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Schweiz, oder? Archives

15.03.07

Tunneleröffnung

Langsam aber sicher bahnt sich die neue Autobahn ihren Weg durch unsere Gegend. Das tut sie natür­lich nicht selber, denn Autobahnen sind ziemlich träge und liegen meistens nur faul in der Gegend rum. Aber sie werden gebaut und da gibt es einiges zu sehen. So letzten Sommer in Birmensdorf. Denn noch spannender als Strassenbau ist der Bau von Tunnels wenn ein Berg dem Propheten der Mobilität den Weg versperrt. Der Tunnelbau soll ja in der Schweiz nicht ganz unüblich sein. Als krönenden Abschluss der Bauerei gibt es dann ein Fest. Deshalb baut man ja schliess­lich Autobahnen und Tunnels. Wenn dann dort nachher auch ein paar Autos fahren können, umso besser - das nennt man den Spin-Off-Effekt.

Neben den üblichen Rummelplatz bzw. Rummel­tunnel- Attraktionen wie Karussell etc. gabs einige Stände der beteiligten Bau-/Herstellerfirmen. Der Bau von Tunnelröhren ist ja nur ein kleiner Teil des Ganzen. Dazu kommen dann Ausrüstungsgegenstände aller Art. Am schönsten sind diese LED-Schil­der, denen man ansonsten nie auf Augenhöhe be­gegnet, und die man kaum eines genauen Blicks würdigt. Wer nimmt sich heutzutage schon noch die Zeit, im Tunnel mal ein Päuschen einzulegen um die Technik der Anzeigetafeln genauer unter die Lupe zu nehmen. Was man sowieso nie zu sehen bekommt, ist die ganze Steuerungstechnik. So ein Tunnel ist nicht einfach ein schwarzes Loch, sondern eine unterirdische Play-Station.

Logischerweise dürfen auch die ausgestellten Feuerwehrfahrzeuge nicht fehlen. Ein Schman­kerl für die Spotter war etwas versteckt: Ein dun­kelrotes Fahrzeug von FBW - Franz Brozin­cevic Wetzikon. Sowohl der Hersteller als auch die Farb­gebung sind bereits seit einiger Zeit passé. Der Hersteller wurde von der Globali­sierung da­hin­gerafft und die Farbe Rot wurde durch ein grässliches Neongelb ersetzt, weil offen­bar ein paar Entscheidungs­träger in ihrer Kind­heit zuviel mit StabiloBoss-Stiften gespielt haben.

Am beeindruckendsten war ein überdimensioniertes Exem­plar des von Loriot erfundenen Saug-Blasers Heinzelmann. Ein Rie­senmonster - auf einem LKW montiert. Ich denke es dient dazu, bei Staus den Tunnel mal richtig durchzupusten um wieder freie Fahrt für freie Bürger zu schaffen. Natürlich könnte man das Gerät auch dazu brauchen, die von Godzilla gelegte Rieseneier auszublasen um damit einen riesigen Osterbaum zu schmücken.

Auch spannend: Ein vollintegrierter Container mit einer Familienpackung Rettungsausrüstungs­ge­genstände für Grosseinsätze. Wie bei einem voll­inte­grierten eierle­gen­den Wollmilchsau-Armee­mes­ser ist alles für den täglichen Katastrophen­bedarf in diesem Con­tainer enthalten.

Richtig entäuschend war die fahrbare Kommando­zentrale der Polizei. Als James Bond Fan ist man da natürlich ziemlich anspruchsvoll und voller Erwartungen. Nix da, keine blinkenden Lämp­chen, keine Beamer mit Karten und noch nicht mal ein Haifischbecken für in Ungnade gefallene Lakaien. Die grauen Wandteppiche waren das Sahnehäubchen der Banalität. Langweiliger als die Polizei erlaubt.

Aber ich bin dennoch ein Fan un­serer Ordnungshüter. Beim Rundgang sah ich ei­nen Polizisten mit dem ultimativen Ausrüstungs­gegenstand für den Hunger zwischendurch: Bratwurst und Bürli. Jawoll, ein richtiges Bürli, nicht so eine doofe Brotscheibe. Natürlich musste ich sofort nach dem Weg zum Glück fragen, und habe mich umgehend auf den Pilger­weg zum Grillstand gemacht. In Ein­klang mit mir und dem Universum bin ich anschliessend in verzückter Trance durch die Menschen­men­gen geschlendert, als plötzlich jemand vor mir ganz glänzende Äuglein bekam, und mich ganz auf­geregt gefragt hat, woher ich denn diese Brat­wurst hätte. Kurz erklärt und schon hat sich jemand auf den Weg gemacht. Das ist Mundpropaganda im doppelten Sinne.

Moral von der Geschichte: Eine Bratwurst mit Bürli die absolute Quintessenz eines Festes. Solange es bei jedem fertiggestellten Teilstück einer Autobahn ein Fest mit Bratwurst und Bürli gibt, nehme ich halt in Kauf, dass die Landschaft zubetoniert wird. Denn wo gehobelt wird, da fallen Brösmeli.

Die Windelfabrik

Letzten Herbst veranstaltete die Windelfabrik im Dorf einen Tag der offenen Tür. Um Missverständnissen vorzubeugen, muss gesagt werden, dass seit dem dramatischen Geburtenrückgang nicht mehr jedes Dorf eine Windelfabrik hat. Ja also gut, es gab schon immer nur wenige Hersteller - und einer ist eben vor unserer Haustür. Eigentlich wäre mir eine Bretzelbäckerei lieber, dann könnte ich selber von den günstigen Preisen beim Fabrikverkauf profitieren. Egal, einmal bei der Herstellung von Windeln zuzuschauen ist auf jeden Fall mal etwas anderes.

Die meisten haben vom Produkt und dem Einsatzszenario bei Babys schon mal gehört. Viele wissen sogar, dass jemand anders sie schon wieder wechseln sollte, aber wer macht sich schon Gedanken, wo sie herkommen. Also die Windeln, das mit den Babys ist ja schon einigermassen bekannt. Wer ahnt schon, dass das Windelbusiness ein hart umkämpfter Markt ist. Gut, Globalisierung und so, aber wie überlebt ein Hersteller? Ich war erst einmal baff erstaunt, dass einer der grössten Kunden des Werkes der Discounter Aldi ist. Wenn russische Millionäre oder Ölscheichs die Windeln aus der Schweiz einfliegen lassen würden, wäre das keine grosse Überraschung. In eine Art Rolex reinmachen wäre stilecht. Aber Aldi, bei denen Geiz nicht geil, sondern ein normaler Teil des drögen Alltagsgeschäfts ist? Des Rätsels Lösung ist die weitgehende Automatisierung und die daraus resultierenden enormen Produktionsmengen.

Die riesigen Hallen mit den endlos langen Fertigungsstrassen haben etwas gespenstisches. Noch myteriöser sind die seltsamen Markierungen am Boden. Der Autor von Däniken würde sicher die Theorie aufstellen, dass wie bei den Mustern von Nazca die Aliens ihre Finger im Spiel hatten. Weit gefehlt, es sind Metallbänder, an denen sich die selbstfahrenden Stapelgabler orientieren. Es ist ein komisches Gefühl, diese Geräte zu sehen; nur ab und an huscht mal ein Mensch durch die Szenerie. Eine Baustelle wirkt anders, auch wenn sie noch so gross ist. Da sind überall Arbeiter am werkeln, die Maschinen wirken nicht so, als ob sie die alleinige Kontrolle hätten. Ich vermute, dass Skynet zur Übernahme der Weltherrschaft erst einmal kleine Schritte macht, und mal mit einer Windelfabrik anfängt, da bei der Kontrolle des nuklearen Arsenals viel zu viele Leute ein Auge drauf haben.

Was wir leider nicht zu sehen bekamen, sind die Versuchslabors, wo Babys in kleinen Käfigen sitzen und den ganzen Tag mit Apfelsaft abgefüllt werden, auf dass sie eine Windel nach der anderen vollmachen. Sooo fies, ist natürlich quatsch. Die Realität ist viel humaner, aber auch entsetzlich langweilig. Da spielen tausend Faktoren eine Rolle. Von der Saugfähigkeit bis zum Schlusspreis muss alles unter einen Hut bzw. in eine Hose gebracht werden. Der Hersteller spricht von einem Hi-Tech-Produkt. Das hat mich anfänglich etwas irritiert, bis ich eines besseren belehrt wurde. Mit Hi-Tech bringt man zum Beispiel die Herstellung von Computerchips in Verbindung. Ich glaube, es wird noch ein Weilchen dauern, bis in einer Standortmarketing-Broschüre ein Bild auftaucht, bei dem ein Forscher im weissen Kittel statt eines Silicium-Wafers eine Windel seinen streng prüfenden Blicken unterzieht.

14.03.08

Therme Vals

Bisher dachte ich, dass Thermen eher etwas für Wellness-Wahnsinnige wären. Falsch, ein Besuch in der Therme Vals ist Augen-Ayurveda. Der Architekt Zumthor hat ein echtes Glanzstück gebaut. Die Steine haben eine sehr strenge Geometrie, deren Oberfläche ist jedoch abwechslungsreich. Dadurch wirkt das Ganze überhaupt nicht kalt und trostlos wie sonst so gerne von der Moderne praktiziert. Der Bau wirkt mehr wie eine Hommage an das Gebäude "Falling Waters" von Frank Lloyd Wright. Eigentlich kein Wunder, Wasser in Thermen ist ja nicht gerade unüblich. Das ausgefeilte Design zieht eine spezielle Kundschaft an. Wenn es schwarze Rollkragen-Badeanzüge gäbe, würde man die als erstes in Vals entdecken.

In der Anlage finden sich zahlreiche Attraktionen. Neben dem Standardprogramm von süttigheiss bis arschkalt gibts flüssige und feste Bonus-Tracks. Ein Raum mit einem Messingbrunnen entführt auf eine Zeitreise zum U-Boot Nautilus von Jules Verne. Oder man geht um fünf Ecken und es kommt - NICHTS. Aber mit schönen Wänden. Vielleicht habe sie genau dort erst richtig bewusst wahrgenommen. Zum Glück ist das kein Labyrinth, wäre ja nicht so erholsam einen Tag lang Wände abzugehen und nach dem Ausgang zu suchen. Eine Therme ist schliesslich kein Verwaltungsgebäude.

In einem Raum ist das Becken mit Blütenblättern gefüllt. Anfangs war ich nicht ganz sicher, ob im Gebäude eine Kläranlage mit begehbarem Klärbecken integriert wurde, so wegen Wärmerückgewinnung und so. Oder ob ein Bad im Ganges simuliert werden sollte, das dem heutigen Zustand des Flusses entspricht. Daher mal kurz schnuppern und dann eines von diesen schwebenden Teilchen unter die Lupe nehmen. Kein leichtes Unterfangen bei der dezenten Beleuchtung. Aber Schluss mit den Bosheiten, das Blumenbecken ist eine schöne Abwechslung. Eigentlich müsste sich daran ein Becken mit Eselsmilch anschliessen um sich dem Kleopatra-Groove hinzugeben.

Das Dampfbad ist ein begehbarer Inhalator mit intensivem Eukaliptusgeschmack. Nach kurzer Zeit wirkt das irritierend und ich weiss nicht, ob es so toll wäre, als Koala-Bär wiedergeboren zu werden und tag für tag einem Dauerregen von Eukaliptus-Molekülen ausgesetzt zu sein. Die Atmosphäre mit den dicken Dampfwolken hat etwas gespenstisches. Man kann sich plastisch vorstellen, wie die Römer sich in den Wolken der Thermen zu Verschwörungen getroffen haben. Sehr praktisch, denn man sieht kaum wer reinkommt oder hinausgeht. Kann auch gefährlich werden, wenn sich ein Spion einschleicht und man dann am Ausgang von den Prätorianern geschnappt und den Löwen zum Frasse vorgeworfen wird. Wenigstens muss man sich dann keine Sorgen mehr um die verschrumpelten Hände machen. Im warmen Wasser geht das Ruckzuck und selbst wenn man in den dampffreien Zonen seine eigene Hand vor Augen sehen kann, wird man schnell sicher, ob die eigene Hand schon immer so runzelig war.

Der Aussenbereich ist perfekt für meinen Lieblings-Schwimmstil. Auf dem Rücken liegen, langsam im Kreis herumpaddeln und in den Himmel starren. Die aufsteigenden Dampfwolken und der blaue Himmel ergeben ein herrliches Bild. Normalerweise sind Wolken eher weit entfernt. Im dampfenden Wasser bin ich mitten in einer Wolke drin, allerdings ohne dass alle paar Minuten ein Anschnallzeichen aufleuchtet oder eine Ansage ertönt. Dem gegenüber gibt es in einer Therme nichts zu essen. Dieses Konzept haben die Römer schon Jahrhunderte vor Easy Jet eingeführt. Wer von wolkigen Träumereien genug hat, stellt sich unter einen der Starkstrombrunnen. Es tröpfelt nicht einfach müde ein bisschen Wasser herunter, da prasselt halber Niagarafall auf den Kopf nieder. Es ist sehr intensiv, so wie wenn man Vladimir Kltschko in flüssiger Form begegnet.

Zum anschliessenden Entspannen kann man sich auch auf eine Liege betten. Sofern verfügbar, denn wie in billigen Hotels scheint es Leute zu geben, die morgens um sechs aufstehen um ihre Liege zu reservieren. Die persönlich mitgebrachten Badetücher sind der einzige Farbtupfer, die normalen Badetücher sind weiss und passen perfekt zu den dunklen Wänden. Man muss sich nur gut merken wo man es hinlegt, denn es gibt nirgends auf der Welt eine höhere Dichte von weissen Badetüchern, vielleicht mal abgesehen von einer Grosswäscherei. Die farbigen Tücher sind da praktischer. Dummerweise stören einige das durchgestylte Ensemble. Die Muster schwanken extrem in ihrer Qualität. Die Palette reicht von harmonischen, batikähnlichen Mustern bis zu grauenhaften Werbebannern auf Frottéstoff. Sowas sollte verboten werden bzw. von einem Tuchsteher kontrolliert werden: "Du kommst hier net rein, nischt mit den Klamotten...."

31.05.08

Wiedervereinigung

Angesichts der bevorstehenden EM würde ich die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Östereich mal etwas weiterspinnen. Ich denke da an eine Wiedervereinigung, obschon seit 1291 doch schon ein Weilchen vergangen ist. Der Hintergrund: Eigentlich wäre es ganz schön, die Monarchie in der Schweiz einzuführen. Doch das ginge wirklich schlecht einfach so, denn sowas hats hier noch nie gegeben und da könnte ja jeder kommen. Deshalb ein kleiner Schachzug. Zuerst Wiedervereinigung, dann Wiedereinführung und dann Wiederholung im Nachtprogramm - für diejenigen denen das zu schnell ging.

Als Royalist hat man es nicht leicht, aber mit dem Hang zum Kitschigen und einer Leidenschaft für grosse Inszenierungen kann unsereins ja kaum ohne pompöses Königstum auskommen. Es ist einfach traurig wenn bei öffentlichen Auftritten Bundesräte als Oberbeamte auftreten, und man sich dann die grosse Show mit Kutschen, Kostümen und glückselig fähnchenschwenkende Omas mit enormer Phantasie dazudenken muss. Zudem haben auch Grabenkämpfe innerhalb einer nicht namentlich zu nennenden schweizerischen Volkspartei niemals denselben Kribbelfaktor wie ein royaler Rosenkire, als sich Charles und Diana noch richtig Zunder gegeben haben und die arme Mutti so unglücklich aus der Wäsche geguckt hat. Die Queen hat zwar schon seit 1956 ein leicht säuerliches Gesicht, aber bei einem Staatsoberhaupt hat das automatisch etwas Erhabenes. Je grösser das Imperium desto mehr Contenance. Zum beispiel schwer vorstellbar, dass der Papst beim Urbi et Orbi mal eine Zote reisst.

In diesem Zusammenhang muss natürlich gesagt werden, dass nur eine konstitutionelle Monarchie in Frage kommt. Zum einen um Selbstherrlichkeit zu vermeiden, denn sonst würden die Herrschaften ja noch in einem Anfall von schrägem Humor Bullen erlassen, die keine Sau interessieren. Zum zweiten wäre es frustrierend zuzuschauen wie Ihro Hoheiten im harten politischen Tagesgeschäft zermanscht werden. Verglichen damit sind Fahrten in Pariser Tunnels so sicher wie das Fliegen. Es passiert selten was, aber wenn, dann gibt ein Riesengeschrei, genannt Medienecho. Und kaum einer gedenkt der tausenden von Abgeordneten und Ministern die alljährlich beim Überqueren des Wegs in die Zukunft von rücksichtslosen Reform-Rasern überfahren werden. Deshalb wird schlauerweise das Königshaus vorsorglich vom Minenfeld der Macht ferngehalten.

Die Scheiz und Östrreich zusammen wären hoffentlich noch klein genug um handlunsfähig zu bleiben. Ein unsteuerbarer Supertanker wie Deutschland ist deutlich weniger sexy als eine kleine agile Alinghi. Selbstverständlich müsste alles mit direkter Demokratie funktionieren, es sei denn, es würde sich abzeichnen, dass niemand eine Monarchie will. Dann gäbs keine Abstimmung und Schuld wären UNO und/oder die WTO. Kurze Randale am Genfersee und die Sache wäre paletti. Später könnten dann die Hinterbänkler alle paar Jahre eine Initiative zur Abschaffung der Monarchie präsentieren, die natürlich rein rhetorisch wären, weil ja alles so schön ist. In den Jahren, in denen werde EM noch WM stattfinden, müsste man sich fortan keine Sorgen mehr machen über den Content zur Befüllung des Sommerloches.

Bliebe die Frage, was denn Österreich davon hätte. Vor zwanzig Jahren wäre alles einfacher gewesen. Da war die österreichische Wirtschaft eine schlaffe Schilling-Schlampe und das Bedürfnis nach mehr Dynamik nicht zu überhören. Und Knete zieht immer. Bin nicht sicher, ob die DDR wirklich wegen Freiheit und Demokratie zum Kohlschen M&A ja gesagt hat, oder ob die Ossis einfach mal vollfette Autos fahren wollten. Mit Pioneer statt Pioneren. Zurück zum Thema: tempi passati, pech gehabt. Seit dem EU-Beitritt hat Österreich eine ziemlich dynamische Wirtschaft und in der wichtigsten Disziplin, dem Anlocken von entnervten deutschen Unternehmern inklusive Werk und Belegschaft punktet die andere Alpenrepublick immer besser. Reine Steuerhinterziehung ist im globalen Standortwettbewerb zuwenig. Wieso sich nur die Brosamen der Wertschöpfungskette zufriedengeben? Sind ja nicht Liechtenstein. "Alles aus einer Hand" oder Systemintegration heisst die Devise in der Wirtschaft. Genau da braucht Österreich keine Entwicklungshilfe mehr. Was meine Pläne schon arg in Bedrängnis bringt.

Aber he, he, einen Trumpf gibts noch: Das Stammhaus der Habsburger mit dem sinnigen Namen Habsburg steht in der Schweiz. Und hat Jubiläum, also wenn das kein Wink des Schicksals ist. Hier wird der Name als "Happsburg" ausgesprochen, aber an der Betonung mit einer weihevoll-ehrfürchtigen Erhabenheit kann man noch arbeiten, das ist das geringste Problem. Der Haken ist das Gebäude. Eine absolute 08/15 Burg wie sie entlang dem Rhein an jeder Flussecke steht. Das ist einfach viel zu mickrig. Deshalb bräuchte es etwas Nachhilfe. Zuerst mal alles abfackeln, den Sozis oder Arabern alles in die Schuhe schieben, und dann Wiederaufbau. Aber im authentisch-historischen Originalzustand - genauer gesagt in szenografisch korrekten Originalzustand. Im Film "Wag the Dog" wurde ein zur Kommunikationsstrategie passender Themen-Song von Wille Nelson als "uralte" Schellackplatte in der Kongressbibliothek hinterlegt und "zufällig" wiederentdeckt. Genauso mit den "Originalplänen" der Habsburg. Dumm ist nur, dass die entsprechende Koriphäe Konrad Kujau schon gestorben ist. Aber das würde mich nicht abschrecken. Wichtig wäre es einfach einen Entwurf zu realisieren, neben dem Neuschwanstein aussieht wie eine Filiale von Lidl. In beiden wird zwar viel gefilmt aber der Titel "schnugelig-süsseste Versuchung seit es Märchenschlösser gibt", würde bald an die wiederauferstandene Ruine im Aargau gehen. Nicht, dass ich mich jetzt da in den Vordergrund drängen wollte, aber ich könnte mir schon vorstellen beim Design zu helfen, wenn mich jemand fragen würde.

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