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29.11.07

Investmentbanking und kleine Fische

Wenn man einmal über die happigen Verluste von Investmentbanken nachdenkt, fragt man sich, wieso sich die Geschichte andauernd wiederholt. Natürlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier, in guten wie in schlechten Tagen. Zudem scheint Investmentbanking eher mit Pferdewetten als mit Investitionen verwandt zu sein. Ausser dass an der Wall-Street die Frauen nicht so verrückte Hüte wie in Ascot tragen. Pferdewetten werden normalerweise aufgrund von Gerüchten und aus einem Bauchgefühl heraus abgeschlossen. Wer Risikomanagement betreibt kommt nie gross raus. Und wer aufgrund von Fundamental-Analysen mitspielt, das heisst ein Value-Investor ist, bzw. ein Value-Derby sucht, wird wohl eher eine Beteiligung an einem Hutgeschäft oder etwas prosaischer am Totalisator aller Wetten anstreben. Womit sich die Vermutung aufdrängt, dass doch einige Banken durch Kommissionserträge an einem Hype verdienen. Pech ist nur wenn sie selber mitspielen, anstatt die Risiken schön brav ihren Kunden zu überlassen.

Beim Hypothekengeschäft in den USA haben die Investmentbanken auf eigene Rechnung mitgespielt. Eigentlich ist die Zockerei an der Börse normalerweise recht clever organisiert. Vermögensverwalter bzw. Fondsbetreiber geben toll-sichere Geheimtipps und kassieren happige Prämien - Vom Vermögen wohlgemerkt, nicht vom Gewinn, denn das mit dem Gewinn ist ja schon eine ziemlich wackelige Sache. Die fiesen Gewinne sprudeln nicht einfach so aus heiterem Himmel, deshalb lieber eine feste Gebühr vom Vermögen abzwacken.

Das System könnte man vergleichen mit einem Profipokerspieler der von mir Geld nimmt um damit nach Las Vegas zu fliegen. Und weil der ein Superstar ist, nimmt er gleich mal ordentlich Geld für einen Privatjet und sonstige Incentives. Wenn er dann einen Gewinn rausholt, gibt er etwas zurück aber er erhöht er die Prämien für die Zukunft da er nun ein noch grösserer Star geworden ist. Bei Verlusten hat er Pech gehabt und der Ärmste macht sich grummelnd mit einem Jaguar statt wie erhofft mit einem Bentley aus dem Staub. Aber war er nicht so blöd wie ich. Mein Vermögen ist durch Gebühren und Verluste arg geschrumpft und ich gucke dumm aus der Designerwäsche, die ich gekauft habe als ich noch reich war. Damals, das waren noch Zeiten. Wenn eine Investmentbank also auf eigenes Risiko arbeitet, muss man das geradezu als soziales Engagement ansehen. Aber das würde zu einer Bank passen wie ein Bulle an der Börse, der nicht nur einen imposanten Auftritt hinlegt, sondern sogar noch Milch gibt. Da drängt sich glatt der Verdacht auf, dass die Investmentbanken mit den Hypothen ein so gigantisches Geschäft gewittert haben, dass sie am liebsten selber abstauben wollten. Pech gehabt, haha.

Wieso gibt es eigentlich immer wieder diese wellenartigen Hypes? Für mich ist die plausibelste Erklärung in der Selbstorganisation bzw. in der Schwarm-Theorie zu finden. Ein Schwarm gibt Schutz, denn für einen Raubfisch ist es wesentlich einfacher einen alleinschwimmenden Fisch zu erwischen als einen in einem gossen Schwarm. Er sieht dann den Baum vor lauter Wald nicht mehr. So gibt auch bei Menschen eine Herde Schutz. Wenn ein Investor antizyklisch handelt, könnte er zwar über längere Zeiträume überdurchschnittliche Gewinne machen. Wenn aber alle anderen mit einer Strategie Geld erwirtschaften und man selber nicht, dann gibts Schläge von Kunden und natürlich vom Chef. Und fast unweigerlich eine Entlassung. Wenn alle Investoren Verluste machen kann nicht so viel passieren. Die Kunden verfluchen dann die Börse als Schwarm und nicht einen kleinen Fisch. So muss man fairerweise sagen, dass die Hypes und Abstürze nur zu einem geringen Teil von Investmentbankern verursacht werden, sondern hausgemacht sind. Von schwärmerischen Kunden also. Aus diesem Grunde sollten Männer nicht mehr lachen, wenn Frauen wieder mal anfangen Leggings zu kaufen weil andere das auch tun. Und zwar solange bis sich rumgesprochen hat, dass Leggings völlig behämmert aussehen. Das ist halt eine Subprime-Krise in der Ästhetik. Der Mechanismus ist der Selbige. Vielleicht etwas schwieriger nachzuvollziehen als knallhart rational getätigte Investments.

1.02.08

TCV Total Cost of Vanity

In der Informatik wird unter dem Begriff TCO "Total Cost of Ownership" ermittelt, wieviel eine Softwaredienstliestung als Ganzes kostet, da Lizenzkosten als Vergleichsgrösse denkbar ungeeignet sind. Bei Open Source Software liegen sie bei Null, aber dann fängt der Spass erst an. Insbesondere die versteckten indirekten Kosten beispielsweise für Herzkasperkosten von unbedienbarer Software wird mit TCO-Rechnungen unter die Lupe genommen.

Nun könnte man diesen Gedanken in die Wirtschaftswelt ausdehnen. In den letzten Jahren waren die abstrusen Spitzengehälter von CEO's in aller Munde. Die Gegner von solchen Abzockern übersehen, dass das die Höhe des Gehalts noch die gute Nachricht war. Wie bei einem Eisberg liegen 7/8 unter dem Wasser verborgen wie die Titanic aus eigener Erfahrung zu berichten weiss.

Mit TCV "Total Cost of Vanity" werdendie wahren Kosten eines CEO ermittelt. Wie bei einem König gehören zu einem CEO zuerst mal sündhaftteure Insignien der Macht. Die goldene Kutsche ist durch einen Privatjet abgelöst worden. Eigentlich Schade, denn Pferde hätten mehr Stil. Aber warten wirs mal ab, wenn mehr Frauen im Topmanagement einziehen, könnte sich das Blatt wieder wenden. Da will ich auch gerne zugeben, dass ich bei Kosten für solche Inszenierungen nicht nur beide Augen, sondern auch das sechste Chakra zudrücken würde, weil ich Inszenierungen liebe, und mein barockes Gemüt nicht wegen ein paar Fränkli unnötigen Höllenqualen aussetzen würde.

Das Problem liegt tiefer: Der Status eines CEO bzw. Königs zeigt sich in seiner Entourage, die dem Herrscher huldigt, und dafür mit grosszügigen Geschenken bedacht wird. Obwohl die Globaliserung wahrlich nicht im Schneckentempo voranschreitet, halten sich alte Traditionen wie das Hinterherziehen einer Schleimspur. Nur dass diese Spur bei einem CEO aus Gold zu bestehen scheint. Früher lockten die grossen Reichtümer am Klondike River, heute schürfen Unternehmensberater in ihren Claims nach Gold.

Der grösste unsichtbare Brocken unter Wasser, der auch grosse Schiffe in arge Bedrängnis bringen kann, sind finanzielle Fehlentscheidungen. Firmen wie Swissair oder neulich UBS haben dies plastisch demonstriert. Abschreibungen sind ein Teil des Unternehmensalltags. So ist es normal, dass ein kleines Sushi auf dem Förderband das Ende des Life-Cycle nach ein paar Durchgängen nicht in einem Magen sondern im Mülleimer erlebt weil es keinen Liebhaber fand. Aber erst wenn das Management in schamloser Eitelkeit auf Wachstumskurs geht, wird es gefährlich. Dann schnellen die Kosten des TCV in die Höhe. Weil einige CEO's nicht dem Aktionär oder einem anderen Stakeholder huldigen, sondern nur noch ihrem Ego werden gigantische Risiken eingegangen. Auf fremde Kosten wohlgemerkt, die Egomanen tragen nur homöopatische Risiken selber. Kein Wunder, die Bonus-Systeme fördern dieses Verhalten. Im besten Fall werden sie zu Sonnenkönigen und dann haben vielleicht sogar die Aktinäre einen Vorteil vom Expansionskurs. Was aber nicht zwingend ist, sondern eher ein Spin-off Effekt der ganzen Eitelkeit darstellt. Im schlimmsten Fall gehen Riesenvermögen verloren und die Ärmsten werden gefeuert; allerdings ohne einen Cent von ihrem vorangegangenen Riesengehalt zurückzahlen zu müssen. Die Zeche zahlen dann ausschliesslich die Stakeholder durch Kursverlust, Arbeitslosigkeit oder Steuerausfälle.

Das Hauptproblem liegt bei uns Aktionären. Wobei mich natürlich kaum Schuld trifft, weil ich fast so Arm wie eine Kirchenmaus bin. Aber es wäre vermessen zu behaupten, dass ich besonders viel Wert auf eine angemessene Vertretung gelegt hätte. Durch Depotstimmrechte habe ich mich komplett entmachtet. Da sehr viele Aktionäre das gleiche getan haben, wurde der Grundgedanke der Aktiengesellschaft ziemlich ausgehölt. Wenn in einem Altenheim die Pfleger Wahlzettel von Rentnern ausfüllen, führt das zu einem kleinerem Skandal. Aktionäre finden das so normal wie das Amen in der Kirche. Und wundern sich dann noch, dass sie Arm wie Kirchenmäuse bleiben. Worauf man feststellen muss, dass eine richtige Kirchenmaus zwar nichts zu essen kriegt, aber wenigstens gelegentlich etwas Weihrauchdämpfe schnüffeln kann.

Aktionäre als Ganzes scheinen Dümmer als die Summe des Einzelaktionärs zu sein. Zum Abschluss als Fazit das klassische Top-Bonmot von Carl Fürstenberg: "Aktionäre sind dumm und frech - Dumm weil sie ihr Geld anderen Leuten geben, und frech wenn sie dafür auch noch eine Dividende haben wollen".

30.11.08

Finanzkrise

Aus einer Zocker-Mücke wird ein Rezessions-Elefant. Da werden schon die Geister der grossen Depression von 1929 an die Wand gemalt, die auch recht gemütlich anfing als nach dem Platzen einer Blase sich ein paar Banker vom Dach stürzten. Doch dann liess sich die gesamte Finanzbranche davon inspirieren und Wall-Street wurde in einen Grand Canyon umfunktioniert. So gross, dass darin die gesamte Volkwirtschaft reinhüpfen konnte. Da brach nicht nur die Konjunktur ein, sondern auch der Glaube an die Marktwirtschaft und die Selbstheilung des Marktes. Die Sozialisten lachten sich ins rote Fäustchen und die Nazis boten ein Doppelpack um gleich auch die Probleme der Weimarer Republik an der Wurzel zu packen. Wie bei einem Mc Donalds Happy Meal gabs dann als Zugabe eine nette kleine Überraschung. In den USA ging Roosevelt die Sache ruhiger an. Neben einer Bankenreform und massiven Staatsaufträgen zur Konjunkturbelebung wurden durch Radioansprachen in den "Fireside Chats" die Veränderungen mit ruhiger Stimme erklärt. Also nichts anderes als vertrauensbildende Massnahmen die Ruhe in den gackernden Hühnerstall brachten. Spannend das Gerücht, das der neue Präsident eine Neuauflage auf YouTube plant.

Staatsinterventionen waren lange Zeit normal und Geld für Grossbetriebe in Krisen so sicher wie das Amen in der Kirche. Einfach schöner, weil die Kirche ausser ein paar Obladen nix lockermacht. In den 80ern kam Don Johnson in Miami Vice ans Steuer der Rennjachten und auch die Jünger von Adam Smith und F.A. Hayek begannen das Ruder herumzureissen. Mit dem Kollaps des Ostblocks konnten sie klar Schiff machen und die Meere der Meinungen beherrschen. Interessanterweise behielten gerade die Investmentbanker, also die Speerspitze des freien Marktes, die alten Zeiten in guter Erinnerung. Sie machten die wildesten Akrobatiknummern ohne mit der Wimper zu zucken. Denn es gab ja Risk-Management in Form von Bungee-Seilen. Die Seile sind flexibel und extrem belastbar, da sie aus den Nerven von Steuerzahlern geflochten werden, die bekanntlich sehr dehnbar sind. Vielleicht geben sie ein paar nervöse Zuckungen von sich, aber es besteht kein Risiko eines Nervenzusammenbruchs. Das tönt nach etwas, das man auch woanders kennt: Die Banker wirken wie pubertierende Gören die sich Kraft der totalen Checkung jegliche Interventionen verbitten, aber nach der Orgie erwarten, dass die Eltern das Haus renovieren oder sie aus dem Knast rausholen.

Eigentlich war schon lange klar, dass die Libertarians eine witzige Theorie vertreten, die ziemlich realitätsfern ist. Genauso wie der Marxismus ein Hirn-Gespinst ist, das in Europa rumgegangen ist bis es über die Kette bzw. die Kugel am Bein gestolpert ist. Diese Kugel war der absolute Machtanspruch ohne Limitierung durch die Idee von "Checks and Balances". Die Aufklärung und das Staatssystem der USA hatten diese Themen bereits Jahrzehnte vorher abgehakt, aber der Kalle konnte ja nicht hören, und so stürmten die Ossis genau 200 Jahre später nicht die Bastille aber den Balast där Räbublik. Nicht falsch verstehen. Ich mag Sächsisch weil es so seltsam wie Schweizerdeutsch ist. Zurück zur Weltgeschichte: Ausser der Jahreszahl gab es bei beiden Ereignissen viele Ähnlichkeiten, insbesondere die völlig albernen Frisuren der beteiligten Subjekte. Alles in allem verschwand das marxistische Gedankengut ohne das ein Hahn danach krähte. Gysi gilt nicht, die PDS hat sich kaum die Mühe gemacht das ideologische Konstrukt mal generalüberholen zu lassen. Dabei würde das noch nicht mal was kosten, denn es gibt zig Sendungen wo man alles mögliche Pimpen lassen kann. Man muss nur fragen. Interessanterweise tun die Chicago Boys allen voran die Mont-Pelerin-Society nun dasselbe. Wer den Kopf in den Sand steckt hört keine Kritik. Das Mission-Statement liest sich als ob es nie eine Finanzkrise gegeben hätte - betretenes Schweigen scheint im Moment die Antwort auf alle Fragen zu sein.

Ironischerweise habe ich erst jetzt die Libertatians wirklich verstanden. Nur wenn garantiert keine Kavallerie zur Rettung heraneilt übernehmen Leute bzw. Firmen Eigenverantwortung und erreichen dadurch Freiheit. Soweit die Theorie. Das bezieht sich bei "echten" bzw. anständigen Libertrarians wie Milton Friedmann übrigens nicht auf Leute die das nicht können, die erhalten Unterstützung im Rahmen eines Bürgergeldes (Mindesteinkommens). Erst danach kommt Signor Rossi und hilft bei der Suche nach dem Glück. Quatsch, jeder ist seines eigenen Glückes Rossi.

Ob Firmen oder Banken sowas brauchen klingt nach einem schlechten Scherz. Eigentlich wäre es ja keine grosse Sache die Cash-Community zur Eigenverantwortung zu zwingen. Eine Selbstregulierung mit einem gemeinsamen Rettungsfonds für Notfälle ist nichts Neues. Zahlreiche Reisebüros schlossen in den 80ern einen solchen Pakt um Kunden Sicherheit zu geben, und sich vor dubiosen Anbietern abzugrenzen. Dass Banken eine starke gemeinsame Lobby pflegen erscheint logisch, aber dass sie sich gegenseitig auf die Finger schauen, weil sie im selben Haftungs-Hausboot sitzen, tönt nach tibetanischer Esoterik. Vor allem nach unnötigem Stress, denn im Austausch für ein paar Gefälligkeiten fliessen ja die Manna-Milliarden.

Und weit und breit keiner von den vormals so lauten Libertarians. Ok, sind ja auch nur Menschen und offenbar mussten die gerade mal austreten. Die Hippies haben gefragt "Sag mir wo die Blumen sind...", nun braucht es ein Update: "Sag mir wo die Märkte sind..." Was mich am allermeisten stört ist das schlechte Timing. Wieso ist die Blase ausgerechnet jetzt geplatzt?. Klar, es gibt nie den richtigen Zeit und Ort für eine Katastrophe. Aber aus historischer Sicht wäre es einfacher, wenn der Turbo-Kapitalismus tupf-genau 20 Jahre nach dem Mauerfall den Gulli runtergespült worden wäre. So wie der 30 Jährige Krieg eben 30 Jahre gedauert hat. Sowas kann man sich viel einfacher merken. Schade, dass niemand mehr langfristig denkt.

3.07.09

Bankgeheimnis

Die Finanzkrise ist nun ausgewachsen und kriegt Kinder. Im Zuge der Neuregulierung der Finanzmärkte wird die heilige Kuh der Schweiz geschlachtet, das Bankgeheimnis. Die andere heilige Kuh, die lilafarbene darf noch etwas auf der Weide bleiben, aber aufgrund des Zerfalls der Milchpreise ist auch sie als toxisch einzustufen. Kein Wunder, diese Farbe kann ja wohl nicht natürlich sein, da sind sicher ganz fiese Substanzen im Spiel. Wenn ich Hindu wäre, würde mir Angst und Bange werden wie Kuhfeindlich die globale Wirtschaft doch geworden ist. Beim Bankgeheimnis sind wohl nur Schweizer und sonstige Inselbewohner gläubige Kuhfreunde, der Mainstream tendiert eher zum gläsernen Bürger-Schwein, das jederzeit geschlachtet werden kann.

Um es gleich Vorwegzunehmen, ein Finanzplatz als Ali-Baba Höhle für Steuerbetrüger ist weder Fair noch nachhaltig am Leben zu erhalten. Schlupfwinkel müssen laufend gewechselt werden, so will es das Gesetz von Katz und Maus. Und wenn dies jetzt passiert ist es kein Grund zur Panik. Der Kampf gegen Steuersünder treibt aber dieselben seltsamen Blüten wie der Kampf gegen Terror oder Kinderpornos. Rechtfertigt das Böse den Beelzebub? Noch gibt es ein paar Greise, die nicht alles bei Facebook, YouTube oder der öffentlichen Hand Gottes zeigen wollen und so etwas absurd-altmodisches wie Privatsphäre wollen. Da andererseits der Cäsar haben will was des Cäsars ist, braucht es im Steuerbereich ein Instrument um Kreis und Quadrat unter einen dreieckigen Magierhut zu bringen: Die Quellensteuer. Von Erträgen wird Pauschal eine Summe abgezogen und anonym an die Staatskasse des Heimatlandes überwiesen. Normalerweise ist diese Summe höher, als wenn die Bürger dafür Einkommens-Steuern deklarieren. Trotz Diskretion ist der schweizer Staat ja kein Depp und lässt sich die Butter vom Brot nehmen. Bei ausländischen Kontoinhabern sah man das lange allzu locker, wehrte sich gegen Quellensteuer für alle und kassiert nun Schläge.

Dummerweise war man so selbstsicher bis selbstgefällig, dass man sich nicht auf den Ernstfall vorbereitete und nun wegen ein paar Attacken gleich in Panik ausbricht. Eis kann für Schiffe ganz schön gefährlich werden wie die Titanic bewiesen hat, aber wenn ein paar Eiswürfel statt im Single-Malt auf dem Tisch landen, muss man nicht gleich die Rettungsboote klarmachen. Vermutlich kann man deshalb nicht in aller Ruhe Trümpfe wie Quellensteuer spielen, weil man so lange mit vollem Bewusstsein falsch gespielt hat und sich ertappt fühlt. Kommt hinzu, dass Staatsbedienstete oder Verbandsfunktionäre ein schier unerschöpfliches Verlangen nach PR-Fettnäpfchen haben. Vermutlich rührt das Problem daher, dass Kommunikation als so ein Frauendings angesehen wird und die gestandenen Herrschaften mit militärischen Hintergrund Angst haben als Warmduscher dazustehen wenn sie die Kunst der Rhetorik bzw. PR praktizieren. Ist natürlich schon schwer zu vermitteln, dass man sich statt an Winkelried eher an Paris Hilton orientieren sollte um auf dem Schlachtfeld der Skandale zu gewinnen. Oder sich eine goldene Nase zu verdienen, das dürfte vermutlich eher überzeugen.

Wäre auch zu schön gewesen, wenn die Metapher mit den Indianern und der Kavallerie dahingehend gewichtet worden wäre, dass die Kavallerie eine Schutztruppe für diebische Siedler war, die den Indianer das Land weggenommen hat. Doch der Steinbrück ist als Steinbruch für Ideen ganz valabel. Wenn man überlegt, dass die Indianer in ihren Reservaten bereits mit Casinos Geld verdienen, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis Häuptling fieser Fuchs und ein wendiger/windiger Anwalt auf die Idee kommen, Gelder des weissen Mannes diskret beim Schatz am Silbersee zu bunkern.

So oder so, die Karawane zieht nun weiter. Die Steueroase am Silbersee fände ich romantischer als das naheliegende Dubai. Egal wohin das Schwarzgeld hinzieht, für die Schweiz ist nun ein kleiner Wechsel der Fronten angesagt um andere Steuersümpfe Schritt für Schritt auszutrocknen und dann den Joker zu spielen. Es ist kaum anzunehmen, dass sich wohlhabende Bürger wehrlos ihrem Schicksal fügen. Wer früher einfach A wie Auslandskonto sagte, wird dann halt B wie ByeBye sagen und wegziehen. Was auch konsequent wäre, denn es leuchtet nicht ein, wieso jemand von den Vorzügen eines Landes profitieren soll ohne dafür zu bezahlen. Als Boris Becker erwischt wurde, weil gemäss seinem Terminplan der Lebensmittelpunkt nicht in Monaco sondern in Deutschland lag, war mein Mitleid gering. Ein voller Umzug ist hart und braucht einigen Druck, aber ich bin zuversichtlich, dass die deutsche Politik das bravurös hinkriegen wird.

Dann schlüge auch die Stunde von Ländern mit vernünftigen Steuergesetzen, wo mir so auf Anhieb Schweiz einfällt. Mit vernünftig meine ich solche Kinkerlitzchen wie nachvollziehbare Gesetzgebung, pragmatische Auslegung mit Verhandlungsbereitschaft von Behörden bis zur hochintelligenten Berechnung, dass Einkommenssteuern neben Mehrwertsteuern oder Mineralölsteuern nur ein Teil des ganzen Kuchens sind. Progressive Spitzensteuern sind zudem nur das Sahnehäubchen darauf, aber nicht die Hauptmahlzeit wie viele deutsche - und französische Politiker ihren Wählern gerne erzählen um ihnen vorzugaukeln es gäbe einen jemand anders der die Zeche zahlt. Und damit auch ankommen. Leider komme ich dadurch immer wieder zum Schluss, dass in den beiden Ländern der Feudalismus noch immer als die wünschenswerte Staatsform angesehen wird. Das Ideal ist ein Junker, der sich den schönen Künsten widmet, während ein doofer Gutsverwalter mit simpler Krämerseele das Geld heranschafft oder den Bauern den Zehnten abknöpft. Das muss nicht pauschal negativ sein, Ludwig II hat Bayern in den Staatsbankrott getrieben, aber dafür das kulturelle Erbe der Menschheit um die Schlösser Neuschwanstein & Co. bereichtert. Und dieses Beispiel zeigt auch gleich noch eine Ausnahme von der Regel. Meinem Gefühl nach gibt es gerade in Bayern (und BaWü) überproportional viele Leute die wissen, dass man eine Kuh nicht nur melken kann, sondern auch mal gelegentlich füttern muss. Oder die Skandinavier - die minimale Arbeitslosigkeit zeigt, dass man sich bei Bedarf auch einen üppigen Wohlfahrts-Staat gönnen kann - inklusive Schutz der Privatsphäre. Vielleicht deshalb, weil beispielsweise der norwegische Landwirtschaftsminister selber Bauer ist und das Ding mit dem Melken und Füttern auch kapiert hat. Und ausserdem derartig gelebte Bürgernähe zu einer anderen Politik führt als geschliffene Rhetorik über partizipatorische Prozesse. Diesen Begriff habe ich übrigens nicht erfunden, den gibts wirklich. Leider.

Als Vorbild vom Uebergang vom Feudalismus zum Kapitalismus bzw. präziser Bourgeoisismus sehe ich England. Während der Adel in Frankreich und Deutschland in ersterem Beispiel mit Pauken und Gouillotinentrompeten und in zweiten Sang- und Klanglos unterging, haben die britischen Royals es verstanden, ihre Wirtschaftseliten bei Stange zu halten indem sie schon früh an der Macht beteiligt wurden, aber auch nach happigen Steuerzahlungen, inklusive Spenden für die Wohlfahrt, als Belohnung zu Sirs gemacht werden. Wäre doch mal eine Idee, einem Spitzensteuerzahler einfach mal zu danken, zum Beispiel mit einem Orden oder einer Einladung zu einem Grillfest wo dann auch festgestellt werden kann, wer nicht eingeladen wurde weil er in der entsprechenden Szene nicht teilnehmen will (Kavaliersdelikt) oder nicht kann (Pleitegeier??). So oder so, teilnehmen ist alles und das ohne pauschalen Dopingverdacht.

Noch ein interessanter Aspekt: Grossbritannien wettert auch gegen Steueroasen, nimmt aber die Kanalinseln schon vorab aus der Schusslinie. Vermutlich wohlwissend, dass die verlorenen Summen den Fiskus weniger teuer zu stehen kommen, als Gelder die sich auf eine weite Reise ohne Widerkehr machen und dann für Investitionen fehlen. Pikanterweise sieht das China mit HongKong ähnlich, aber die Farbe der Katze ist den roten Mandarinen egal solange sie Mäuse fängt. So gesehen dreht Mammon eine kleine Pirouette auswärts, ist aber zum Abendessen wieder zuhause. Oder unter dem Blickwinkel einer Kreditkartenfirma: Eine kulante Erstattung bei Betrug ist billiger als permanenten Aerger mit Kunden und Oeffentlichkeit und dadurch sinkenden Einnahmen bei den Nutzungskommissionen. Zumal die Schadenssummen im einstelligen Promillbereich liegen und einen geringen Teil der Verwaltungs- und sonstigen Kosten ausmachen. Der Datenschutz oder Privatsphäre sind bei solchen In-House-Off-Shore Lösungen auch gar nicht so wichtig, der Staat hat sogar ziemlich umfangreiche Möglichkeiten im Bedarfsfall an Daten ranzukommen bzw. die Aktivitäten durch Geheimdienste überwachen zu lassen. Aber das ist wie in einem Table-Dance Club: Hingucken ja, Hinlangen nein. Vermutlich haben dort die britischen Abgeordneten das Steuerkonzept für die Kanalinseln erarbeitet. So gesehen sollten sie für ihre Spesen nicht so hart gegeisselt werden.

Eine steuerfreundliche Politik nicht zwangsläufig mit Neo-Liberalismus einhergehen wie Skandinavien zeigt, aber es braucht Royals deren Existenzgrundlage die Zustimmung der Bevölkerung ist. Klar, die Schweiz ware lange Zeit wirtschaftlich erfolgreich. Aber nach dem Fiasko mit der OECD besteht dringender Handlungsbedarf. Der Beweis wäre erbracht: Ohne (konstitutionelle) Monarchie geht es nicht weiter. Diese messerscharf-logische Herleitung hat also den Bedarf für einen König bzw. Königin unwiderlegbar bewiesen.

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