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Compikram Archives

13.03.07

Webwursteleien

Endlich steht meine neue Website. Für mich und von mir gemacht. Selbgestricktes ist vielleicht nicht das Schönste, aber am schönsten. Als Anfänger kann ich mich auch über die kleinsten Erfölgchen freuen. Da ich kein Webwarmduscher bin, kamen natürlich die klassichen Dummie-Tools aus dem Mediamarkt nicht in Frage. Gerade weil Geiz geil ist, musste es etwas kostenloses und am besten noch OpenSource sein. NVU aus dem Mozilla-Stall erfüllt die Bedingungen. Und als Zuckerzilla noch die Verheissung, dass alles ohne HTML gehen soll. Ging es ja auch, aber nur die ersten zehn Minuten, dann war erst mal ein längerer Besuch bei Self-html angesagt. Begleitet von Kopfkratzen und -schütteln zeigten sich bald die ersten Resultate. Der Einfachheit halber habe ich eine Vorlage aus einer der vielen freien Bibliotheken genommen. Was natürlich heisst, dass man höllisch aufpassen muss, um beim Rumschrauben nicht aus Versehen etwas Wichtiges in die eckigen Klammer-Jagdgründe zu befördern.

Ich bin mit NVU eigentlich recht zufrieden. Es hilft dabei, zentrale Elemente zu ändern, ohne gleich stundenlang Klammern einzutippen und völlig den Ueberblick zu verlieren. Es geht ratzfatz und ich war bei Bedarf schneller mit dem Tippen im Quelltext als mit dem Knöpfchendrücken in den Menüs. Grundkenntnisse in html sind sowieso zwingend erforderlich um zu verstehen wiesoweshalbwarum. Nun weiss ich zum Beispiel, dass padding nicht einfach ein Londoner Bahnhof mit abgeschalteten Lautsprecherdurchsagen, also ohne Ton ist, sondern dass man damit Texte oder Möbel von der Wand wegrücken kann. Die Basisangaben sind im Body zu finden, und sind für Betrachter unsichtbar. Blöder Begriff, denn wer hat schon mal einen Body gesehen, den man überhaupt nicht sehen kann - ausser bei Victoria Beckham natürlich.

Natürlich gings nicht ohne Flenn-Mails an einen Experten. Was ist denn zu tun wenn kein einziger Link innerhalb der Site funktioniert und man dennoch alles nach Vorschrift gemacht hat. Das war die Crux. Es waren eben doch nicht alle Links nach Vorschrift, erst nach kompletten Aufräumarbeiten lief es. Das ist wie ein einzelnes Sandkorn im Schuh, man kommt keine fünf Meter weit ohne völlig entnervt zu sein. Computer sind da noch zickiger, die meckern schon vor dem loslaufen und man kann drauf wetten, dass sie sich bald mal hinsetzen und endlos Fenster produzieren mit Statements wie
"Ich kann nicht mehr => OK",
"Ich hab durst => OK" oder
"Ist es noch weit => OK"

Die Krönung war natürlich das Problem, das css-dokument mit den Stilvorlagen hochzuladen. Es liess sich mit nvu nicht öffnen, weil "Kein html Dokument" und kein Button "Mir doch egal, ich brauche es trotzdem" existiert. Nur die Hauptdokumente werden inkl. Bilder geladen. Was solls, css macht also der Kumpel. Dann fehlt das entsprechende Hintergrundbild und für direktes Hochladen mittels ftp fehlen mir Angaben. Schon wieder jemanden nerven? Nein, selbst ist der Geek. Ich konstruiere ein html-Dokument namens "Bildtransporter" und füge das Bild dort ein. Dokument und Bilder werden ohne Murren in das passende Verzeichnis geladen und siehe da, das frisch eingetrudelte Bild kann auch vom css gegessen werden. Natürlich ist das eine hahnsträubende Web-Wurstelei, aber wenn man sowas "Workaround" nennt, tönt es voll insidermässig professionell. Ich fühle mich also mittlerweile wie ein richtiger Computerfreak und denke, dass ich die Grundqualifikationen habe, um bald am offenen Windows-Herz zu arbeiten.

16.03.07

Uhsebility

Gestern behandelte die ARD ein uraltes Problem, das mir seit langem Rätsel aufgibt. Andere wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, ich würde gerne herausfinden, weshalb - entgegen der Anweisungen des Handbuches - trotz des Drückens von Alt+Ctrl+G1 nicht der Dienst pudelkernel.bin startet. Die Rede ist von der Benutzerfeindlichkeit moderner Geräte. Neudeutsch auch Uhsebility genannt, also Sachen, die als extrem sexy angepriesen werden, aber im real existierenden Gebrauchsszenario völlig abtörnen. Darunter gehören natürlich die Klassiker wie Drucker und Handys, die ihre Frauchen und Herrchen in den Wahnsinn treiben. Dazu kommen neuerdings auch die Chart-Neulinge wie Navigationssysteme und die Bordelektronik von Autos.

Ich erinnere mich noch an ein antikes Viralmail, bei dem der Chef von GM auf eine Provokation von Bill Gates antwortet. Titel "Wenn Autos wie Computer wären" oder so ähnlich. Eine Aussage: Dann wäre der Lichtschalter in jedem Auto an einem anderen Ort und jedes neue Modell würde stundenlanges Studium des Handbuchs erzwingen. In unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir herzahft gelacht und das Prophetische unterschätzt. Früher war nicht alles besser, aber es zumindest gab Autos, in die man einsteigen, den Schlüssel drehen, und dann einfach damit losfahren konnte.

Um fair zu sein: Das kann man ja eigentlich heute auch noch. Da haben also die Autohersteller ihre Hausaufgaben noch nicht ganz erledigt. Um richtige High-Tech Produkte zu werden, sollten die Fahrer gezwungen werden, vor dem Losfahren erst mal ein paar Konfigurations- Hürden nehmen, zum Beispiel den Treiber für die Zündkerzen aktualiseren o.ä. Das hat viele Vorteile.
1. Es wirkt alles viel technischer und für High-Tech Produkte kann man mehr Geld verlangen.
2. Nach langem Basteln und dem anschliessenden Erfolg werden Substanzen im Gehirn freigesetzt, die der Wirkung von Opiaten ähneln. Deshalb hängt auch kein Geek an der Nadel, sondern setzt bei Entzug einen Webserver mit einer Cluster-Datenbank auf.
3. Der Nutzen für die Umwelt. Wer nicht einfach ein Auto nutzen kann, überlegt es sich zweimal, ob es wirklich notwendig ist. Fazit: Reduktion von Energieverbrauch und CO2-Ausstoss. Womit bewiesen wäre, dass High-Tech die Welt retten kann.

Die Hauptthese im ARD-Beitrag war die mangelnde Bereitschaft der Hersteller, Geld für Benutzertests auszugeben. Stimmt, aber ich denke das greift zu kurz. Geht nämlich billiger: Wenn man jedem Entwickler und Designer androhen würde, dass er sein Produkt seiner Oma erklären müsste, bzw. sie ihn jederzeit mit Fragen bombardieren dürfte, würde sich schon einiges ändern.

Microsoft prahlt derzeit gross rum, man hätte den Leuten zugehört. So so, die Leute wollen offenbar 3D-Desktops, Ribbons und pipapo. Komisch, die Leute, die ich kenne, wollen ganz banale Sachen machen, wie z.B. Mailen, Dokumente schreiben und dann Ausdrucken. Meine böse These: Das konnte man (fast alles) schon mit Windows NT4 bzw. W95. Wenn Vista z.B. Drucken könnte ohne Leute in den Selbstmord zu treiben, würde es mich ganz doll freuen. Ja echt, denn ich habe gelernt, mich über Kleinigkeiten zu freuen. Da gabs ein paar, zugegeben. Ich habe mittlerweile ein hochentwickeltes Sensorium und fühle bereits Verbesserungen im Nanobereich. Und ich kann ein nutzerfreundliches Interface sogar aus dem All erkennen.

Die Quintessenz: Wenn wir uns immer nur als Deppen fühlen und uns nicht wehren, wird sich nichts bessern. Das Wissen ist eigentlich längst vorhanden, zum Teil seit Jahren bekannt und allgemein zugänglich. Meine Lieblingsquelle: Das Institut für Usability übersetzt die guten Texte von Jakob Nielsen und verschickt sie als Newsletter. Da sie (noch) keine RSS-Feeds anbieten, ist dies der letzte Newsletter, den ich nicht abblocke, sondern gerne lese.

Es gibt sogar einen Eintrag zu Blogs. Deshalb kehre ich mit Asche auf meinem Haupt gerade vor meiner eigenen Domaintür. Als Zauberlehrling habe ich mir natürlich Tools zugelegt, die dies alles vereinfachen. Ich muss dazu aber noch die Bedienung des Zauberbesens in den Griff kriegen. Hat was mit config.ini zu tun, glaube ich, bin aber noch nicht ganz sicher. In der Zwischenzeit überflute ich das Web und drücke allerlei Knöpfchen die mir eventuell vielleicht Linderung verschaffen könnten. So schliesst sich der Kreis und ich bin Teil der technischen Community und kein einsamer Aussenseiter.

2.05.07

Weiche Patente

Das Patentwesen hat sich in den USA in den letzten Jahren den heutigen Sitten angepasst und ist völlig verludert. Das ist nur ein schwacher Vergleich, denn ich bin nicht der Meinung, dass die gesellschaftlichen Sitten so zerfallen sind wie uns Skandalblätter gerne weismachen wollen. Aber beim Patentwesen finde ich Sodom und Gomorrha eine treffende Beschreibung des Ist-Zustandes. Nicht nur klar definierte Erfindungen, sondern auch banalste Ideen lassen sich patentieren. Das bekannteste Beispiel ist ein Besitzanspruch auf die Idee des Einkaufwagens in Online-Shops, der allerdings nach teuren Prozessen wieder gekippt wurde. Die daraus resultierende Unsicherheit hat zu einem absurden Wettrüsten unter Firmen geführt. Es wird auf Teufel komm raus patentiert. Die Trivialpatente stellen keinen direkten Wert dar, sondern werden als Pfand für mögliche Prozesse und als Grundlage für Friedensabkommen zwischen den Firmen verwendet. Und natürlich als Waffe, um bei Bedarf ein kleines Startup an die Garagenwand zu drücken. Soweit so gut, das überrascht ja nicht weiter.

Nun kam aber eine neue Komponente hinzu. Patent-Trolle sind Anwälte, die Rechte an Patenten erwerben und dann grosse Firmen auf horrende Summen verklagen. Diese Prozesse sind eine gigantische Geldvernichtung und könnten die Umsätze der Atomwaffenhersteller bald übertreffen. Hoffentlich nicht, denn ein Urteil des obersten Gerichtes hat den Wildwuchs eben zurechtgestutzt. So besteht also Hoffnung, dass sich die Leute in den USA auch in Zukunft noch mit Produktentwicklung beschäftigen, anstatt sich nur noch den lieben langen Tag unproduktiv gegenseitig zu verklagen. Prozessakten kann man nämlich nicht essen. Software und IT zwar auch nicht, aber wenigstens kann man sich damit einen Teller Spaghetti im Web ansehen.

Ich will nicht generell gegen Patente argumentieren, sondern die Auswüchse anprangern. Denn, ohne Patente gibt es keinen Schutz von Erfindungen und damit null Anreiz Geld in Forschung zu stecken. Natürlich können Patente auch kleine Firmen schützen, aber eben nur wenn die Besitzansprüche eindeutig sind. Patente auf neue Medikamente funktioneren, weil sie klar definierte Inhaltsstoffe beschreiben. Patente auf Nahrungsmittel oder Pflanzen, die in den Herkunftsländern seit Jahrtausenden genutzt werden, sind mehr als fragwürdig.

In Europa ist die Situation weniger schlimm, die Patentierbarkeit von allgemeinen Prozessen bzw. abstrakter Software wurde 2005 von der EU gekippt. Die IT verlagert sich immer mehr von Hardware zu Software, das heisst sie verweichlicht zusehends, aber das sollte mit Patenten nicht geschehen. Wenn also die Anzahl der Patentanmeldungen als Indikator für die Innovationsstärke eines Landes herangezogen wird, sind die USA diesbezüglich nicht innovativer, sondern beschäftigen mehr Patentanwälte. Vielleicht werden solche Statistiken spätere Generationen zum Lächeln bringen, genauso wie wir heute staunen, dass vor 25 Jahren eine grosse Stahlproduktion und ein hoher Energieverbauch als Indikator für Fortschritt gewertet wurde.

15.05.07

Softwareklau

Die Business Software Alliance hat wieder mal eine Studie zu Raubkopien von Software veröffentlicht. Wie üblich werden horrende Summen genannt. Natürlich gibt es massenhaft illegal eingesetzte Software. Man könnte aber dennoch einige Zweifel anmelden. Zum Ersten ist die Methodik nebulös, denn die Grundlagen sind nicht öffentlich zugänglich und nicht nachprüfbar. Ein kurzer Hinweis muss genügen, dass die Studie von irgendwelchen Experten als fundiert bzeichntet wird. Quellen? Fehlanzeige. Anhand der im Einsatz befindlichen PC's und Referenzinstallationen wird der Bedarf ermittelt. Diese Grundlage wird in der Studie mit einer einzigen Zeile abgehandelt. Danach wird mit verkauften Lizenzen verglichen. Die entsprechenden Fehlbeträge werden als Raubkopien ausgewiesen. Die Referenz sind aber nur Firmen und Personen, die auch bereit sind, an der Studie von IDC teilzunehmen. Wer also nicht mitmacht, ist automatisch schuldig. Das Konzept könnte eigentlich die Strafverfolgung vereinfachen: Wer schweigt wandert in den Knast. Das mit dem Schuldnachweis ist ja schon mühsam. Da ist die Softwareindustrie effizienter und dem trägen Staat wieder mal eine Nasenlänge voraus.

Aber das eigentliche Problem sind diese Wahnsinns-Summen. Streng genommen wäre der Fehlbetrag durch Piraterie gleich null komma null. Denn in einem funktionerenden Markt würden die Hersteller die Preise senken, wenn alle Kopien legal lizenziert und bezahlt wären. Die Bezeichnung Raubkopie ist irreführend, es wird ja niemandem etwas weggenommen. Die Analogie mit blinden Passagieren oder Schwarzfahrern wäre zutreffender. Die zahlenden Passagiere bezahlen für die anderen mit und sind somit die eigentlichen Opfer. Und eben nicht die Reederei oder die städtischen Verkehrsbetriebe. Es wäre daher wesentlich schlauer, der Öffentlichkeit vorzurechnen, wieviel jeder sparen könnte, wenn alle fair bezahlen würden. Dann wären Leute mit illegaler Software nicht mehr ein Problem von Microsoft & Co., sondern von uns allen. Ausser von mir. Ich habe nämlich OpenOffice. Und das ist Open Source und der Einsatz daher von Geburt an legal, egal wieviele Kopien ich mache. Nun bliebe zu wünschen, dass mehr Leute Open Source einsetzen anstatt Raubkopien. Dann würde die BSA immer noch jammern, aber auf höherem Niveau.

31.07.07

My Mac

Mein alter WindowsXP Rechner hat nach einem Stromausfall das zeitliche gesegnet. Ersatz war schon länger in Planung, nun kam es zum Ernstfall und es musste notfallmässig eine Ersatzanschaffungsmassnahme eingeleitet werden. Die Unförmigkeit und die Ressourcenverschwendung von Windows nervt schon seit langem. Ubuntu-Linux wäre ok, mein Bruder ist damit glücklich, aber das normale Interface huldigt nicht gerade dem Schönheitswahn. Deshalb nach langer Absenz wieder mal wieder ein Mac. Aber nix Gross-spuriges, sondern ein Mac Mini. Der ist munzig klein und flüsterleise. So leise, dass ich anfangs manchmal dachte, dass ihn der frühe Kindstod ereilt hat und Überlegungen zum Aufenthaltsort des Garantiescheins angestellt habe. Aber nix da, der Mac Mini ist einfach nur ein stiller Chrampfer. In Zukunft werde ich nur noch solche leissohlige Rechner anschaffen. Die gibts auch als PC, aber dann sind sie ziemlich teuer.

Die Inbetriebnahme gelang gut, bis auf einen beängstigenden Rotstich. Also grosse Rumsucherei in den Monitoreinstellungen, aber es lag an des Pudels Kabel. Eine physikalische Rekonfiguration, also an der Strippe ziehen, verschffte vollen Zugang zur schönen Aqua Optik. Lange Zeit fand ich sowas nicht so wichtig, aber nun kann ich mich daran kaum sattsehen. Nach dem Vergnügen dann die Arbeit - also Installation von Software. Als erstes Firefox - Safari wäre ja nicht schlecht, aber ein Browser ohne Werbefilter ist das pure Grauen. Kreischende Werbebanner für Junkprodukte, Gücksspiele und sonstigen Schwachsinn. Muss aber nicht sein, hehe. Danach kam Thunderbird für Mails, aber mittlwerweile gefällt mir die Apfelpost besser. Das duale Software-System hat sich schon bei Windows bewährt. Wenn etwas komplett schiefläuft ist die Ersatzcrew schnell zur Stelle.

Das Office ist ein echtes Problembüro. Da OpenOffice noch nicht voll auf den Mac portiert wurde, und NeoOffice ein paar üble Macken hat, habe ich wieder mal MS-Office für Mac gekauft. iWorks war mir zu unsympathisch. Das ist etwas unlogisch, so wie bei McDonalds einen Salat essen, aber ich dachte es sei besser so. Keine fünf Minuten nach Arbeitsbeginn vermisste ich die ersten Features aus OpenOffice, die ich vorher gar nicht richtig gewürdigt habe. Also Installation von OpenOffice und NeoOffice. So gibts nun die digitale Dreifaltigkeit auf meinem Mac. NeoOffice hat die Nase momentan vorn und an die Nutzung von OpenOffuce bzw. X11 gewöhne ich mich langsam.

X11 ist eine Umgebung in der Unix-Programme betrieben werden können. Es klappt gut, bis auf ein paar fiese Fallstricke. Die Befehlstasten sind wie bei Windows/Unix - die Control-Taste kontrolliert die Welt und nicht die Apfel-Blumenkohl-Taste. Genau die habe ich aber auf die Ctrl.-Taste umgeleitet, da ich mich nicht umgewöhnen konnte. Daher ist nun bei mir nun alles spiegelverkehrt, wenn ich also bei X11 Ctrl. brauche, drücke ich nicht die Taste mit selbiger Aufschrift, sondern eben die andere. Ist reine Übungssache. Die Menüs sind in X11 wie bei Windows/Unix in den einzelnen Fenstern enthalten, also nicht macmässig ganz oben am Bildschirm. Das ist beim Mac sehr angenehm, weil man die Befehle immer am selben Ort findet, und die Begriffe nicht mehr richtig lesen muss, sondern instinkiv dort hinklickt wo der Menüpunkt schon letztes mal war. Das setzt natürlich ein starkes Erinnerungsvermögen voraus, deshalb sollte ich nun Präparate nehmen um mein Gedächtnis zu stärken.

Ansonten braucht man wenig Doping um den Mac bedienen zu können. Viele Sachen sind anders organisiert und es braucht etwas Umgewöhnung. Wenn ich beispielsweise ein Dokument per Email verschicken will, klicke ich immer noch auf die rechte Maustaste in der naiven Hoffnung dort einen Punkt "senden an..." zu finden. Im Gegenzug zeigt der Mac die Dateigrösse von Ordnern an. Das hatte ich in all den langen Jahren mit Windows immer schmerzlich vermisst. Und Dateien werden vernünftig sortiert, also zuerst 1 dann die 10 danach die 100. Ein spürbarer Unterschied, der nach wenig tönt. Ich meine nicht die 100, die ist schon eine grosse Zahl, sondern das Sortiersystem.

Fazit: Ich bin recht glücklich. Manchmal vermisse ich Programme, aber beim Suchen nach Ersatz stosse ich auf Sachen, die ich vorher gar nicht angeschaut hätte, weil ich keinen richtigen Zwang hatte, nach neuen Programmen zu suchen. Es braucht einfach Geduld und Zeit. Es gibt einen ziemlichen Kick, im hohen Alter von ü40 festgefahrene Bahnen zu verlassen und wieder kindisch am Computer rumzuexperimentieren.

30.09.07

Featuritis

Mein kleiner grüner Mactus hat mittlerweile seine innere Schönheit offenbart. Aber keine Panik, ich rede nicht über den Unix-Kernel, sondern ganz ungeeky über die netten Sättigungsbeilagen wie die EiLife Programme. Das grosse Geheimnis hinter der Nutzerfreundlichkeit ist der reduzierte Funktionsumfang. Das hat natürlich eine Schattenseite, ich dachte schon einige Male, wie schön doch dieses und jenes Feature wäre, musste dann aber Mausknirschend deren Abwesenheit schlucken. Gleichzeitig ist genau diese Kargheit eine grosse Erleichterung. Wenn man eine Funktion im Menü bzw. der Hilfe nicht findet, ist sie eben auch nicht da. Punkt. Alles halb so schlimm, denn die wichtigsten Sachen sind ja schon vorhanden.

Bei fetten, höhergelegten Programmen ist die Verzweiflung eine ständige Begleiterin, vielleicht sogar deren Schutzpatronin. Wenn man etwas nicht findet, heisst das meistens, dass man am falschen Ort oder mit der falschen Denkweise gesucht hat und wer endlos weitersucht, wird eines Tages auch finden. Aber eigentlich nie das was man bräuchte, sondern Workaround hier, Krücke da und halt so irgendwie. Das allerfieseste ist dieses ständige Gefühl, dass man ein Programm nie richtig im Griff hat. Positiv gesehen hält dieses Gefühl davon ab, mich als gottähnlicher Master of the Universe zu fühlen, nur weil eine Maschine mir auf den Mausklick gehorcht. Wenn man schon bei Kleinigkeiten an den Anschlag kommt, ist das ein Zeichen, welch kleines Würmchen ich im Universum bin. Nicht dass mich das stören würde, Unvollkommenheit ist ja etwas Natürliches. Ich werde auch den Verdacht nicht los, dass die Schöpfungsgeschichte einfach geschönt wurde, indem verschwiegen wird, dass es nicht einfach Licht wurde, sondern zuerst mal tagelang an der Datei Licht.ini gefummelt wurde und die Sache erst nach zig Meldungen à la "Allgemeiner Universumfehler" langsam ins Rollen kam.

Wenn auf dem Mac das i-versum dann langsam zu eng wird, braucht es weitere Programme. Für den Spieltrieb ist es schon schön, wenn man an grossen Programmen eine Unmenge an Einstellungen verändern kann. Gleichzeitig ärgere ich mich bei Office-Paketen seit Jahrern, dass ich jedesmal in mühseliger Handarbeit all die ätzenden Assistenzfunktionen abschalten muss. Eigentlich halb so schlimm, Es ist reine Übungssache und zudem gibt es ein wohltuendes Gefühl wenn ich mein Helfersyndrom ausleben kann, und hilflose Opfer von roten Wellenlinien befreien kann. Natürlich gibt es auch Leute, die genau solche Features schätzen. Seit geraumer Zeit versuche ich eine Umfrage zu finden, wieviel Prozent der Menschheit auf rote Wellenlinien abfährt und wieviele Prozent dieses Feature in der Pfeife rauchen. Vermutlich sind der grösste Anteil die Passivraucher, die gar keinen Gedanken dran verschwenden ob etwas gewünscht ist oder nicht. Hauptsache man schafft es irgendwie einen Brief zu schreiben. Vermutlich zählen auch die Softwarehersteller zu Letzteren. Microsoft & Co. erzählen gerne was von umfangreichen Usability-Tests, würden aber wohl besser was vom Pferd erzählen. Das wäre unterhaltsamer.

Eine weitere seltsame Überlegung: Wie wäre es, wenn eine Funktion implementiert würde, aber nicht automatisch aktiv ist? Undenkbar, Features scheinen geborene Alphatierchen zu sein, die sich ständig in den Vordergrund drängen müssen. Und auf dem digitalen Schlachtfeld werden im Kampf um möglichst viele Menüfenster und Fehlermeldungen die User als Geiseln genommen. Das Wettrüsten mit Funktionen mittlerweile beängstigende Ausmasse angenommen.

Sicher sind wir nicht ganz unschuldig. Eines der Hauptprobleme liegt meines Erachtens schon im Geschäftsmodell des Softwareverkaufs. Wer zahlt schon Geld für Progrmme, die unter der Haube verbessert werden um stabiler, schneller und kooperativer zu werden. Das erachten wir als selbstverständlich bzw. gehört eher zur Kategorie kostenloses Update. Um Geld zu verdienen haben die Hersteller keine andere Wahl als zig neue Funktionen zu lancieren. Zudem achten die wenigsten Käufer auf verborgene Werte. Die Liste der Funktionen ist immer noch ein zentrales Beurteilungskriterium. Auch deshalb, weil man ja später nicht etwas vermissen möchte und dann ein mühseliger Wechsel zu einem anderen Programm bzw. einer neuen Bedienoberfläche in Kauf nehmen will. Besser, die Leute werden einmal richtig zugedeckt und rudern gleich von Anfang an hilflos in der Gegend rum.

Die Funktionen müssen nicht zwingend einen Kundennutzen haben, sondern nur möglichst begehrenswert tönen und im Marktgeschrei herausstechen. Wenn sie sich später dann als faule Eier entpuppen, heisst es nur ätsch, dann ist das Geld weg. Hoffentlich setzt sich das Mietmodell langsam durch. Man bezahlt für eine bestimmte Nutzungsdauer und die Hersteller sind viel stärker daran interessiert, die bestehenden Nutzer bei der Stange zu halten als Verkäufe um jeden Preis zu machen. Dadurch erhalten die bestehenden Benutzer eine Stimme, die sie bislang nicht hatten, denn wie sagt Konfuzius so schön: Aus dem Laden - aus dem Sinn. Und an diesem Problem haben auch Online-Shops nichts verändert. Aus dem Kabel - aus dem Sinn, also alter Wein im Schlauch 2.0

Unter diesem Blickwinkel ist natürlich OpenSource prädestiniert für bessere Software. Da es keine Lizenzkosten gibt, wird der Wettbewerb von Anfang an über den Service ausgefochten. Software die weniger Probleme macht, bedeutet höhere Gewinne. Wie die Beispiele OpenOffice oder Gimp zeigen, ist aber gerade in der technikverliebten Hackerszene das Thema Einfachheit/Usability ein schwarzes Schaf. Wer keinen Bock hat, stundenlang rumzupröbeln oder Foreneinträge zu lesen, ist eh ein Aussenseiter und für solche Deppen gibts ja Windows oder eben den Mac. Gleichzeitig fällt auf, dass in der OpenSource Szene kleine fixe Programme wie beispielsweise Abiword eine wachsende Fangemeine haben. Nun müsste der Mac nur noch etwas schlauer werden und solche Programme sauber ausführen, und die Türen zum Paradies stünden offen. Vielleicht nicht ganz offen, aber ein kleiner Spalt reicht für ein schlankes Programm allemal um durchzuhuschen.

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