es zum Ernstfall und es musste notfallmässig eine Ersatzanschaffungsmassnahme eingeleitet werden. Die Unförmigkeit und die Ressourcenverschwendung von Windows nervt schon seit langem. Ubuntu-Linux wäre ok, mein Bruder ist damit glücklich, aber das normale Interface huldigt nicht gerade dem Schönheitswahn. Deshalb nach langer Absenz wieder mal wieder ein Mac. Aber nix Gross-spuriges, sondern ein Mac Mini. Der ist munzig klein und flüsterleise. So leise, dass ich anfangs manchmal dachte, dass ihn der frühe Kindstod ereilt hat und Überlegungen zum Aufenthaltsort des Garantiescheins angestellt habe. Aber nix da, der Mac Mini ist einfach nur ein stiller Chrampfer. In Zukunft werde ich nur noch solche leissohlige Rechner anschaffen. Die gibts auch als PC, aber dann sind sie ziemlich teuer.

Die Inbetriebnahme gelang gut, bis auf einen beängstigenden Rotstich. Also grosse Rumsucherei in den Monitoreinstellungen, aber es lag an des Pudels Kabel. Eine physikalische Rekonfiguration, also an der Strippe ziehen, verschffte vollen Zugang zur schönen Aqua Optik. Lange Zeit fand ich sowas nicht so wichtig, aber nun kann ich mich daran kaum sattsehen. Nach dem Vergnügen dann die Arbeit - also Installation von Software. Als erstes Firefox - Safari wäre ja nicht schlecht, aber ein Browser ohne Werbefilter ist das pure Grauen. Kreischende Werbebanner für Junkprodukte, Gücksspiele und sonstigen Schwachsinn. Muss aber nicht sein, hehe. Danach kam Thunderbird für Mails, aber mittlwerweile gefällt mir die Apfelpost besser. Das duale Software-System hat sich schon bei Windows bewährt. Wenn etwas komplett schiefläuft ist die Ersatzcrew schnell zur Stelle. 

Das Office ist ein echtes Problembüro. Da OpenOffice noch nicht voll auf den Mac portiert wurde, und NeoOffice ein paar üble Macken hat, habe ich wieder mal MS-Office für Mac gekauft. iWorks war mir zu unsympathisch. Das ist etwas unlogisch, so wie bei McDonalds einen Salat essen, aber ich dachte es sei besser so. Keine fünf Minuten nach Arbeitsbeginn vermisste ich die ersten Features aus OpenOffice, die ich vorher gar nicht richtig gewürdigt habe. Also Installation von OpenOffice und NeoOffice. So gibts nun die digitale Dreifaltigkeit auf meinem Mac. NeoOffice hat die Nase momentan vorn und an die Nutzung von OpenOffuce bzw. X11 gewöhne ich mich langsam. 

X11 ist eine Umgebung in der Unix-Programme betrieben werden können. Es klappt gut, bis auf ein paar fiese Fallstricke. Die Befehlstasten sind wie bei Windows/Unix - die Control-Taste kontrolliert die Welt und nicht die Apfel-Blumenkohl-Taste. Genau die habe ich aber auf die Ctrl.-Taste umgeleitet, da ich mich nicht umgewöhnen konnte. Daher ist nun bei mir nun alles spiegelverkehrt, wenn ich also bei X11 Ctrl. brauche, drücke ich nicht die Taste mit selbiger Aufschrift, sondern eben die andere. Ist reine Übungssache. Die Menüs sind in X11 wie bei Windows/Unix in den einzelnen Fenstern enthalten, also nicht macmässig ganz oben am Bildschirm. Das ist beim Mac sehr angenehm, weil man die Befehle immer am selben Ort findet, und die Begriffe nicht mehr richtig lesen muss, sondern instinkiv dort hinklickt wo der Menüpunkt schon letztes mal war. Das setzt natürlich ein starkes Erinnerungsvermögen voraus, deshalb sollte ich nun Präparate nehmen um mein Gedächtnis zu stärken. 

Ansonten braucht man wenig Doping um den Mac bedienen zu können. Viele Sachen sind anders organisiert und es braucht etwas Umgewöhnung. Wenn ich beispielsweise ein Dokument per Email verschicken will, klicke ich immer noch auf die rechte Maustaste in der naiven Hoffnung dort einen Punkt &quot;senden an...&quot; zu finden. Im Gegenzug zeigt der Mac die Dateigrösse von Ordnern an. Das hatte ich in all den langen Jahren mit Windows immer schmerzlich vermisst. Und Dateien werden vernünftig sortiert, also zuerst 1 dann die 10 danach die 100. Ein spürbarer Unterschied, der nach wenig tönt. Ich meine nicht die 100, die ist schon eine grosse Zahl, sondern das Sortiersystem. 

Fazit: Ich bin recht glücklich. Manchmal vermisse ich Programme, aber beim Suchen nach Ersatz stosse ich auf Sachen, die ich vorher gar nicht angeschaut hätte, weil ich keinen richtigen Zwang hatte, nach neuen Programmen zu suchen. Es braucht einfach Geduld und Zeit. Es gibt einen ziemlichen Kick, im hohen Alter von ü40 festgefahrene Bahnen zu verlassen und wieder kindisch am Computer rumzuexperimentieren.

      
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