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Weltweites Dorf Archives

17.03.07

A passitsch to India

Vor einiger Zeit war ich in Indien. Die Impressionen habe ich in Mails festgehalten. Nun werden sie verbloggt.

Meine Reise nach Mumbai verlief bereits auf dem Flug dramatisch. Beim schauen eines Bollywood-Schinkens musste ich so sehr heulen, dass alle die Schwimmwesten anziehen mussten. Dann war mein Koffer nicht da, weil er in Zürich vergessen wurde. Aber das stresst mich ja gar nicht, denn die Schweizer sind ja bekannt für Anarchie. Der Koffer kam um 3.45am und ich musste in die Lobby um zu unterschreiben. Meine Bewunderung und Zuneigung für SchissAirlines hat einen nie geahnten Höhepunkt erreicht.

Nun bin ich langsam familiar mit den Sitten und schreibe meine Reportage aus einem echt indischen Cybercafe (20 PC auf 2,5 mal 5 m). Das fällt wirklich auf, hier wird nix verschwendet - auf jedem Quadratmillimeter wohnt jemand und der urälteste Kühlschrank wird in einer kleinen Klitsche am Strassenrand repariert und geht dann wieder in Betrieb.

Für mich ist die Architektur ein Paradies. Sehr viele Gebaude stammen aus den 30ern. "Streamline Deco" ist Art Deco mit Elementen der Moderne gemischt. Kernzeichen sind die runden Hausecken, die ja keine Ecken mehr sind, sondern Hausrunden, aber dieses Wort ist bereits durch die Gastronomie belegt. Es ist so wie in Miami Beach am Ocean Drive wo Miami Vice gedreht wurde. In Mumbai heisst die entsprechende Strasse "Necklace Road", da die Lichter nachts wie eine Halskette glitzern. Die Hauser sind eher etwas in die Jahre gekommen, aber wahre Schönheit kann altern, verliert aber nie den Stil und die Sophisticatedness.

Die Verkehrssitten sind eine Steigerung von italienisch. Man fährt dort wo gerade Platz ist, d.h. drei Fahrzeuge und ein Motorrad passen locker auf eine zweispurige Strasse, wobei zu beachten ist, dass bei gegebener Notwendigkeit drei Fahrzeuge in eine Richtung fahren und so ein dynamisch-adaptives System von temporären Einbahnstrassen bilden. Wichtig ist nur eins: immer mal wieder hupen. Da viele LKW keinen Spiegel haben bzw. die Fahrer wegen Űberbeladung ohnehin nichts sehen, steht hinten "Horn OK Please". Also beim Űberholen hupen. Natürlich darf man auch hupen um Shiva oder Ganjeesh zu ehren oder um zu sehen ob die Hupe nach sekundenlangem Nichtgebrauch überhaupt noch funktionstaulich ist.

Die meisten Taxis sind von Ambassador, einem Lizenzbau eines britischen Modells aus den 60ern. Viel Chrom und sehr elegante Schalter, aber wie man weiss, kamen Gadgets wie Sicherheitsgurte oder ein zweiter Scheibenwischer erst später. Der Gedanke, dass Handys am Steuer gefährlich sind, tönt nach seltsamen westlichen Sitten. Da alle recht langsam fahren, passiert kaum was - ausser Blechschäden. Ich denke, die wurden in Mumbai erfunden. Zumindest sind sie an Autos geradezu hip.

Da Mumbai gigantisch gross ist, ist es nicht leicht einen Ort zu finden, es gibt kaum Strassenschilder. Das Navigationssystem funktionert denkbar einfach: Anhalten, aus dem Fenster lehnen und jemanden in einem anderen Auto fragen. Meistens wissen die dann etwas mehr und so findet man jeden Ort. Für Geschäftstermine ist es praktisch, sich eine Beschreibung Simsen zu lassen, weil die letzten paar Meter die schwierigsten sind. Als Orientierungspunkte sind Kinos sehr beliebt, weil die jeder kennt. So weisen Bollywood und Blaupunkt eine gewisse Verwandschaft auf.

Mumbai

Der Verkehr in Mumbai ist das Extremste, das ich je gesehen habe. Es wird erzählt, dass alte Leute und westliche Warmduscher eine Rikshaw nehmen um die Strasse zu überqueren. Aber das ist unnötig, man braucht nur etwas Gespür für den Verkehr und sollte die Einheimischen beobachten. Der Trick: Früher oder später blockiert ein Bus den Verkehr, wenn er Leute rein- oder rauslässt. Da es kaum Haltebuchten gibt, hält er einfach mitten auf der Strasse. Dann können nur noch Rikshaws durch und die Autos bleiben stehen. Das ist dann der Moment um die erste Hälfte der Strasse zu überqueren. Wenn dann auf der anderen Seite zwei Autos langsamer werden, weil sie nicht sicher sind, wer zuerst am Ochsenkarren vorbeikommt, kann man einfach rüberrennen. Keine Sache, oder? Ich bin natürlich noch nicht so fit, um eine Kreuzung diagonal zu überqueren, aber ich werde daran arbeiten. Im Zweifelsfall gilt: Einfach draufloslaufen, die Autos halten schon. Einmal war ich unsicher ob ein Roller bremsen würde, und blieb stehen. Das hat der Fahrer überhaupt nicht erwartet und wäre fast umgefallen, weil ich mich nicht dorthin bewegt habe wo er es erwartet hätte. Drum merke: Wer stehen bleibt und nach links und rechts schaut, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnemer.

Mumbai hat eine sagenhaft schlechte Luftqualität. Ich habe gelesen, der Smog entspricht ca. 20 Zigaretten am Tag. Aber wer einatmet, hat selber Schuld. In meinem Zimmer roch es manchmal wie in einer Tiefgarage. Stimmt nicht ganz, stellt euch noch etwas Ozon von einem alten Kopierer vor, dann hat man den Groove. Ich lag manchmal nachts im Bett und wachte auf, weil ich glaubte, dass ein Auto in mein Zimmer gefahren sei. Völlig unbegründet, denn wenn ein Auto im Zimmer wäre, würde es ja hupen, weil das Bett im Weg steht. Ausserdem wäre die Zimmertür zu schmal. Wobei ich da besser keine unfundierten Behauptungen aufstelle sollte, denn in Indien gibt es eine andere Physik. Raum entsteht dort, wo er gebraucht wird. Ein Ambassodor passt durch Lücken die definitiv zu eng sind, wenn man ein Messband hinhalten würde. Das lässt aber den Actio-est-Reactio Faktor ausser acht. Denn wenn ein Ambassador kommt, wird die Lücke eben breiter. Wenn eine Auto-Rikshaw kommt kann sie schmal bleiben.

Ich habe mal überlegt, ein Computerprogramm anzuwenden, um zu sehen wie diverse Fahrzeuge am mit möglichst geringem Platzbedarf auf einer Strasse verteilt werden können. So wie bei Schneidereien die einzelnen Kleidungsteile so angeordnet werden, dass möglichst wenig Stoff verschwendet wird. Ich würde wetten, dass die Fahrer in Mumbai bei 95% des Optimums angelangt sind. Denn wenn man glaubt, dass neben dem Auto noch ein Meter frei bleibt, kommt aus dem Nirvana ein Fahrrad und quetscht sich rein.

Einmal war die Feuerwehr im Ein­satz. Die haben sehr schöne Fahrzeuge mit briti­schem Design. Die Beleuch­tung war echt indisch. Nur eines der Blinklichter hat funktioniert, das andere war nackt und hat einfach gedreht. Ich denke, der Antrag für die neue Lampe wurde gerade in einer der vielen Behörden bearbeitet. Gehört hat man nix, denn die anderen Fahrzeuge machen viel mehr Krach. Trotzdem besteht keine Gefahr, dass sie nicht durchkommen. Die Dinger sind so gross, dass es keiner riskiert, den Weg zu blockieren und zermanscht zu werden. Eigentlich logisch, denn ein Elefant hat in der Savanne nicht deshalb Vorfahrt, weil er ein Blinklicht hat, sondern weil er riesengross ist, und einfach drauflosläuft. Der Vergleich hinkt etwas, denn Feuerwehrautos haben keine Stosszähne und leben nicht in Reservaten sondern in Städten. Zu­dem sind sie nicht vom Aussterben bedroht, obwohl die Population in New York am 11. September 2001 massive Einbussen hinnehmen musste. Aber die Feuerwehrautos können leicht gezüchtet werden. In Spielwarengeschäften gibt es Babys die man selber grossziehen kann, und wenn sie erwachsen sind, kann man sie an Feuerwachen verkaufen oder in die Wildnis entlassen, wobei das gemein ist, denn sie sind an Menschen gewöhnt, und wenn sie einsam sind, fahren sie heulend durch die Städte und su­chen Kontakt.

18.03.07

Indische Küche

Ein spezieller Aspekt ist die indische Küche. Nach der dritten Woche hatte ich einen Anfall, weil alles so scharf ist, und immer gleich schmeckt. Wenn man non-spicy bestellte, war es noch schlimmer. Es schmeckte nach gar nichts bzw. nach etwas seltsa­men und undefinierbaren Dingsda. Dann habe ich mich dran gewöhnt und langsam die regionalen Unterschiede rausgespürt.

Dann habe ich mal ein paar Tüten Chips gekauft. Ha, was für ein Flop. Die normalen Chips waren furchtbar, denn wer mal eine Tüte von Zweifel verknabbert hat, macht keine Kompromisse mehr. Die indisch gewürzten Chips waren sehr lecker, aber so ultrascharf, dass ich die Jungs mit den roten Autos zu Hilfe rufen woll­te.

Die meisten Re­staurants haben chinesische Küche. So ernährte ich mich auch von Fried Noodles und Sezchuan Rice. Ich war also nur noch ein halbsanfter Tourist. Einmal habe ich Pizza probiert, aber der Einfluss der Amis war klar spür­bar, die Pizza hat vor Fett fürchterlich getrieft, und war damit völlig unbrauchbar. Spaghettis kommen mit in­disch­en Gewürzen. Das war zwar spannend, aber kein Ersatz für denominazione originale italiana. Ich weigerte mich standhaft, in einen McDonalds zu gehen, weil es politisch un­korrekt ist, und ein mieser Burger auch nicht besser wird, wenn man mit einer Auto-Rikshaw in den Drive-through fährt.

Eine hierzulande kaum bekannte Spezialität ist eine Cola namens Thums up. Sie schmeckt leicht anders als die atlantisch-georgianischen Brausen, gehört aber dennoch Coca Cola. Wem denn sonst, das scheinen die Naturgesetze der Globalisierung zu sein. Noch was zum Thema Naturgesetze bzw. Physik. Wenn ich eine Flasche aus dem Kühlschrank nahm, war alles flüssig, wie man es von einem Getränk erwarten würde. Wenn ich es aber öffnete, gefror alles von oben nach unten, bis eine Minute später alles wieder auftaute und ich die Thums-up schlürfen konnte bzw. die Würfel schluckte. Dann fror kurz der Hals ein und es war ein Riesengenuss. Sicher völlig ungesund, aber wer innere Schönheit haben will, muss halt leiden. Ich weiss gar nicht weshalb das so ist. Nicht das mit der Schönheit, die kommt von innen links, sondern das mit dem einfrieren aus heiterem Himmel.

Es gibt ein paar Sachen die so gut waren, dass ich sie wahnsinnig vermisse. Es gibt Nan, ein frisch geba­ckenes Weissbrot. Dann Pappad, ein Maisfladen mit Gewürzen. Beide ein Hit. Sie sind nicht scharf und gut gewürzt. Am besten dazu sind chilli-prawns (Crevetten in Chilli-Sauce) und dazu ein Fried Fish. Frisch vom Grill und mit Limonen ist das ein Traum. Auch sonst hat Indien für Fischfreunde sehr viel auf Lager. Ich hatte zum erstenmal einem Fisch namens Pomfret, der aber mit dem gleichnamigen Kartoffelgericht weder verwandt noch verschwägert ist.

Ich mochte Fisch schon immer, aber ich hätte nie gedacht, dass Indien so viele neue Genüsse auf Lager hat. Muss wohl daran liegen, dass ein grosser Teil von Indien am Meer liegt und die kulinarischen Schätze also vor die Haustür schwimmen. Die Schweiz hat Pech, sie liegt vor allem an der EU. Leider hat bisher keiner herausgefunden wie sich EU-Verordnungen lecker zubereiten lassen. Egal was man macht, sie schmecken immer so trocken. Wenn man sie in Öl einlegt, werden sie schwammig aber nicht besser. Da haben es die Inder schon besser.

19.03.07

Heilige Kühe und Katzen

Ich war in einem Hare-Krischna Tempel wo Bhagwan gehuldigt wird. Eine Viertelstunde lang "hare hare, hare hare, hare ,hare rama" usw. usf. Wer die zweite Strophe errät, kriegt einen Bhagwan Gedichtband. Der Hammer: Mitten im Tempel lag auf dem Boden eine Katze und hat geschlafen. Ich dachte zuerst, die sei tot, aber als ein Kind sie angefasst hat, hat sie urplötzlich gefaucht. Wie Hunde, sind die Katzen wild und streunen rum. Sie sind ziemlich ausgemergelt, haben aber schöne Gesichter. Wie ägyptische Katzen aus den Tempelmalereien.

Ich spiele mit dem Gedanken, eine Sekte zu gründen mit einem Katzenkult als Mittelpunkt. Wenn immer eine Katze unterwegs ist, müssen alle Autos anhalten/ausweichen. Wie bei den heiligen Kühen. Und auf die Autos kommen Kleber "Cats love you - as long as you provide Whiskas". Und Schorsch dabbleiu sagt dann andauernd "Cats bless America". Immerhin hatten die schon mal einen Präsidenten, der Garfield hiess. Zudem schicke ich Leute in die Welt hinaus, die an Türen klingeln und sich vorstellen "Wirr möchten mit innen überr Katzen sprechenn". Da sollte ich besser keine Witze machen. Wenn die Amis anfangen Fremdsprachen zu lernen, muss es ernst um die Menschheit bestellt sein. Das Ende der Welt könnte näher sein als uns lieb ist.

In Indien sind alle Weltreligionen vertreten. Die Hindus sind in der Mehrheit. Kein Wunder, sie haben mit Abstand die schönsten Tempel. Ich bin ein grosser Fan von Barock-Kirchen, ich stehe auf oppulenten Kitsch. Bisher dachte ich, die Barock-Benchmark sei unschlagbar, bis ich in Indien eines besseren belehrt wurde. Den ultimativen Tempel gabs in Chennai. Alles voller Figuren (es sollen mehr als tausend sein) und als Bonus waren alle mehr als bunt angemalt. Rote Gesichter und blaue Körper mit noch etwas Gelb und Grün – das Schärfste das ich je gesehen habe. Da kann nicht mal Disneyland mithalten, und das will was heissen.

Damit habe ich auch schon wieder einen Baustein für meine noch zu spezifizierende Religion. Tempel vom Feinsten. Ich würde sie finanzieren indem ich ganz wirtschaftsfreundlich den Geldwechslern im Tempelbezirk Franchise-Verträge anbiete. Das Vorhaben ist aber insgesamt schwieriger als erwartet, da braucht es ja noch eine ganze Menge mehr und ich bin erst am Anfang. Der Trick ist theoretisch einfach, Jesus und Mohammed habens vorgemacht. Ich quatsche den ganzen Tag und jemand schreibt dann alles auf. Der Nachteil: Ich sollte natürlich schon ab und zu was Kluges sagen, sonst glauben nachher die Archäologen, ich sei ein Politiker gewesen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich dann nie sicher bin, ob die Jünger alles richtig aufschreiben. Durch das Outsourcing /Offshoring weiss ich, dass es ein Service Level Agreement braucht, das die Rechte und Pflichten von Guru und Jünger festlegt. Ich stelle mir vor, wie Jesus beim Abendmal mit seinen Jungs den Vertrag ausgehandelt hat. Ich beneide sie, denn die Leute hattens damals einfacher - es gab kein Non Disclosure Agreement zu verhandeln. Eher das Gegenteil: Spread the word. Wie ihr seht, ist so eine Religion eine ganz schön komplexe Sache. Ich arbeite noch dran.

Hyderabad

Hyderabad war die schönste Stadt, die ich gesehen habe. Mit insgesamt ca. sechs Millionen Einwohnern ist sie kuschelig klein - wenn man sie mit Mumbai vergleicht. Die Lage an einem grossen See erinnert etwas an Zürich. Aber nicht nur das, Hyderabad ist extrem sauber, auch nach schweizer Massstäben. Die Stadt zahlt als ABM ein Heer von Frauen, die Nachts die Strassen wischen. Während tagsüber alles voller Autos ist, ist Nachts kein Durchkommen weil überall jemand mit dem Besen werkelt. Ich konnte dieses seltsame Schauspiel sehen, weil ich einen Nachtflug mit Air-India hatte. Und noch etwas komisches: Im Flughafen wurde beim Ausgang das Gepäck nochmals durchleuchtet und man ging auch nochmals durch die Piep-show. Vielleicht haben die Angst, dass jemand nach Hyderabad eindringt, die Stadt entführt und damit in Mumbai reinfliegt.

Auf der Strasse hiengen Schilder, die den Big-Boss von Lucky Goldstar willkommen hiessen, da die ein Werk für Fernsehgeräte planten. Wenn man mal genau überlegt, ist das viel sinnvoller als irgendwelche Staatschefs zu empfangen. Das sind doch nur Schnorrer, die sich vollfressen und nichts wirkliches bringen. Wenn dann der Präsident der USA nächstesmal kommt, kriegt er einen Gutschein für ein Tandoori Value Pack (incl. 1 Pepsi)und einen Fahrer, der etwas Sightseeing macht, während die lokalen Politiker neue Jobs reinholen. Bei der Rückkehr findet er dann die Air Force One leicht verändert vor. Im Unterdeck sind zehn Familien eingezogen, der Command-Post wurde zum Cybercafe, aus den Flügeln wurden Kotflügel für Ambassadors geschmiedet und aus den Reifen liessen sich perfekte Flip-Flops herstellen.

Das wichtigste hätte ich fast vergessen: Ich war bei einem Teppichhändler, der seinem Namen alle Ehre gemacht hat. So hat er mir gesagt, dass er den Teppich nur an Leute mit Stil verkaufen würde - wie zum Beispiel an mich :-). Worauf ich natürlich gleich drei Teppiche gekauft habe. Es war der absolute Genuss, er hat wirklich jedes Register gezogen. Schade, dass ich nicht die Zeit hatte, alle Gags aufzuschreiben, er war soo schnell und kannte einfach alle meine möglichen Argumente auswendig, manchmal kam die Antwort sogar bevor ich was gesagt hatte. Ein Genuss, wenn man bedenkt, dass viele Shops Festpreise haben und die schönen langen Diskussionen fast nur noch mit Taxifahrern möglich sind. Vielleicht werden die Inder in 20 Jahren solche Teppichhändler aus dem Tourismus-Werbebudget bezahlen, weil die Westler dieses Image im Kopf haben und deswegen nach Indien kommen. So wie in den Bergen Alp-Öhis angestellt sind um die Japaner zu begrüssen.

Bollywood

Ich hoffe, alle haben schon mal einen Bollywood-Film gesehen. Ohne Untertitel ist man aber ziemlich verloren. Filme in Hindi bzw. Telugu zu sehen ist zwar lustig, aber ich hatte schon ziemlich Mühe der Handlung zu folgen. Das prinzipielle Strickmuster ist einfach, aber wie bei Rosamunde Pilcher sind die Familienverhältnisse meistens ziemlich kompliziert. Wer da wen liebt, hasst und hintergeht, ist schwer zu durchschauen. Und dann der absolute Horror: Man zahlt Eintritt, hat aber keine Garantie für ein Happy-End. Ich bin aus allen Wolken gefallen, als Sharukh Khan fünf Minuten vor Schluss einfach abgenibbelt ist. Also bitte, sowas gehört doch verboten.

In jedem Film gibt es mindestens fünf Musikszenen. Sicher kennt ihr die Filme aus den 50er Jahren wo Peter Alexander oder Elvis aus hei­terem Himmel angefangen haben draufloszusingen und alle tanzten mit, bis am Ende eine ganze Stadt Freudentänze aufgeführt hat. Bei diesen wahnsinnigen Tanzchoreographien und den Dekors schmelze ich regelmässig dahin. Die Tanz-Szenen sind meistens verbunden mit einem Orts- und Kostümwechsel. Auch während der Szene. Da zählt weniger die Logik, als vielmehr der extreme Luxus. Ich stelle mir vor, wieviele Wochen Vorbereitungszeit es braucht, wenn die Heldin zehn Outfits für eine Szene braucht und nichts anzuziehen hat. Dann heisst es wochenlang auf Shopping-Tour zu gehen. Ich möchte ja nicht mit einer Film-Diva verheiratet sein und ihre Einkaufstüten schleppen. Obwohl ich dann sicher Muskeln wie Arnold Schwarzenegger hätte.

Einige der Tanzszenen werden in der Schweiz gedreht, und später beispielsweise in ein Drama einer Mogulfamilie hineingeschnitten. Romantische Berg­bäche und Almwiesen sind ein idealer Hintergrund für einen Lovesong. Ich finde das nicht gut, denn die Schweiz wird nicht ganzheitlich gezeigt. Deshalb sollten auch Szenen aus Zürich-Brunau oder vom Ciba-Werk in Basel gezeigt werden. Die nächste Top-Destination für Filme sind die Niederlanden. Welch Wunder; wenn eine Schönheit im Saree in ei­nem Blumenfeld tanzt, schmelzen die Herzen. Um den Tourismus in der Schweiz zu halten, sollte mal jemand nach Holland fahren und die Deiche an­sägen oder anknabbern.

Durch die Filmmusik sind die indischen Charts ein echtes Highlight. Es gibt nur wenig westliche Musik, bzw sie spielt kaum eine Rolle. Die Globalisierung ist ein Horror, wenn man sich vorstellt, dass die Welt mit schröcklichen Vi­deos von Anastacia, Eminem & Co. zugemüllt wird. Der Knüller in Indien sind die Videos aus den Bolly­wood-Filmen.

In Mumbai gab es leider keine Touren durch die Bollywood- Studios. Eigentlich schade, denn das wäre doch eine Goldgrube, wenn man mal an die Universal-Studios in LA denkt. Dafür gab es in Hyderabad gibt eine grosse Filmstadt mir Touren. In Indien gibt es wie in Europa viele Sprachen, und in den grossen Bundesstaaten existieren jeweils eigenständige Filmindustrien. Es wird nur wenig synchronisiert. Ein Kassenschlager wird eher mit lokalen Schauspielern nachgedreht, so wie die Amis von fast jeden erfolgreichen europäschen Film ein Remake machen. Ich glaube, das liegt an den sprachlich voneinander isolierten Kulturen und am Starkult. Ein Film ohne Stars hat keine Chance und die Stars müssen zur Promotion in möglichst vielen Kinos auftreten, um dann einen Massen­auflauf zu verursachen, bei dem es manchmal Tote gibt, weil alle nach vorne drängeln. Zudem müssen sie ton­nenweise Interviews in der lokalen Sprache geben. In Deutschland gibts ja auch viele Filme bzw. Schauspieler, von denen ausserhalb des deutschs­prachigen Raums noch nie jemand was gehört hat.

In den grossen Städten schiessen überall Multiplex-Kinos aus dem Boden. Aber anders als in Europa bieten sie nicht nur Verköstigung ab der Stange, sondern zeigen indische Indie-Filme. Sie haben auch kleinere Säle, während die alten Kinos meistens ziemlich gross sind. Was natürlich schön ist, aber für Nischenfilme ist da kein, genauer gesagt zuviel Platz.

21.03.07

The indish patient

In Chennai, formerly known as Madras, wurde ich mal so richtig von bösen kleinen Tierli niedergestreckt. Und das richtig deftig. Bis anhin lief gesundheitsmässig alles paletti und dann habe ich in einem Laden mal selbstgemachte Süssigkeiten ausprobiert. Gelee in den indischen Nationalfarben. Das musste ich einfach haben. Doch wie hiess der Spruch: "Koch es, schäl es oder vergiss es". Das hatte ich vergessen und als Rache für meinen Übermut haben mir die Götter dann die volle Dosis geschickt. Eine dreitägige Diarröhrender Hirsch mit Magen-Krämpfen. Ich bin gependelt zwischen Leben und Tod, genauer gesagt zwischen Klo und Discovery-Channel. Es gab circa zwanzig englischsprachige Sender, wobei auch dort viel Sendezeit mit dem Irak-Quatsch totgeschlagen wird. Aber es gab neben meinem geliebten Discovery Channel auch einen englischsprachigen indischen Sender, der viel über lokale Themen brachte. Eigentlich hätte ich mir viel mehr Zeit gewünscht um die lokale TV-Landschaft auszuloten. Zudem konnte ich endlich mal die Times of India komplett lesen, inklusive Kontaktanzeigen. Die Leute sind da ziemlich direkt und melden Vermögensverhältnisse ohne Hemmungen und manchmal auch die Kastenzugehörigkeit. Dummerweise war gerade keine Maharani im Angebot und so bin ich schnell wieder in den alten Trott zurückgefallen und habe nur noch den Inland- und den Wirtschaftsteil gelesen.

In Chennai hatte es vier Jahre kaum geregnet und die Wasserknappheit war echt ein Problem. In der Zeitung standen jeden Tag die Viertel, die zu gewissen Zeiten vom Netz genommen werden. Einige Viertel - genau gesagt die Armenviertel - wurden mit Tanklastern versorgt. Bis der Regengott Petrus kam. Das mit der eigenen Sekte reift langsam heran. Zurück zum Thema: An einem Abend begann es aus allen Wolken zu giessen, dass es nicht mehr schön war. Wie ein Gallier habe ich nur vor einem Angst; nämlich dass mir der Himmel auf den Kopf fällt, und dieser Zeitpunkt schien nun gekommen. Wie in den altbekannten Nachrichtenbildern waren die Strassen innert Minuten völlig überflutet. Da alles wie ein See aussah, hatte ich manchmal ein ganz seltsames Gefühl, denn wenn im Boden irgendwo ein grosses Loch wäre, würde die Rikshaw einfach drin versinken wie die Titanic. Ein mulmiges Gefühl, denn im Gegensatz zur Titanic haben Rikshaws keine Rettungsboote und keine Schotten. Ok, bei der Titanic kamen noch externe Faktoren wie ein hinterlistiger Eisberg dazu, sodass per Saldo die Rikshaws fairerweise vergleichbar sicher sind.

Rikshaws und Taxis

Wenn man zum ersten mal gefragt wird ob es ein "auto" oder ein "car" sein soll, kommt man ins grübeln. Car ist ein Auto bzw. ein Taxi. Ein "auto" ist die Abkürzung für Auto-Rikshaw. Meistens nannte man sie einfach Rikshaw. In Thailand tragen die den schönen Namen "tuk tuk", weil sie einen Zweitakt-Motor haben. Ich mochte die Rikshaws, weil man einen schönen Panoramablick hatte und immer an der frischen Luft bzw. am frischen Smog war. Sie haben keine Federung, daher war etwas Mitdenken angesagt. Wenn ein Schlagloch kam, musste man kurz die Beine anspannen um sein Kreuz zu schonen. Da es nicht an Schlaglöchern mangelte, hatte ich bald eine Beinmuskulatur wie ein Weitspringer. Die Rikshaws können für alle möglichen Transportzwecke eingesetzt werden, von Textilballen bis zu zwei Meter langen Metallprofilen. Mich wunderte nur, dass noch keiner versucht hat, damit einen Satelliten ins All zu bringen. Einmal habe ich eine Rikshaw mit sieben! Kindern drin gesehen. Das spart Geld.

Meine Erkenntnisse bezüglich Preisgestaltung waren im Laufe der Zeit weit gereift, aber ich war noch weit entfernt von der Erleuchtung. Ich wusste zwar, dass das Nirwana der Zustand ist, bei dem ein Fahrer fest gebucht oder angestellt ist, und sich das ganze Thema erledigt hat. Aber bis dorthin ist es ein weiter Weg. Und wenn der Weg das Ziel ist, ist es nicht gerade einfach, einen Festpreis auszuhandeln. Dann bräuchte man doch ein Ziel, muss sich dann aber das Nirvana abschminken.

Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war jeweils ganz einfach, man kaufte sich einen Gutschein. Dann wurde es schwierig. Man konnte “by the meter” fahren. Die Taxometer sind geeicht und die Tarife klar. Und günstig. Aber es ging regelmässig eine Stunde drauf, weil sich der Fahrer weigerte, diese Methode anzuwenden, wenn es eine kurze Strecke war. Bei längeren Strecken lohnen sich Pauschalarrangements. Eine Chance, das Richtige zu treffen, hat man nur dann, wenn andere Taxis in der Gegend sind.

Die Rückfahrt sollte man nie aus den Augen verlieren, denn einmal brachte mich eine Rikshaw by the meter zu einer Firma in der Pampa. Als ich zurück wollte, gab es weit und breit keine Rikshaw. Ich hatte auch keine Telefonnumern um mir eine zu rufen. Es ging gar nicht so lange, und es kam eine angetuckert. Aber welche Überraschung – der Fahrer weigerte sich das Meter einzuschalten und nannte nur einen Horrorpreis. Ich laberte was vom Preis der Hinfahrt, aber da schienen seine Englischkenntnisse zu schwinden und ich wusste, ich war verloren. Dann eine Erleuchtung. Ich bat ihn zu einem nahen Platz zu fahren um dort umzusteigen, was immer noch teuer genug war. Auf dem Weg kam er mir aber preislich entgegen und wir waren im Geschäft.

Es war auch nicht aussergewöhnlich, dass der Fahrer gleich nach der Abfahrt eine Tankstelle angesteuert hat und um einen Vorschuss auf das Fahrgeld gebeten hat. Der Grund ist mangelnde Liquidität. Bei einem Rikshaw-Rating von Moody's würden die Fahrer ziemlich alt aussehen. Aber das Problem hat einen Grund. Benzin ist in Indien extrem teuer, ein Liter kostete ca. 1,1 Franken umgerechnet auf schweizer Kaufkraft wären das. ca. 55 Franken pro Liter. Klar, dass da nicht einfach am Morgen der Tank aufgefüllt wird, das Geld muss zuerst verdient werden.

In Bangalore hatte ich einen Rikshaw Fahrer, der nur 100 Rupees für drei Stunden nahm, die anderen wollten 200, ein Ambassador kostete 350, ein Auto mit A/C (und Sicherheitsgurten) kostete ca. 400 – 500 Rupees. Das sind zwischen 2,5 bis 12 Franken. Viele Leute in IT-Firmen haben einen festen Deal mit einem Fahrer und kommen so billiger zur Arbeit als mit einem eigenen Motorrad. Die Globalisierung hat auch zu seltsamen Erscheinungen geführt: Beispielsweise gab es Leute, die selber ein Auto fahren. Aber ich frage mich beim besten Willen, was daran lustig sein soll.

Car Crash

In Bangalore ist es doch passiert, ich habe einen Unfall gesehen. Eigenlich der erste im Leben, den ich Life gesehen habe. Zum Glück nix schlimmes, nur Blechschaden. Der Einfachheit halber beschreibe ich den Vorgang multikulturell, d.h. indisch und für old europeans in continental style, d.h. mit Rechtsverkehr. Also: Ich sass gemültlich im Auto, schaute mir die Kreuzung an und meditierte vor mich hin. Das ist natürlich eher indisch, denn in der Schweiz hätte ich gestresst im Auto gesessen und mir über irgendwas Sorgen gemacht. Wie dem auch sei, als es Grün wurde, hat gegenüber ein Auto auf der linken (EU=rechten) Seite einen LKW überholt und wollte dann vor ihm Rechts (EU=Links) abbiegen. Der LKW war aber schon ziemlich schnell und hat das Auto hinten erwischt. Es hat sich zweimal gedreht und stand dann wie bestellt und nicht abgeholt mitten auf der Kreuzung. Alles kein Drama, der Polizist ist gleich losgerannt, der LKW-Fahrer hat wild mit den Händen gefuchtelt und mein Fahrer hat beim Vorbeifahren den Zeugenbericht "on the fly" abgegeben.

Das Manöver war auch für indische Verhältnisse etwas gewagt. Gemäss den offiziellen Regeln müsste der Autofahrer sich zürst vor den LKW quengeln, ihn dann ausbremsen worauf der hupt und wenn er sich an der Seite vorbeischiebt, kann man abbiegen, nachdem noch eine Rikshaw auf der anderen Seite vorbeigerauscht ist. Der Gegenverkehr hat nur dann Vorfahrt, wenn man noch nicht abgebogen ist. Falls das nicht geht, weil die gewünschte Fahrbahn schon vollgestopft ist, bleibt man auf der Kreuzung stehen und hupt, um zu signalisieren, dass man auf der Kreuzung nicht übernachten will. Dann hupen die anderen auch und für jeden gibt es eine Lücke um sich durchzuquetschen. Alles ganz simpel, aber die jungen Leute wissen ja alles besser und hören beim Verkehrsunterricht einfach nicht zu. Hier sind die jugendlichen Raser überhaupt kein Thema, denn alles ist so verstopft, dass es nur im Schneckentempo vorangeht, was die Sicherheit erhöht. Mit der Zeit fühlte ich mich sauwohl und genoss das Theater des Lebens in Form des täglichen Verkehrs. Der Verkehr ist wild, aber ich hatte selten das Gefühl, dass sich jemand gross aufregt. Nicht wie in der Schweiz, wo Leute halbe Psychosen kriegen, wenn mal ein Auto mitten auf der Kreuzung stehenbleibt.

Indische Landstrassen

Trotz meines Erlebnisses, sind Unfälle in den Städten - gemessen am Chaos - eher selten. Auf Landstrassen sieht das etwas anders aus. Die schmalste Strasse taugt als Rennpiste und wenn bei 120 km/h plötzlich zwei Laster auftauchen, die sich überholen, wird es richtig eng. Auch in der Brust, dann setzt das Herz eben mal aus. Aber solange es nicht die Hupe ist, ist das kein Drama. Einmal habe ich das in einer Rikshaw erlebt. Aber das gilt eigentlich nicht, denn die Dinger sind klein und können gut ins Gras ausweichen. Bei einer Fahrt mit einem Auto habe ich dann mehr geschwitzt als alle Finnen in der Sauna. Der Fahrer war etwas verunsichtert, als ich ihn gebeten habe, etwas langsamer zu fahren, und hat "Yes" und "sure" gesagt, bis ich aufgegeben habe. Aber verutlich bin ich ein Spiesser, denn wieso soll man nicht in Kurven überholen? Statistisch gesehen kommt ja doch nur in circa 1% aller Fälle ein anderes Auto entgegen. Und selbst wenn - voll auf die Klötze und wildes Hupen löst auch dieses Problem. Das mit dem Hupen beim Überhohlen ist mir erst auf den Landstrassen richtig klar geworden: Die LKW's sind bis zur maximalen Höhe beladen und wenn ein Baum mit tiefen Ästen kommt, weichen sie in die Mitte oder auf die Gegenfahrbahn aus. Wenn man also überhohlte, musste man dauerhupen, damit der LKW nicht aus Versehen beim Auto einen Bandencheck machte.

Es gab auch lustige Aspekte: Die grossen Landstrassen werden langsam vier- bis sechs-spurig ausgebaut, aber das war fast zuviel Platz und so fuhren Fahrräder und Ochsenkarren auf beiden Fahrbahnen in beide Richtungen. Also wenn ihr auf der Autobahn mal ein Fahrrad auf dem Pannenstreifen entgegenkommen seht, dann ist das sicher ein Inder. Der absolute Knüller waren Bahnschranken: Wenn geschlossen, schlossen alle auf und füllten alle Fahrbahnen. Dito auf der Gegenseite. Und was passierte wenn sich die Schranken öffneten? Richtig. Unter lautem Gehupe quetschten sich die Fahrzeuge aneinander vorbei. Alles sehr effizient, denn die Strassenbreite reichte ja für drei Autos und ein Motorrad, oder zwei Laster und einen Ochsenkarren. Die Allokation von knappen Ressourcen geschah in diesem Fall nicht über das Geld, wie im Kapitalismus üblich, sondern über die Hupe. Ich frage mich, ob dieses System auch für andere Kommunikationszwecke angewendet werden könnte. Jeder Bürger kriegt eine Hupe und hupt sich damit durchs Leben. Bis es sich ausgehupt hat und man nicht den Löffel, sondern eben die Hupe abgegeben hat.

22.03.07

Sprachkompetenz

Indien ist für Reisende ziemlich narrensicher. Und das nicht nur wenn man in Indien vernarrt ist. Man kann sich leicht verständigen, denn sehr viele Leute sprechen Englisch. Den berühmten indischen Akzent hört man oft, aber überraschend oft hört man gar nichts. Also man hört die Leute schon, aber eben ohne Akzent. Das Englisch haben die Briten mitgebracht und dafür die Tea-Time mit nach Hause genommen. Dann haben die Briten sich selber nach Hause gebracht, aber das Englisch ist geblieben. Alle Gesetzestexte sind englisch und basieren immer noch auf dem Common Law. Natürlich ist das ein englisch, das weder die Inder noch die Briten verstehen. Den Geheimcode können nur Anwälte entschlüsseln und die sind in Indien wie überall auf der Welt in prachtvollen Gebäuden domiziliert.

Viele kennen die indischen Call Center. Im Gegensatz zu uns ist ein Job dort sehr gut bezahlt und gilt als Karrieresprungbrett. Man hat sein Englisch tagein tagaus praktiziert. Zudem gewinnt man Lebenserfahrung. Wenn solche Leute dann in einer Pressestelle arbeiten, kann sie ein drängelnder Journalist kaum aus der Ruhe bringen. Was ist schon ein Wallraff verglichen mit einer Oma die auf der Stromabrechnung einen Fehler entdeckt hat.

Zuguter letzt das witzigste aller Erlebnisse betreffend sprachlichen Missverständnissen: Auf dem Rückweg von einer alten Burg wollte mir der Fahrer einen Laden mit "Bolts" aufschwatzen. Ich dachte an irgendwelche illegale Antiquitäten von den Palasttüren oder weiss was, habe aber gefragt was "bolts" sind. Er meinte "for the ladies" und ich habe mir wilde Sachen von Kamasutra und Intimschmuck vorgestellt, bis er vor einem Laden hielt der "Pearls" im Angebot hatte. Eigentlich sind die beiden Worte phonetisch recht naheliegend, aber ohne den kleinen mentalen Sprung liegt man Welten daneben. Nun gehe ich in die USA und erzähle denen von "Nuts'n'Pearls" und freue mich schon auf die erstaunten Gesichter.

23.03.07

Indische Kultur

Meine Erkundigungen der lokalen Kultur hatten mich zu einem Geheimtipp geführt. Die Friseure schneiden nicht nur die Haare, sondern sind sowas wie Ayurveda-Masseure. Nach dem Schneiden der Haare wird ein seltsames Oel eingerieben und dann einmassiert bis die Schwarten krachen. Ich dachte, mir fliegt das Blech bzw. das Skalp weg. Nachdem die Gehirnerschütterung abgeklungen war, habe ich mich sauwohl gefühlt.

Wenn die Leute zuhörten, rollten sie den Kopf. Das Phänomen wird "noddie" genannt. Man weiss nicht, ob das Ja oder Nein nach unserem Verständnis sein soll. Weder noch, es ist nur das Zeichen, dass man zuhört. Die Bewegung soll die Durchblutung fördern. Für die Inder ist es irritierend, wenn man zuhört, sich aber nicht bewegt, denn das ist das Zeichen, das man ein inneres Nickerchen hält. Ich kann nicht den Kopf rollen, habe aber gemerkt, dass intensive Bewegung des Oberkörpers die Situation verbessert. Also wundert euch nicht, wenn ich neuerdings in Gesprächen wild rumzucke. Es ist nur Peter, kein Parkinson.

Noch eine Erkenntnis. Ich habe endlich gecheckt woher das mit dem Black Tea kommt. Eigentlich ist das Assam oder eine sonstige Teesorte, aber ohne etwas drin. Daher schwarz. Das Gegenteil ist ready made tea, das heisst mit Milch und Zucker. Genauer gesagt wird der Zuckerbehälter mit Tee und Milch aufgefüllt. Tee ist meistens unglaublich süss und wird brühend heiss serviert. Das erste Mal war es daher ein doppelter Schock, mit der Zeit bin ich voll darauf abgefahren.

Getränke wurden immer mit Untersetzern gereicht – wegen der nassen Ränder, die nachher nicht mehr wegzukriegen sind, blabla...ja ich weiss. Dabei hätten die Firmen nichts zu fürchten, die meisten Konferenztische sind Glastische. Als ich klein war, hatte ich einen Riesenspass Glastischen Fingerabdrücke zu hinterlassen, worauf eine Tante gleich mit Ajaxglasklarwieunsichtbar angerannt kam. Nun bin ich (fast) erwachsen und ich gab mir höllisch Mühe nicht die Tatzen auf einen Glastisch zu legen, was zu einer ziemlich seltsamen Körpersprache führte. Es schienen sich aber nicht alle an die Spielregeln zu halten, und so waren die Tische voll mit Abdrücken. Es waren gar nicht so viele, aber sie fielen einfach sofort auf. Deshalb standen überall Tesa-Tücher rum. Einmal war ich kurz alleine in einem Meeting-room und habe in einem Anfall den Tisch geputzt. Die Glasscheibe tat mir einfach leid. Es schien sogar eine Kaste für Glastische zu geben: Die Unberührbaren.

24.03.07

Rätsel-Räume

Durch die Reiserei bin ich zum Experten für Hotelzimmer geworden. Ich würde mich mittlerweile sogar als Licht-Guru bezeichnen. Damit meine ich nicht die Erleuchtung, sondern die Leuchtkörper im profanen Sinne. In jedem Zimmer gab es unzählige Lampen und sie wurden alle auf mehr oder weniger exotische Arten ein- und ausgeschaltet. Die einfachsten wurden über ein zentrales Schaltbrett gesteuert. Fast wie beim Raumschiff Enterprise. Man sagt “engage” und es werde Licht. Oder der Ventilator geht an weil man genuschelt hat. Aber das ist reine Übungssache. Natürlich ist das Leben nicht ganz so einfach, denn nur die Hälfte der Lampen war über das Schaltbrett steuerbar. Für die andere Hälfte stand man nochmals auf und suchte den Schalter neben der Tür, wobei man so schlau sein musste, um noch eine andere Lampe anzulassen, damit es nicht plötzlich stockdunkel wurde. Solch abstrakte Überlegungen musste man machen, nachdem man sich gerade eingekuschelt hatte, und gemütlich vom Bett aus alle Lampen ausmachen wollte. Das ist Lampen-Survival im Grosstadtdschungel.

Für Fortgeschrittene gab es heimtückische kleine Schalter am Rand eines Tisches und versteckt unter dem Tischbrett. Ich habe sogar den schwarzen Gürtel der Beleuchter erreicht, als ich nach stundenlanger Suche gecheckt habe, dass eine Lampe unten einen kleinen Knubbel hat, der nicht nur Dekoration ist, sondern gedreht werden kann, und so das Licht ausknipst. Genauso wie Männer nie nach dem Weg fragen wurden, hätte ich nie in der Lobby angerufen, um nach dem Trick einer Lampe zu fragen. Bin ja schliesslich nicht doof, jawoll.

Ein Hotel hatte ein spezielles Feature. Neben dem Lichtschalten kamen zwei Kabel aus der Wand für eine Lampe. Ohne Isolierung oder solchen Schnickschnack, aber sie waren ordentlich markiert in schwarz und rot. Also beim Lichtmachen ganz vorsichtig der Wand entlang tasten und den zweiten Schalter nehmen. Der erste hat den Deckenventilator angemacht. Dann wäre es zwar schön windig aber Licht hat den Vorteil, dass man sieht wo man hinfasst. Wobei Elektriker gerne den Witz bringen, dass man ja jedes Kabel anfassen kann - solange es keinen Strom führt. Aber bin einfach zu alt um so etwas experimentell rauszufinden. Ausserdem würde ich in Indien mit Afrolocken ziemlich auffallen.

Im Badezimmer eines Hotels hatte ich ein besonders gelungenes Exemplar einer Dusche mit einer sehr exotischen Mischbatterie. Mit zwei Drehknöpfen regulierte man Kalt- und Warmwasser. Was aussieht wie der Hebel zum Mischen, ist in Wahrheit die Steuerung für die Wassermenge. Das funktionierte so: zuerst stellt man den mittleren Hebel auf rechts (=ein). Dann drehte man das Kalt-/Warmwasser auf und fummelte rum, bis eine Stunde später die richtige Mischung erreicht war. Es galt natürlich zu beachten, dass Warmwasser nicht sofort kam, sondern mit Verzögerung und dann ohne Vorwarnung. Wenn man die richtige Mischung hatte, konnte man mit dem mittleren Hebel die Wassermenge convenient regulieren. Das wäre ja nicht so übel, denn wenn es einmal eingestellt war, bekam man immer dieselbe Mischung. Dummerweise drehte das Zimmermädchen alle Hähne jedesmal komplett ab. So begann der Kreislauf des Lebens bzw. der Wasserkreislauf jeden Tag von neuem. Nun weiss ich aus eigener Erfahrung, was ein Hahnenkampf ist.

Ich habe auch einmal ein Badezimmer mit Schnapp-Schloss gesehen. Die Tür ist dann prompt zugefallen und ich konnte nicht mehr ins Bad. Null Problemo, ich nahm den Schlüssel aus der Halterung. Dummerweise war die mit dem Strom gekoppelt. Peng, alles wurde stockdunkel, weil die Vorhänge schon zugezogen waren. Bei völliger Dunkelheit ertastet man Ecken, die bisher noch nicht da waren. Also habe ich mich zur Zimmer-Tür getastet, diese geöffnet und dank dem Flurflutlicht dann die Badezimmertür geöffnet. Danach kam den Schlüssel wieder in die Halterung. Kleinigkeit. Ich gebe ja zu, motorisch nicht so geschickt zu sein, aber unterschätzt niemals einen fremden Raum. Nun weiss ich wie schlecht sich Jonas im Walfisch gefühlt haben muss. Dabei hatte er es noch gut, denn in einem Walfischmagen gibt es keine Schlösser. Vielleicht doch und dann ist man in einem Pottwal und hat man nur die Schlüssel für einen Blauwal dabei und regt sich tierisch auf, weil der Concierge gesagt hat "Vor Feuerland gibts sowieso nur Blauwale". Na toll und schönen Dank noch.

25.03.07

Indien 9001

Indien hat nicht nur eine Hochkultur hervorgebracht, sondern diese ist auch zertifiziert nach ISO 9001. Mönche suchen die Erkenntnis nicht einfach so durch ein bisschen Meditieren, sondern prozessorientiert. Die Qualitätssicherung garantiert, dass nicht irgendein Bastel-Nirvana erreicht wird, sondern was Feines. Quatsch. Es sind indische Firmen, die auf dem Pfad von ISO 9001 wandeln.

Qualität hat nicht zwingend etwas mit hochausgebildeten Informatikern zu tun. Im Mumbai gibt es Dabbawallas. Das sind Kuriere, die Lunchpakete von den Vororten zu den Angestellten bringen. Mit einem durchdachtem System erreichen Dabbawallas die höchste Qualitätsstufe im Six Sigma System. Das Essen wird zuhause gekocht und dann in die Stadt gebracht, wie eine Art personalisiertes Essen auf Rädern. Die Räder sind aber die der Bahn. Die bringt die Ladung ins Zentrum, dann gehts mit Karren oder zu Fuss weiter. Wer will, kann sich auch eine kulinarische Leihmutter nehmen oder sich eine Pizza bringen lassen. Der Transport bleibt aber von der Zubereitung getrennt. Da die Geschmäcker verschieden sind, und der Speiseplan strengen religiösen Regeln unterworfen ist, wären Fehler bei der Auslieferung verheerend. Darum wurden alle Fehlerquellen ausgemerzt. Wohlgemerkt; die meisten Dabbawallas sind Analphabeten. Aber sie sind clever. Nun soll das System auch in Silicon Valley Fuss fassen. Kein Wunder, es ist für Amis schon hart, wenn sie selber ins Auto steigen müssen um zu McDonalds zu fahren.

In Indien ist sogar die Marine ISO 9001 zertifiziert. Sowas habe ich noch nie gesehen. Ich frage mich, ob das so schlau ist. Denn ich könnte eine Seeschlacht ganz einfach gewinnen indem ich vorher bei der Qualtätssicherung anrufe und mich beschwere, dass die Schiffe so dreckig seien. Dann werden sie zurückgerufen und der Ozean gehört mir. He he. Vielleicht geht der Schuss auch nach hinten los und man kriegt einen netten Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren.
Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir nehmen die Anregungen unserer Kunden sehr ernst und haben unsere Flotte einer genauen Überprüfung unterzogen. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch die Zielgenauigkeit unserer Raketen verbessert. Wir werden Ihnen in den nächsten Tagen ein revidiertes Exemplar zustellen und wir hoffen Ihre Erwartungen bzw. Ihr Schiff zu treffen.
Und... tschüss.

27.03.07

Indische Geschäftskultur

Indische Firmen haben ein paar typische Eigenheiten. Zuerst mal das Bauliche. Grosse Firmen sind nicht speziell, die hausen in einem Business Park aus Stahl-Glas-Alu und mit globalen Gummibäumen. Kleinere Firmen backen kleinere Nans und vermittelten mehr das Gefühl in Indien zu sein. Es gab einen starken Kontrast zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum. Im öffentlichen Bereich waren die Strassen voller Schlaglöcher und in Mumbai zudem ziemlich dreckig. Dann gelangte man auf einen blitzblank geputzten Hof mit einem netten Gebäude, dem aber ein Eimer Farbe gut zu Gesicht gestanden hätte. Dann endgültiges Verlassen des indischen Sektors und eh man Pappadam sagen konnte, war man in einem gepflegten, schön gestalteten Büro. Oder etwas philosophischer. Je höher man steigt, desto heller strahlt die Sonne. Aber man muss aufpassen, beim Ikarus ist das ganz schön in die Hose gegangen. Deshalb machen viele Unternehmer Haus- bzw. Hotelbesuche. Das ist entgegenkommend, aber nicht so erhellend, denn man erhält man viel zu wenig Einblick in die Geschäftskultur.

Es gab ein paar heikle Punkte. Neben den grundsätzlichen Tabus in Geschäftsgesprächen wie Religion, Sex, Wertvorstellungen und nicht funktionierende Kugelschreiber, gab es lokale Spezialitäten wie die mangelnde Infrastruktur, das Heckmeck im Kaschmir und die Korruption der Regierung. Dafür sind die Taxifahrer zuständig, die auf den endlosen Fahrten bzw. im Stau zu einer Art von Familienmitglied werden. Bei den Firmen gab es spezielle Aspekte die unvermeidbar waren. Ein überraschendes Thema war bzw. ist Fluktuation. Eine Rate von 30% ist durchaus nicht aussergewöhnlich. Ausser natürlich in der Firma, die man gerade besuchte. Die erzählten lieber in epischer Breite was sie tun um die Leute zu halten.

Das Kommen und Gehen vor einem Bienenstock ist nichts gegen indische IT-Firmen. Wobei die Bienen eigentlich ja nur hinausfliegen um Nektar zu sammeln und dann zurückkommen. Um beim Vergleich zu bleiben muss das etwas präziser gesagt werden. Man stelle sich Bienen vor, die unterwegs mit anderen Bienen einen Deal abschliessen um den Nektar daraufhin in einen anderen Stock zu bringen. Oder Nektar aus dem Stock zu den Blumen bringen weil die Blumen mit dem Imker einen eigenen Deal gemacht haben. Inder sind auch weniger Autoritätsgläubig. Jede Biene kann Königin werden, wenn sie zwei andere Bienen trifft, die auch einen neuen Stock aufmachen wollen. Wobei aber die dritte Biene bei der Eröffnung nicht mehr mit dabei ist, weil sie ein gutes Angebot von einer anderen Königin erhalten hat. Die Abenteuer der Biene Maya wären in der indischen Fassung ziemlich langweilig, weil sie in den nectar-news stundenlang Informationen über andere vielversprechende Bienenstöcke sammelt und die Stellenanzeigen studiert. Und ihr Freund Willy hätte nach der zweiten Folge sowieso schon zum SAP-Stock gewechselt.

Die Salesreps in den Firmen haben die westlichen Gebräuche sehr intensiv studiert. Ich traf kaum auf den schon erwähnten Teppichhändler-Typus, wo alles nach dem Schema abläuft “WirhattennochnieirgendeinProblem”. Natürlich hatte ich auch eine Begegnung mit einem Verkäufer, der mit mobile services aufschwatzen wollte und zudem meinte, man könne sich an die Banken ranmachen. Eine gute Idee, die UBS ist ja berühmt dafür, insbesondere die mission-critical Systeme bei Startups einzukaufen. Aber das war echt eine Ausnahme. Es war ein sehr westliches Gefühl wenn man verhandelt hat. Die Leute in exportorientierten Firmen sind allgmein sehr gebildet und wissen viel über die Welt, also über die Schweiz. So fällt es ihnen nicht sehr schwer, sich in andere Kulturen hineinzuversetzen.

Die Leute scheinen so fit zu sein, dass sie sogar Gedanken lesen können. Ohne dass ich was gesagt hätte, hat einer von Tim&Struppi geschwärmt, meinem absoluten Lieblingscomic. Ich war total baff. Naja, so gut war er auch wieder nicht, als er seinen Lieblingsband genannt hat, war der Ofen aus und die Unterhaltung beendet. “Tim in Tibet”. Oje, soweit kommts ja noch. Ich meine, wer das mag, hat echt einen an der Waffel. Als ich “Ottkars Zepter” aufgeführt habe, hat er ganz anglosächsisch-ausweichend-höflich “how fascinating” gesagt, und ich wusste, er verachtet mich aus tiefstem Herzen. So dramatisch wars nicht, denn er fand auch, dass es Bände gibt, die besser nicht beurteilt werden sollten, um das Andenken Hergés zu erhalten. Zudem gibt es viele Leute die Tim in Tibet mögen – vermutlich sind es dieselben Ferkel die George Bush wählen. Das war Gemein. Schluss jetzt. Auf jeden Fall glaube ich mittlerweile, dass in Indien Gedankenlesen praktiziert wird, ohne dass wir was mitkriegen. Vielleicht könnten die Leute sogar einen wissenschaftlichen Beweis dafür erbringen. Aber was ist schon die Prämie eines Nobelpreises verglichen mit der Knete die man im Offshoring-business verdienen kann.

In der Software-Entwicklung sind die Leute auf einem sehr hohen Niveau. Ich hatte schon lange keinen mehr getroffen, der sich für Fuzzy-Logic und neuronale Netze interessiert. Vielleicht ein Zufall. Wenn da nicht der süsse Tee gewesen wäre, hätte ich nicht gewusst, wo ich war. Ein paar Röhrenmonitore in den Büros zeigten auch wo ich war. In Indien wird nicht unnötig Elektroschrott produziert. Was nicht verwundert. Für elektronische Geräte gelten Weltmarktpreise, daher ist Hardware extrem kostbar. Natürlich sind die jungen Leute anders und gehören zur Wegwerfgeneration. Die Lebenszyklen der Elektronik sollen sich in den letzten Jahren drastisch verkürzt haben. Mein Handy Baujahr 2001 hat einiges Staunen ausgelöst. Und Kopfschütteln. Wobei das, wie schon beschrieben, einen anderen Hintergrund hat. Glaube ich zumindest.

28.03.07

Indische Parallelwelten

Indien wird von aussen oft als homogene Kultur gesehen. Vielleicht weil es ein einziges Land ist. Eine ziemlich historische Sichtweise:
1 Kultur => 1 Nation => 1 Land => 1 Herz & 1 Seele
Das täuscht in Indien gewaltig, gibt es doch 21 Amtssprachen, plus englisch, sowie unzählige weitere Sprachen bzw. Dialekte. Damit ist das Land eher mit der Europäischen Union zu vergleichen als mit zentralistischen Gebilden wie beispielsweise Frankreich. In Indien wäre es auch nur schwer möglich Gänse zu quälen, nur weil das eine schicke Leber geben soll. Die Bundesstaasten sind in etwa anhand der Sprachgrenzen gebildet worden. Vor der Unabhängigkeit war der Subkontinent in hunderte Fürstentümer zersplittert, die häufig gegeneinander Krieg führten. Auf der Plus-Seite versuchten die Herrscher sich gegenseitig mit prachtvollen Tempeln und Palästen zu übertreffen, was gut für den architektonischen Reichtum ist. Ein Herrscher hiess Raja, bei einem grossen Gebiet hiess er Maharaja. Das Präfix Maha kann also mit den heutigen Begriffen Mega oder Fett übersetzt werden.

Wie die Römer Europa erobert haben, so haben sich die Briten Indien unter den Nagel gerissen indem sie die Rajas gegeneinander ausspielten. Maha-Meckerer wurden durch schnellen und massiven Truppeneinsatz in die Knie gezwungen, obwohl die Kolonialarmee gar nicht so gross war um alle Herrscher gleichzeitig in Schach zu halten. Divide et impera. Der Trick von Cäsar ist uralt, funktioniert aber immer wieder. Die schnellen Truppenverschiebungen waren auch der Grund, weshalb sehr schnell ein riesiges Eisenbahnnetz entstand. Die Briten waren also nicht etwa Train-Spotter wie sie uns gerne glauben machen möchten. Gleichzeitig entstand durch die Briten ein Nationalgefühl, der einen gemeinsamen Staat erst möglich machte. So ist Indien als einheitlicher Wirtschaftsraum und mit einer starken Bundesregierung einen Schritt weiter als die EU. Wieso haben eigentlich die Briten nicht Europa erobert, die Deppen? Ein paar Hooligans sind ja wohl eher ein Tropfen auf den heissen Stein. Was aber in Indien noch fehlt, ist ein Fleck in der Mitte der nicht dazugehört. Sowas ist nur natürlich, denn im Mittelpunkt einer Galaxie gibt es ja auch immer ein schwarzes Loch in dem Materie oder eben Steuergelder verschwinden.

Zu den vielen Sprachen kommen verschiedene Religionen. Die grösste ist der Hinduismus, aber auch diese Religion ist nicht zentralistisch mit einem Oberhammerguru an der Spitze, sondern eher wie die amerikanischen Kirchen in unzähligen Splittergruppen organisiert. Und wie in den USA gibt es eine starke räumliche und soziale Trennung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Die Existenz der Unterschicht wurde religiös zementiert. Vermutlich um es nicht nach Unfähigkeit des sozialen Systems, sondern nach göttlichem Willen aussehen zu lassen. Sie heissen in Indien Dalits, früher Paria. Da könnte Indien einen ganz fiesen Präzedenzfall für den Westen geschaffen haben.

Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, kommt noch eine zeitliche Komponente hinzu. Ich hatte immer das Gefühl, das in Indien mehrere Epochen gleichzeitig nebeneinander existieren. Die alte Zeit mit ihren jahrhundertealten Traditionen liegt keinen Steinwurf entfernt von der industriellen Revolution mit Verstädterung. Dort werden in grossen Industriebetrieben Tagelöhner nach klassich-kapitalistischen Methoden ausgebeutet. Das kommt ja bei uns auch wieder in Mode, aber in Indien ist das schon sehr brutal. Als weitere Epoche sieht man das Wirtschaftswunder mit einer neu entstehenden kaufkräftigen Mittelschicht. Als ob das nicht genug wäre, hat das Informationszeitalter schon längst begonnen.

So war es also nichts aussergewöhnliches wenn in Mumbai direkt neben einem Sweatshop eine Yuppiebar lag in der Latte Macchiato an Leute ausgeschenkt wurde, die an der nächsten Generation von Buchhaltungssystemen arbeiteten. Oder wenn ca. fünzig Leute ein Glasfaserkabel schleppen, das dann mit Hacke und Spaten im Boden vergraben wurde. Natürlich gibt es in Europa auch unterschiedliche Entwicklungsstufen. Das Frauenstimmrecht in Appenzell wurde ja auch erst vor kurzem eingeführt. Und das nicht etwa wegen plötzlich einsetzendem geistigem Fortschritt. Es wurde durch den Bund verordnet, weil sonst die Emmarines mit Einmarsch gedroht hätten.

Aufgrund der zum Teil absurden Phänomene, die ich in Indien gesehen habe, kann ich heute nur noch müde lächeln, wenn jemand von DER indischen Kultur spricht. Der grösste gemeinsame Nenner sind die Widersprüche an sich, und das schienen die Leute für das normalste der Welt zu halten. Es gibt Physiker, welche die These aufstellen, es könnte neben unserem Universum noch weitere Paralleluniversen geben. Gebongt, seit meinem Besuch in Indien kann ich mir das wirklich plastisch vorstellen. Ein griechischer Philosoph (Aristoteles???) soll gesagt haben: "Nenn mir einen festen Punkt im Universum und ich hebe dir die Welt aus den Angeln". Ich würde sagen: "Zeig mir einen gemeinsamen Punkt bei allen Indern und die Schweiz tritt der EU bei".

23.07.08

Kinderarbeit

Peinlich, dass Banken Fussbälle verschenken, die von pakistanischen Kindern gefertigt wurden. Deshalb spiele ich selber nicht mehr Fussball. Gut, ich war schon vorher auf der Linie von Churchill: No sports. Und der war immerhin ein grosser Staatsmann. Aber nun musste ich entsetzt feststellen, dass auch im Reisanbau Kinder beschäftigt werden. Und weil die Leute von TransFair darauf achten, dass die einheimischen Kinder zur Schule gehen, werden Gastarbeiter-Kinder aus Industrieländern zur Fronarbeit gezwungen. Der Beweis:

Mandarin Chiang Mai TH 04.jpg

Des Rätsels Lösung: Das Bild stammt vom Mandarin-Oriental Resort in Chiang Mai. Weil das mit dem Palmenstrand im Hochland von Thailand so eine Sache ist, und weil der Ausblick auf eine Textilfabrik nicht besonders romantisch wäre, wird vor den Luxusvillen nach traditionellen Methoden Reis angebaut. Nach der Ayourveda-Massage kann man mit dem Schirmchendrink zuschauen wie Wasserbüffel ihre Runden drehen. Und statt von behämmerter Club-Animation geistig sediert zu werden, können Kinder (und Erwachsene ebenso) alte Handwerkstechniken ausprobieren. Und das in einem Fünf-Sterne Resort. Das Konzept reicht noch viel weiter. Die Anlage wurde von Handwerkern erbaut, die auch Lehrlinge ausbilden. Durch die Modernisierung werden alte Techniken zunehmend durch preiswertere industrielle Massenfertigung aus Baumärkten abgelöst. Kein Wunder, Obi tönt ja irgendwie nach asiatischem Nudelgericht.

Das Resort bietet Luxus auf einem neuen Niveau. Für die Gäste einen Ausflug in die (baldige) Vergangenheit und mit den Einnahmen werden alte Traditionen am Leben erhalten, die sonst sang- und klanglos in die Klongs gespült würden. Ein schöner Kontrast zur vulgären Protzerei in den Emiraten. Bei genauem Hinsehen sind Hotels wie das Burj al Arab nichts anderes als Premium-Plattenbauten. Ein Foyer mit den Dimensionen einer Turnhalle mag zwar auf den ersten Blick grosszügig wirken, strahlt aber keinerlei Emotionen aus. Nicht dass es nicht möglich wäre, grosse Räume erlebnisreich zu gestalten - barocke Kirchen sind der beste Beweis. Nur braucht es viel Aufmerksamkeit im Detail.

Genau die wird zu oft der plumpen Effekthascherei geopfert. So werden dann in Arabien gerne die Decken dieser Turnhallen mit kiloweise Gold überzogen. Dadurch wird billiges Design durch teure Hardware übertüncht. Anstatt über die Inszenierungstricks für orientalische Stimmungen zu schwärmen, werden die Pressereferenten nicht müde zu erzählen, wieviel Geld alles gekostet hat. Sehr stilvoll wenn unmengen teurer Marmor eingeflogen wurde. Bis auf das Detail, dass sich keiner Gedanken gemacht hat was damit erreicht werden soll. Halt sauteuer, habe ich das schon gesagt? Als überzuckertes Sahnehäubchen erhalten die Gäste eine Fernbedienung für ein hochkomplexes Facility-Management System. Um das Licht auszuschalten braucht man ein Informatikstudium und wenn man den falschen Knopf drückt, wird statt RTL 2 die Klospülung aktiviert. Kein Wunder, bei überladenen Systemen sind verwandte Funktionen nur schwer zu unterscheiden und stiften deshalb so viel Verwirrung.

Das Mandarin in Chiang Mai zeigt nicht nur die hohe Schule des Theming-Designs. Uraltes Kunsthandwerk wird mit aktuellem Komfort verknüpft. Als i-Tüpfelchen wird mit den Einnahmen der betuchten Kundschaft ein Freiluftmuseum betrieben. In Schwellenländern fehlen dafür Mittel, beziehungsweise hat die wohlhabende Oberschicht diese Form des Kultur-Sponsorings hat noch nicht oben auf der Agenda. In den USA haben die Rockefellers mit Spenden die Kolonialstadt Williamsburg restauriert. In der Schweiz wird das Museum Ballenberg mit Steuermitteln betrieben, das Seminarzentrum liegt ausserhalb. Bauwerke die sich selber finanzieren und in denen man auch noch wohnen kann, kannte ich bisher nur von Palästen aber nicht von Hütten. Brecht meinte einst, die einen sollen Krieg und die anderen Frieden bekommen. Nun wird dieser Konflikt mit einem einheitlichen Geschäftsmodell gelöst. Da sind die Asiaten Weltmeister mit ihrem Yin-Yang-Ding.

2.10.08

Piemont

Es gibt ein paar Weltgegenden die unbedingt besucht werden müssen. Nun habe ich meine Hadsch ins Piemont gemacht. Aber nicht wegen Hasch, da würde man wohl besser nach Jamaica fahren. Das Piememont ist ein Must für Anhänger des Traubensaftes, aber nicht ein Must für Most, sondern für dessen gegorenes Derivat. Barolo und Barbaresco sind die wohlklingenden Namen, dazu kommen diverse weitere Gebiete. Die Italiener nehmen es sehr genau mit dem Branding bzw. den Ursprungsbestimmungen. Die kleinste Stufe ist DO, Denominazione di Origine. Sozusagen die Anfängerstufe für Weine und andere Lebensmittel die so irgendwie von dort kommen - mehr oder weniger. Das stört Puristen, deshalb gibt es noch ein Siegel für kontrollierten Anbau: DOC. Übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Word-Format von Piccolo-Dolce aus Mondorosso. Um Verwechslungen zu vermeiden sind Herkunftsbezeichnungen ja schliesslich da. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, aber auch da lässt sich locker noch etwas draufsatteln. Deshalb gibt es DOCG, also DO Controllato e Garantita. Hat zwar einen gesetzlichen Hintergrund, tönt aber schon etwas nach doppio moppio. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob das denn schon alles war. Wenn es nach mir ginge, würde ich noch die Stufe DOCGEE einführen: Denominazionte di Origine Controllata e Garantita, Echt Ey. Da sind die Franzosen erstaunlich klar und pragmatisch, es gibt AOC - et voilà.

Aus dem Blickwinkel des Geschmacks und der Value added services sind mir die Italiener trotzdem lieber. Nicht nur die Weine, sondern auch die piemontesische Küche ist ein Knüller. Selten hatte ich so guten Salami. Auch wurde mein Vorurteil korrigiert, dass Risotto immer irgendwie gleich schmeckt und so langweilig ist, wie einer jener full coverage reports von CNN wenn in China ein Sack Reis umgefallen ist. Gut, der Vergleich hinkt, er diente eher der metaphorischen Nähe, denn CNN berichtet nicht aus China ausser bei Olympia und einem Atomkrieg mit Taiwan. Korrekterweise müsste ich sagen .. so langweilig wie ein Bericht über eine Rede von Barack Obama vor Italienern in Idaho, aber dann wäre der Link zum Risotto im Eimer bzw. al Tonno um die Italienità notfallmässig wieder zurückzuholen.

Eine kulinarische Spezialität des Piemont sind Trüffel. Die werden übrigens von Hunden gesucht und nicht von den legendären Trüffelschweinen. Vermutlich weil die Italiener Schweine im Aggregatszustand "Salami" bevorzugen oder die Trüffelschweine im Auslandseinsatz an der Wall-Street sind, um rentable Bankenaktien zu suchen. Was vermutlich nicht funktioniert, denn der strenge Geruch unter Wall-Street kommt nicht von Delikatessen, sondern von den CDO-Leichen im Keller. Und die sind wertlos, ganz im Gegensatz zu Trüffeln welche pro Gramm mehr Kosten als Gold. Der Trick bei Trüffeln scheint die homöopatische Dosierung zu sein. Geringste Mengen geben Würze, aber wer wegen des Preises den Krösuns raushängen lassen will und zuviel draufgibt, produziert schnell ein Essen das nach unbelüftetem Treppenhaus müffelt.

Auf der ganzen Reise genoss ich mehrere Mahlzeiten mit fünf und sogar mehr Gängen. Lukullisch ist da nur der Vorname. Da die Nouvelle Cuisine - wie die Worte schon ahnen lassen - eher woanders zuhause ist, wäre für das Piement der Begriff üppig zutreffend. Natürlich selber schuld, denn jeder Gang ist fantastisch und schreit geradezu nach Totalverzehr. Damit niemand zu kurz kommt, gibts noch Nachschlag und dieser Versuchung mit eisernem Willen zu widerstehen ist ein ziemlich theoretisches Konstrukt. Danach fühlte ich mich ziemlich voll und schlaff. Noch ein Pfefferminzplätzchen und ich wäre explodiert - Jede Wette, dass Monty Python auch schon mal im Piemont war.

Eientlich ist alles nur eine Frage des Übung. Nach wenigen Stunden kamen mir Gedanken, dass ich ja auch wieder mal was essen könnte, zumal Besichtigungen von Weinkellern schon ziemlich kräftezehrend sind. Da werden dann all die Kalorien null komma nichts wieder abgebaut, gell? Meine Hoffnung stirbt nicht einmal zuletzt, die ist eine Art unsterblicher Highlander. Anders ginge es ja nicht, da hätte ich immer ein mulmiges Gefühl wegen all der fiesen Kalorien die mir an jeder Tellerecke auflauern. Genau deshalb haben die meisten Teller auch keine Ecken. Zum Glück ist mein Italienisch ungenügend und daher konnte ich nie eine Waage benzutzen, da ich ja die Bedienungsanleitung sowieso nicht verstanden hätte. So blieb es bei gefühlten Kilos; und Gefühle können bekanntlich sehr trügerisch sein und irrationale Angszustände auslösen. Ich finde Seele sollen Angst aufessen, nicht umgekehrt. Ggf. auch Pasta wenn keine Angst da.

Ein Genussmittel, das keine Kalorien enthält ist Kaffee. Beim Genuss eines Espresso könnte man meinen, das römische Reich sei mit dem osmanischen Reich identisch und die Römer hätten den Kaffeegenuss erfunden und die Bohnen von Arabien aus in der Welt verbreitet. Streng genommen war das ja alles einst eine Suppe, Mare Nostrum genannt. Nur das mit dem Kaffee in Italien kam erst später. Wann und Wie weiss ich nicht. In Österreich ist das klarer. Da hat der Türsteher des Kaffeehauses Sacher ein paar Türken auf Betriebsausflug den Zutritt verweigert. Die fühlten sich unverstanden und sind nach Hause gefahren. Den Kaffee haben sie zurückgelassen. Dann hatten die Habsburger die Erleuchtung, dass Sachertorte alleine auf Dauer zu entönig ist. Seither gehört zu einem netten Kränzchen Kaffee und Kuchen. Aber wie war das in Italien? Im Zweifelsfall würde ich einfach mal behaupten, dass Marco Polo den Kaffee zusammen mit den Spaghetti nach Italien gebracht hat. So wie Starbucks richtigen Kaffee in den USA eingeführt hat. Im Piemont wurde das, was wir mit dem Schimpfwort "Filterkaffee" bezeichnen, als "cafe americano" betitelt. Hart aber gerecht. Die G.I.'s mögen vielleicht Ahnung haben vom Faschistenbesiegen, aber kulinarisch brachten sie eher Unheil über Europa - Collateral Damage sozusagen.

Sogar in der grössten Hektik wird Stil grossgeschrieben. An einer Autobahngaststätte habe ich mich über den Entstehungsprozess eines Kaffees fast mehr gefreut als über das Endprodukt. Mit einer Hand nahm der Barolista den Kolben, hielt ihn unter eine Mühle die losratterte und Pulver einfüllte, stopfte an einer Art Rüssel das Pulver und dann ab unter die Maschine. Hand frei, Knopf drücken, mà! Gehts noch schneller? Als Land ist Italien völlig desorganisiert, fast schon peinlich, aber die Effizienz von Gastronomen ist unübertroffen. Vermutlich weil es meist Familien sind, oder zumindest Teams aus erfahrenen Leuten, die perfekt aufeinander eingespielt sind. Es ist schön Leute zu beobachten, die alles im Griff haben.

Das Piemont ist ein Genuss für alle Sinne. Die hügelige Landschaft mit den pittoresken Dörfern und Burgen auf den Hügeln leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlfühlfaktor. Die durchgestylten Leute (Auch Männer!) runden den optischen Eindruck ab. Einzig das Gehör kam etwas zu kurz. Selber singen ist schön, nur fehlen dann immer noch die Kindheitserinnerungen, als in jeder Bar Adriano Celentano lief. Es könnte auch Zucchero sein. Aber der hat zuviele Kalorien und darum lassen wir den Nachtisch heute mal weg.

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